zunehmende Schilfproblematik

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Auinger Helmut
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zunehmende Schilfproblematik

Beitrag von Auinger Helmut » Freitag 7. August 2015, 20:54

Hallo Forumsteilnehmer!

Hab auf einer zugepachteten Fläche ein zunehmendes Problem mit Schilf.
Es handelt sich dabei um einen stark humosen Boden mit leicht unterdurschnittlichen
Kalk, P und K-Gehalt und sehr hohen Mg-Gehalt.
pH-Wert liegt durch Mg aber bei 6,7.
Zur Schilfproblematik kommt auch noch der Knöterich( Winde und Vogel) hinzu.
Wie kann ich das Schilf chemisch behandeln? Doppelte Aufwandmenge eine Gräserherbizides hat mit vergangene
Woche ein Berater einer Pflanzenschutzfirma empfohlen.
Oder eine ordentliche Menge Glyphosat mit einem sehr guten Netzmittel???
Oder mechanisch bei den derzeit trockenen Bedingungen mit der Federzinke????
Danke schon im Voraus für eure Beiträge!
Helmut aus OÖ
Leider kann ich euch

Konrad Steinert
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Re: zunehmende Schilfproblematik

Beitrag von Konrad Steinert » Samstag 8. August 2015, 09:21

Gräsermittel können z. B. im Raps helfen, das Schilf niederzuhalten, aber nachhaltig sanieren kann man die Fläche so nicht. Mechanisch wird man dem Schilf auch kaum Herr, weil es sehr tief wurzelt und dadurch mit Bodenbearbeitung nicht ausreichend erfasst werden kann. Deshalb erscheint mir der Einsatz von Glyphosat als sinnvollste Möglichkeit zur Bekämpfung. Wichtig wäre dann natürlich, dass das Schilf ausreichend grüne Blattmasse hat. Vorerst müsste deshalb auch eine Fruchtfolgeanpassung erfolgen, also insbesondere keine zu engen Maisfruchtfolgen, sondern ein Einschieben von Getreide und Sommerungen. Das könnte auch gegen den Knöterich helfen, der sich in Getreide relativ einfach bekämpfen lässt.
Dr. Konrad Steinert
Redaktion
LOP LANDWIRTSCHAFT OHNE PFLUG
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ANDERSgesehn
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Re: zunehmende Schilfproblematik

Beitrag von ANDERSgesehn » Dienstag 11. August 2015, 09:35

Auinger Helmut hat geschrieben:
stark humosen Boden mit leicht unterdurschnittlichen
Kalk, P und K-Gehalt und sehr hohen Mg-Gehalt.
pH-Wert liegt durch Mg aber bei 6,7

Helmut aus OÖ
hallo helmut!

ich hätte dazu ein paar gedanken,
vielleicht kann´s einer korregieren
bzw auch noch ergänzen.

anstatt von (billig) glyphos würde ich
durch das produkt kyleo ersetzen.
(kombiprodukt mit gräsermittel)

weiters würde ich schilff dessen lebens-
grundlage entziehen, dass zumal der
nährstoffreiche boden (geht leider nicht
so einfach) und viel wichtiger das wasser
(eventuell staunässe??). - da es sich um
eine pachtfläche handelt, ist das mit dem
drainagieren halt zu klären.

weiters sind aus deinen angaben von der
bodenanalyse auch auf eher verdichteten
boden zu schliessen bzw boden mit wenig
porigen boden (luft), also sollte hier auch
massnahmen gesetzt werden, dass wieder
luft in den boden kommt und dadurch wasser
wieder leichter abgeführt werden kann.
magnesium ist hier veranwortlich dass wasser
sich länger in boden hält und keine bzw schwer
luft in den boden kommt. ein aufkalken ist hier
eindeutig wichtig (kein gips, sondern
mg-freier/armer mischalk).

phosphor niedrig und ph-wert hoch, dann ist klar
dass p aufgedüngt werden soll, auch schwefel
mit erhöhten mengen wären hier sinnvoll, denn
in alten fachbüchern spricht man hier nicht von
p sondern von phosphorsäure, genauso nicht von
s sondern von schwefelsäure.
schilff bringt hier von der oberirdischen masse
kohlensäure (gas somit auch ein teil der luft,
leider nicht sauerstoff) in den boden/ufergebiet,
dass ist nämlich sein sinn von der biologischen
aufgabe.
mit p und s bist du aber hier effizienter und
ersetzt dazu seinen lebensarbeit. -> dh. den
boden säuern und luft in den boden bringen!

-

eine frage.
deine aussage zu stark humosen boden.
ist das deine annahme zu "leicht bearbeitbaren"
boden bzw sieht leicht zu bearbeitend aus, oder
sind hier kohlenstoff-gehalt von der bodenanalyse
vorhanden?

lg aus oö
ANDERS.
schweinezucht & schweinemastbetrieb mit
pseudovergleyte parabraunerde, 60-68 bodenpunkte
290-410m seehöhe ~900mm jahresniederschlag 9° temp.
im letzten jahrtausend weltmeister in stoppelpflügen.
es ist verdammt hart bauer zu sein.

Auinger Helmut
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Re: zunehmende Schilfproblematik

Beitrag von Auinger Helmut » Dienstag 11. August 2015, 19:39

Hallo Anders!

Nett dich auch in diesem Forum anzutreffen.
Der V 500 freut sich sehr!
Einige Antworten meinerseits.

Humoser Boden- Humusgehalt über 6
P- u K-Gehalte:
Ich werde im heurigen Winter bzw. Frühjahr 16 wieder nach 5 Jahren die Fläche beproben, um zu sehen
was sich mit den P/K Gehalten in diesen Jahren verändert hat.
Die Fläche wurde nämlich die Jahre zuvor eher Düngungsextensiv bewirtschaftet.
P-Mangel ist für mich nicht optisch sichtbar, jedoch eklatanter K-Mangel!
Z.B. bei Mais hab ich die K-Mengen (erhöhte Mengen) gesplittet, den Boden gewalzt- um eine besser Mobilisierung
zu erreichen
Vielleicht noch eine Anmerkung zu K.
Ich hab eine weitere Pachtfläche in einem Abstand von rund 150m- eigentlich selber Bodenzustand nur mit einem
kleinen Unterschied. Der Grundstücksbesitzer war ein intensiver Rinderhalter und durch den Wirtschaftsdünger waren
auch die K-Gehalte im Boden sehr gut.
Dort wächst eigentlich mit leicht erhöhten K-Gaben alles sehr zufriedenstellend.
Zum Boden:
Die Flächen sind drainagiert und eigentlich nicht staunass.
Es ist einfach so, das der Acker im Herbst doch eher etwas bindiger ist und dadurch etwas schwieriger zu bearbeiten,
im Frühjahr nach einer Frostgare aber wie Mehl ist und keine/kaum Struktur hat.

Abschließend: Kyleo besteht aber aus einem 2,4D und einem Glyphosat. Gräsermittel ist meines Wissen hier keines drinnen.
Wirkt ein Wuchsstoff auf das Schilf?? Ebenfalls keine Wirkung werden Sulfos haben z.B. SL 950,...........??

Danke an Hr. Steinert und an dich natürlich für die Antworten.
Nochmals danke für die Info über das Ertragskartierungssystem auf deinem MD. Ich werde mich nachdem jetzt die Druschsaison
vorerst mal beendet ist, darüber genauer informieren.

lg
Helmut

Konrad Steinert
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Re: zunehmende Schilfproblematik

Beitrag von Konrad Steinert » Dienstag 11. August 2015, 20:39

Glyphosat ist doch das Gräsermittel schlechthin, seine Stärke liegt gerade in der systemischen Wirkung gegenüber ausdauernden Ungräsern wie Quecke oder eben Schilf. Nach bisherigen Erfahrungen soll 2.4D im Kyleo die Wirkung verbessern, obwohl das ja eigentlich eher gegen Dikotyle wirkt - siehe auch LOP Mai 2015. Mit Düngung wird man wegen der tiefen Bewurzelung gegen Schilf kaum etwas ausrichten können, zumindest kurzfristig. Die Wurzeln und Ausläufer des Schilfrohrs sollen bis in eine Tiefe von mehr als 1 m reichen, und es kommt dadurch auch auf gut drainierten Äcker vor. Wenn man es ohne Chemie bekämpfen will, müsste man die Fläche etwa zwei Jahre lang scharf beweiden, so heißt es jedenfalls in der älteren Literatur.

Es ist aber bekannt, dass humose Niedermoorstandorte oft extrem arm an Kali und Phosphor sind und eine entsprechende Düngung hier Wunder bewirken kann - bzw. ohne regelmäßige Grunddüngung nur geringe Erträge zu erwarten sind.
Dr. Konrad Steinert
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Georg Doppler
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Re: zunehmende Schilfproblematik

Beitrag von Georg Doppler » Mittwoch 12. August 2015, 00:10

Das mit dem Beweiden funktioniert nach meiner Erfahrung perfekt. IS ja auch ein ganz ähnlicher Standort bei mir.
Helmut die Tiere dafür stell ich jedenfalls gerne zur Verfügung. ;)
lg
Georg
Bio-Marktfruchtanbau, Blonde d´Aquitaine hornlos Zucht, Freilandschweinehaltung in Oberösterreich:
Mulch- und Direktsaat auf mittelschwerem Lehm, 360m, 900mm, 7,8 Grad
http://www.biohofdoppler.at
Vibroflex, John Deere 750a, Dynadrive

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