Saatgut beizen-eine Notwendigkeit oder nur Gewohnheit

ulikum
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Re: Saatgut beizen-eine Notwendigkeit oder nur Gewohnheit

Beitrag von ulikum » Montag 1. November 2010, 20:42

Hofer Urs hat geschrieben:@low-tiller u. ulikum; klar, das verstehe ich natürlich schon auch als Versicherung, mein Saatgut ist auch gebeizt. Nur, wenn man so schaut, wie man bedacht ist, ja kein Blattfungizid zu viel zu spritzen und nach dem Schadschwellenprinzip arbeitet, so ist die Saatgutbeizerei fast wie eine Faust auf das Auge. Da ist's dann plötzlich egal und man bezeichnet es ganz einfach "Versicherung". Ist mir ein bischen zu einfach. Mir fehlen neutrale Versuchsresultate. Weiter stelle ich mir die Frage: Ist es denn beispielsweise notwendig, 100 ha gegen Schwarzbeinigkeit zu beizen, wenn ohne Beize nach Wahrscheinlichkeit 1 ha betroffen wäre. Das Kosten/Nutzenverhältnis ist doch so völlig aus dem Ruder.Es profitiert nur einer davon, die Saatgutindustrie. Bei Schädlingen das gleiche. Möchte noch ein Beispiel unserer Gegend hinzufügen. Es werden tausende von Hektaren Hartweizensaatgut mit Gaucho gegen Blattläuse gebeizt. In den meisten Jahren vermehren sich die Läuse aber erst dann, wenn das Gaucho bereits keine Wirkung mehr hat und man muss dann trotzdem noch spritzen mit einem anderen Insektizid.
mfg.

-> die meisten Krankheiten gegen die gebeizt wird können später nicht mehr bekämpft werden.
-> die Ausbreitung von Schneeschimmel ist stark witterungs- abhängig und keiner kann im September den Winter
vorhersagen.
Der Pilz wird aber über das Saatgut übertragen und das kommt bei uns im September / Oktober in den Boden.
Deshalb versichert man sich mit Beize oder aber man geht das Risiko ein.

Was wäre wenn du nicht mit Gaucho beizen würdest?
Schon mal drüber nachgedacht?
Wie groß wäre der Schaden wenn alle 5 Jahre eine Ertragsausfall vorhanden wäre ?

Beizen ist gleich Minimierung des Risikos oder auch eine Versicherung.
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und diese tauschen, hat am Ende jeder zwei neue Gedanken
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Hofer Urs
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Re: Saatgut beizen-eine Notwendigkeit oder nur Gewohnheit

Beitrag von Hofer Urs » Montag 1. November 2010, 21:16

@ulikum; das ist mir auch bekannt, das Schneeschimmel und andere" bodenbürtige Krankheiten sich ausbreiten können auf Grund der Witterung und anderer Faktoren. Das lernt man in der Schule schon. Es erscheint mir trotzdem nicht sinnvoll, standardmässig grossflächig zu behandeln ohne das man eine Ahnung hat, wie gross die Wahrscheinlichkeit eines Befalls sein könnte. Oder hast Du genaue, statistisch abgesicherte Versuchsresultate Deines Betriebes oder Gebietes? Was ich unter Wahrscheinlichkeit und Kosten/Nutzenverhältnis verstehe, habe ich oben schon erklärt. Auf unserem Betrieb wurde noch nie mit Gaucho gebeitzt, habe lediglich oben beschrieben, wie's in unserem Gebiet läuft. Es gäbe andere Beispiele, wie das Latitude.
mfg.
Acker-und Weinbau

ulikum
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Re: Saatgut beizen-eine Notwendigkeit oder nur Gewohnheit

Beitrag von ulikum » Dienstag 2. November 2010, 06:57

Bezüglich Steinbrand kann ich dir sagen:
Beim Weizen geht es ohne beizen nicht, dafür ist das Risiko zu groß !

Wie haben aber bis jetzt nur über Totalausfall geredet.

Wie groß die Schäden durch Minderertrag sind kann ich nicht sagen,
aber die sollte man auch nicht außer acht lassen.
Was ist wenn wegen fehlender Beizung 100 ha einen Minderertrag von 3 bis 4 % haben?
das wirst du so überhaupt nicht feststellen können !
hast du darüber schon mal nachgedacht ?

Oder wenn im Frühjahr dann drei Spritzungen mit Fungiziden statt zwei gemacht werden müssen ?


Ansonsten kann ich dir empfehlen, eigene Versuche zu machen und sie dann auch aus zu werten.
Die Ergebnisse könnten dann auf jeden Fall ein Thema für das Forum sein.
Aber fünf Jahre solltest du schon auswerten.
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Herbert Pickel
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Re: Saatgut beizen-eine Notwendigkeit oder nur Gewohnheit

Beitrag von Herbert Pickel » Dienstag 2. November 2010, 11:37

Hallo.
In der Bioszene geht man davon aus, dass ein gesunder Boden (Humusaufbau) diese Krankheiten verhindert. :shock:
Da sind wir wieder beim "Thema" Humus. ;)
Mir wurde wärmstens empfohlen, voll in den Bodenaufbau zu investieren, vor allem bei der Umstellung. :o Fällt schwer und kostet Kapital. Es bleibt einen aber nichts anderes übrig. 8-)
Denn einmal Steinbrand heißt bekanntlich zehn Jahre kein Weizen mehr bauen. :shock: :shock:
Die Kollegen, die sehr gute Böden aufgebaut haben, sehen sich auf der sicheren Seite hinsichtlich bodenbürdige Krankheitserscheinungen. :lol:
Es ist somit egal ob konvi. oder bio. ordentliche Humusgehalte bringen halt viele Vorteile. Nur ist es halt schwer den Humus in die Flächen zu bringen. ;)

Servus.
Herbert
Biolandwirt, Ackerbau, pfluglos, 270 m über NN, 550 mm Niederschlag/Jahr,
bis 40 Bodenpunkte, Frühjahrstrockengebiet, Großraum Erlangen

ulikum
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Re: Saatgut beizen-eine Notwendigkeit oder nur Gewohnheit

Beitrag von ulikum » Dienstag 2. November 2010, 19:26

Herbert Pickel hat geschrieben:Hallo.
In der Bioszene geht man davon aus, dass ein gesunder Boden (Humusaufbau) diese Krankheiten verhindert. :shock:
Da sind wir wieder beim "Thema" Humus. ;)

Mir wurde wärmstens empfohlen, voll in den Bodenaufbau zu investieren, vor allem bei der Umstellung. :o Fällt schwer und kostet Kapital. Es bleibt einen aber nichts anderes übrig. 8-)
Denn einmal Steinbrand heißt bekanntlich zehn Jahre kein Weizen mehr bauen. :shock: :shock:
Die Kollegen, die sehr gute Böden aufgebaut haben, sehen sich auf der sicheren Seite hinsichtlich bodenbürdige Krankheitserscheinungen. :lol:
Es ist somit egal ob konvi. oder bio. ordentliche Humusgehalte bringen halt viele Vorteile. Nur ist es halt schwer den Humus in die Flächen zu bringen. ;)

Servus.
Herbert
Hallo Herbert,
das ist nicht nur ein Thema in der Bioszene, sondern auch ein ganz aktuelles bei der Direktsaat.
Gesunder Boden / Humusaufbau, gleich gesunde ausgeglichene Pflanzenernaehrung gleich wiederstandsfaehigere Pflanzen,
Wenn zwei Menschen jeder einen Apfel haben
und sie diese Äpfel tauschen, hat am Ende auch nur jeder einen.
Wenn aber zwei Menschen je einen Gedanken haben
und diese tauschen, hat am Ende jeder zwei neue Gedanken
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York-Th. Bayer
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Re: Saatgut beizen-eine Notwendigkeit oder nur Gewohnheit

Beitrag von York-Th. Bayer » Dienstag 2. November 2010, 20:13

ulikum hat geschrieben:
Herbert Pickel hat geschrieben:Hallo.
In der Bioszene geht man davon aus, dass ein gesunder Boden (Humusaufbau) diese Krankheiten verhindert. :shock:
Da sind wir wieder beim "Thema" Humus. ;)

Mir wurde wärmstens empfohlen, voll in den Bodenaufbau zu investieren, vor allem bei der Umstellung. :o Fällt schwer und kostet Kapital. Es bleibt einen aber nichts anderes übrig. 8-)
Denn einmal Steinbrand heißt bekanntlich zehn Jahre kein Weizen mehr bauen. :shock: :shock:
Die Kollegen, die sehr gute Böden aufgebaut haben, sehen sich auf der sicheren Seite hinsichtlich bodenbürdige Krankheitserscheinungen. :lol:
Es ist somit egal ob konvi. oder bio. ordentliche Humusgehalte bringen halt viele Vorteile. Nur ist es halt schwer den Humus in die Flächen zu bringen. ;)

Servus.
Herbert
Hallo Herbert,
das ist nicht nur ein Thema in der Bioszene, sondern auch ein ganz aktuelles bei der Direktsaat.
Gesunder Boden / Humusaufbau, gleich gesunde ausgeglichene Pflanzenernaehrung gleich wiederstandsfaehigere Pflanzen,
nur so mal als Abrundung. Mir wurde Gestern ein Video zugespielt, "Testament" eines alten Landwirtes nach 40 Jahren. Er setzt z. b. seit 1996 keinen Dünger mehr ein bei Ertragsgleichheit mit der Umwelt. Sein Humus Gehalt liegt bei 2,5%, im angrenzenden Wald liegt er bei 3% und bei den konv. Bodenbearbeitungsbetrieben liegt er unter 1%. bitte nicht die Absoluten Zahlen ansehen sondern die Verhältnisse zeigen es.
vor Jahren wurde uns schon der Hinweis gegeben das es Betriebe gibt die quasi als bio Betriebe Ertragsgleichheit mit konv. Betrieben erzielen ohne Zufuhr von Außerbetrieblichen Nährstoffen oder großem Einsatz von Mit & Gülle. Alles über die Erhöhung der biolog. Aktivität des Bodens.
Wie sagte der alte Landwirt: man muß drann bleiben und nicht versuchen gegen die Natur zu arbeiten. Unkräuter & Schädlinge sind nicht ein Problem sondern Zeichen mangelnder biolog Aktivität. Unkräuter sind auch eine Reaktion weil der Boden nicht der prallen Sonne ausgesetzt sein möchte sondern bedeckt sein möchte. Das ist wie bei einzeln stehenden Bäumen die sehr schnell am Stamm ausschlagen. Diese Ästchen sorgen für eine Beschattung des Stammes und damit einer Senkung der Temperatur.
York-Th. Bayer
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