Rohrschwingelaufwuchs in Durumweizen

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Hofer Urs
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Rohrschwingelaufwuchs in Durumweizen

Beitrag von Hofer Urs » Montag 27. November 2017, 20:38

In unserer Fruchtfolge kommt nach ca. 5 Jahren Rohrschwingel oder Knaulgras wieder Durumweizen. Das besondere Problem hier in Südfrankreich war und ist dieses Jahr die grosse Trockenheit und die Flächenbrände. Selbst jetzt, ende November sind die Wiesen immer noch dürr und ich konnte vor dem Weizen säen die Rohrschwingelwiese nicht mit Glyphosate abbrennen. Hab versucht, mit einer Federzinkenegge flach den Boden zu bearbeiten, 2 x im Abstand von etwa einer Woche. Dann hab ich gesät. Sobald es dann vielleicht wieder mal regnet, wann weiss niemand, ist zu befürchten, dass Rohrschwingelmotten wieder ausschlagen und was dann?? Vielleicht wirkt Atlantis?? Oder was könnte sonst noch sinnvoll sein? Bezüglich Regen: Seit dem 25. Juni hats hier 75 mm geregnet, normal sind 200 - 300 mm. Zudem sind ca. 70 Hektaren abgebrannt. Glücklicherweise hauptsächlich schon abgeerntet Weizenfelder, aber eben auch dürre Kunstwiesen. Diese Feuer entstehen hauptsächlich durch fortgeworfene Zigarettenstummel bei starkem Mistral. Die meisten unserer Felder liegen an mehr oder weniger stark befahrenen Strassen.
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Re: Rohrschwingelaufwuchs in Durumweizen

Beitrag von Konrad Steinert » Dienstag 28. November 2017, 13:06

Etablierte Gräser zu beseitigen ist im pfluglosen Anbau immer ein größeres Problem. Schwingelarten sind normalerweise auch recht hart im Nehmen und lassen sich mit den üblichen Herbiziden im Weizen kaum ausreichend unterdrücken; allerdings dürfte es in Deutschland bisher kaum Erfahrungen zum Rohrschwingel geben, sondern eher zum Rotschwingel, der auch in diversen Untersaat-Mischungen vorhanden ist. Meist geht hier nichts ohne aktive Werkzeuge wie Fräse oder Zinkenrotor ("Unkrautkur"), um die Grassoden ausreichend zu enterden und zu zerkleinern. Sind die Grassoden aber völlig vom Untergrund abgeschnitten und danach ausgetrocknet, sollte das Gras dadurch aber auch weitgehend absterben und im folgenden Getreide kaum Probleme machen.
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Re: Rohrschwingelaufwuchs in Durumweizen

Beitrag von Hofer Urs » Dienstag 28. November 2017, 16:59

Vielen Dank für Ihre Antwort. Bei einem Flurgang heute Morgen hab ich gesehen, dass viele Rohrschwingelmotten grünlich werden. Den Weizen hab ich auf diesem Feld genau vor einer Woche gesät und die Saatkörner haben zum Teil schon bis 1 cm lange kleine Wurzeln. Offenbar hat der einzige Regen vor 3 Wochen doch noch etwas Feuchtigkeit im Boden gebracht. Bevor der Weizen aufläuft, versuche ich nun noch Glyphosate zu spritzen. Zum Glück ist es inzwischen für unsere Verhältnisse kalt geworde 1 Grad in der Nacht und etwa 8 - 10 Grad am Tag. Das beste wäre, noch zuzuwarten, bis kurz, ein zwei Tage vor dem Auflaufen, dann würden die Motten grüner und das Herbizid wäre viel wirksamer. Weil es aber sozusagen immer windet steigt natürlich dadurch das Risiko. Würden 2 l/ha Glyphosate 360 reichen?
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Re: Rohrschwingelaufwuchs in Durumweizen

Beitrag von Konrad Steinert » Donnerstag 30. November 2017, 09:56

Offenbar reicht dem Weizen für die Keimung schon das Wasser aus dem Tau aus oder aus der Hygroskopizität der Böden, wenn nachts eine hohe Luftfeuchtigkeit besteht. Ich habe große Zweifel, ob man den Rohrschwingel jetzt noch ausreichend mit Glyphosat erfassen kann, wenn er kaum grüne Blätter hat; die Dosis dürfte da nur eine geringe Rolle spielen. Es wäre wahrscheinlich besser gewesen, mit der Saat und der Spritzung auf Regen zu hoffen und bis zum Wiederergrünen der Fläche abzuwarten. Zumal auch kaum abzuschätzen ist, welche Auswirkung die Rotte der Graswurzeln auf den Weizen hat - hier können allelopathische Effekte entstehen, die dem Weizen schaden.
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Re: Rohrschwingelaufwuchs in Durumweizen

Beitrag von Hofer Urs » Donnerstag 30. November 2017, 11:16

Tja, da haben Sie schon recht, ich hätte noch länger warten sollen. Dazu hatte ich leider zuwenig gute Nerven. Noch besser gewesen wäre, die Rohrschwingelwiese ein Jahr länger zu behalten.
Man wird dann vielleicht bald sehen, was passieren wird. (werde Sie auf dem Laufenden halten) im Schlimmsten Fall könnte es eine Mischwiese, Weizen x Rohrschwingel geben. Die würde ich dann heuen und das Heu verkaufen. Heu ist bei uns sehr begehrt. Zum Glück geht es um eine Fläche von nur etwa 8 Hektaren.
Die grosse Trockenheit hier macht uns schon sehr grosse Sorgen. Es ist kein Regen in Sicht, auch anfangs Dezember nicht. Im Januar regnets normalerweise nicht mehr viel. Vielleicht hätte man diesen Herbst gar nie etwas anbauen sollen. Mfg.
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