EIP Agri „BioSeed“ – Projekt laufend


Die GKB e.V. ist OG-Partner im EIP Agri Projekt „Grüne Brücke zum regenerativen klimaangepassten Ackerbau: Biotisierung von Saatgut für Nährstoffmanagement, Humusaufbau und CO2-Bindung im Mais (BioSeed)“. Dieses Projekt wird durch die EU im Rahmen der Fördermaßnahme Europäische Innovationspartnerschaft „Produktivität und Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft (EIP Agri)“ gefördert..

 

Projekttitel

Grüne Brücke zum regenerativen klimaangepassten Ackerbau: Biotisierung von Saatgut für Nährstoffmanagement, Humusaufbau und CO2-Bindung im Mais (BioSeed)


Im Projekt BioSeed werden sieben Faktoren für eine regenerative Landwirtschaft vernetzt:

  1. Vergleich bio / konventioneller / konservierender Anbau,
  2. Nutzung von Mykorrhizapilzen,
  3. Nutzung von Bodenbakterien,
  4. Saatgutbehandlung,
  5. Anbau von Zwischenfrüchten,
  6. Bestimmung der Glomalinfraktion und der Wasserspeicherfähigkeit des Bodens,
  7. Kohlenstoff-Sequestrierung.

Ziel des Projekts ist es, einen Algorithmus zu entwickeln, der unterschiedlich biotisiertes Saatgut anhand der biologisch-physikalisch-chemischen Bodeneigenschaften zuverlässig zum Erfolg führt.

Im Innovationsfeld „Regenerativer Ackerbau“ werden mit erfahrenen Partnern praxisnah wirtschaftliche Verfahrensweisen zum ressourcenschonenden Nährstoff- und Pflanzenschutzmanagement im konventionellen / konservierenden und ökologischen Landbau, mit Humusaufbau und Stärkung des Bodenlebens entwickelt. Die Biotisierung von Saatgut verbessert die Treibhausgas-Bilanz des Mais-Anbaus. Damit leistet BioSeed einen Beitrag zu einer sicheren und nachhaltigen Versorgung mit Lebensmitteln, verbessert Prozesse zur Bewahrung der Umwelt, zur Eindämmung des Klimawandels und zur Anpassung an seine Auswirkungen. Gleichzeitig erfolgt der notwendige Brückenschlag zwischen Spitzenforschung und -technologie sowie den Landwirten, Unternehmen, NRO und Beratungsdiensten.

Beschreibung der Problemstellung und des Handlungsbedarfs

  • Klimawandel, nicht-nachhaltig bewirtschaftete Böden, Ressourcenverknappung und neue gesetzliche Vorgaben (Stichwort: Düngeverordnung) bei gleichzeitig steigender Bevölkerungszahl weltweit erfordern ein zeitnahes und rasches Umdenken in der landwirtschaftlichen Praxis. Zudem stehen die Verbraucher in vielen Ländern den bisherigen Verfahren zunehmend kritisch gegenüber. Der Begriff der Regenerativen Landwirtschaft fasst analog zu dem Term Regenerative Energien wohl am besten die Notwendigkeit zu einer Systemänderung zusammen; mit isolierten Einzelmaßnahmen wird dies keinesfalls gelingen. Landwirtschaft ist regenerativ, wenn Böden, Wasserkreisläufe, Anbaufrucht und Produktivität kontinuierlich besser werden, statt nur gleich zu bleiben oder nach und nach schlechter zu werden. Den Kern des Regenerativen Ackerbaus bilden daher laut Definition Maßnahmen zur Aktivierung und Stärkung des Bodenlebens und der Humusanreicherung.
  • Ein wichtiger Aspekt ist dabei eine möglichst ganzjährige Begrünung des Ackers, die vor allem über Untersaaten in Hauptfrüchten wie Getreide, Mais oder Raps sichergestellt wird. Auch intensiver Zwischenfruchtanbau gilt als wichtiges Werkzeug, um die Bodenbedeckung zu verlängern. Die notwendigen Wissensgebiete hierzu sind bei den Mitgliedern der OG BioSeed großenteils schon gut entwickelt (u.a. auch durch vorhergehende EIP-AGRI Projekte), jedoch ist die Vernetzung jetzt der Schlüssel zu einer erfolgreichen Innovation. Dementsprechend stellt sich die OG BioSeed einer multifaktoriellen Herangehensweise.

  • Den Kern der OG BioSeed bilden die Verknüpfung von sieben Schlüsseltechnologien zur Aktivierung und Stärkung des Bodenlebens und der Humusanreicherung sowohl im konventionellen und konservierenden als auch im biologischen Anbau. Intensiver Zwischenfruchtanbau mit artenreichen Mischungen als „Grüne Brücke“ ist ein wichtiger Baustein, der Bodenfruchtbarkeit fördernden Mikroorganismen eine gute Entwicklung gestattet und gleichzeitig den Boden durch verlängerte Bedeckung schützt. Zwischenfrüchte bilden energieliefernde Wurzelexsudate, die vielen Bodenorganismen als Nahrung dienen und wiederum zur Dauerhumusbildung beitragen. Arbuskuläre Mykorrhizapilze (AMF) sind ein wichtiger Bestandteil des Mikrobioms. Aufgrund ihrer Symbiose-Eigenschaften wirken sie sich, wie die biostimulierenden Bakterien, sehr positiv auf Pflanzenentwicklung und -gesundheit aus. Beide fördern die Bildung von Wurzelmasse, zusätzlich stabilisieren das Hyphengeflecht und die Exsudate der Pilze, allen voran das Glomalin und verwandte Verbindungen, die Bodenstruktur und wirken unter anderem erosionshemmend. Die pilzliche Glomalinfraktion bindet Kohlenstoff im Boden (Bodenkohlenstoffspeicher SOC) und in bodennaher Biomasse. Dieses wirkt der CO2-Anreicherung in der Atmosphäre entgegen und erhöht die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens.
  • Mit der Zusammenarbeit von landwirtschaftlichen Praktikern, einem Pflanzenzuchtunternehmen mit langjähriger Erfahrung in Zwischenfrüchten, einem Spezialbetrieb der Inokulumproduktion/Mykorrhizaanalyse und der OSTFALIA Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Suderburg, (eingebunden über Unterauftragnehmer BlaU, Büro für Landschaftsökologie und Umweltstudien GbR, Eicklingen) soll erforscht werden, wie sich ausgewählte Mikroorganismen (Mykorrhiza und Bakterien der Gattungen Bacillus, Kosakonia oder Pseudomonas) im Feld über die „Grüne Brücke“ des Zwischenfruchtanbaus neu etablieren und vermehren lassen bzw. welche Zwischenfrüchte insbesondere zur Stärkung des mikrobiellen Bodenlebens geeignet sind. Eine Besonderheit im Projektplan ist der sogenannte Crowd-Trial, bei dem möglichst zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe (ca. 100 Betriebe) in eher einfach konzipierten begleiteten Praxisversuchen im letzten Projektjahr die Beta-Version des BioSeed-Verfahrens testen werden. Ziel des Projekts ist es, einen Algorithmus zu entwickeln, der unterschiedlich biotisiertes Saatgut anhand der biologisch-physikalisch-chemischen Bodeneigenschaften zuverlässig zum Erfolg führt. Die Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit dafür wird vom OG-Mitglied GKB e.V. geleistet.
  • Der Ansatz der OG BioSeed ist, über die unmittelbare Zusammenarbeit von Landwirten, Züchtern und Wissenschaftlern zu praxisnahen und wirtschaftlichen Verbesserungen im Anbauverfahren hinsichtlich Bodengesundheit, Humusaufbau und damit einhergehender Stärkung der Pflanzenentwicklung und -gesundheit zu kommen. Diese Zusammenarbeit ist in höchstem Maße interdisziplinär und sektorübergreifend, sie betrifft Mikrobiologie, Pflanzenphysiologie, Bodenkunde und -ökologie ebenso wie die Physik der Saatgutformulierung. Die Erfahrung der Antragsteller aus der Praxis der letzten 20 Jahre zeigt, dass nur in einem multifaktoriellen Ansatz deutliche und vor allem stabile Erfolge zu erreichen sind.
  • Laufzeit des Projekts: 02/2020 – 01/2023

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