Ostindischer hanf / sunn hemp

sweet_bunny22
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Ostindischer hanf / sunn hemp

Beitrag von sweet_bunny22 » Sonntag 22. Juni 2014, 21:01

Sunn hemp ist eine staudenartig wachsende, tropische leguminose und verdankt den namen ihrem aussehen, das an marihuana erinnert. Wird wohl in südamerika schon lange als zwischenfrucht gebaut und auch in den us von a erfreut sich das zeug wachsender beliebtheit, auch im mittleren westen und nicht nur im subtropischen süden. Wird jetzt von einigen mitteleuropäischen anbietern als das nächste große ding gehandelt. Würde es dieses jahr probieren, da immense mengen an wurzelwerk, n- bindung und zwei meter aufwuchs in acht wochen vegetation in aussicht gestellt werden (haa-haa).
Außerdem gefällt mir als rinderhalter im trockenrisikogebiet der gedanke, im spätsommer eine mögliche futterquelle mit 30% rp in den blättern als sicherheitsreserve auf dem acker zu haben.

Wer kann was zu dem zeug sagen?
Peter

9° --- 550 l/m²/a --- 230-400 m ü. NN --- WW-WRaps-WW(WRoggen)-SM(CCM) --- s/sL/lS/L --- Sandstein-/Muschelkalkverwitterung --- 20-80 BP --- 1GV/ha

Ein abhandener Pflug macht noch keine Mulchsaat.

Konrad Steinert
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Re: Ostindischer hanf / sunn hemp

Beitrag von Konrad Steinert » Montag 23. Juni 2014, 07:59

Das gibt es inzwischen bei Freudenberger Feldsaaten, Crotalaria juncea. In Südamerika ist es neben dem Rauhhafer der Standard bei den Zwischenfrüchten, weil es viel organische Substanz bildet und Unkräuter gut unterdrückt. Im Aussehen erinnert es übrigens nicht an Hanf - der Name scheint vielmehr daher zu kommen, dass man die ausgewachsenen Pflanzen ähnlich wie Hanf zur Fasergewinnung nutzen kann.

http://www.fao.org/ag/agp/AGPC/doc/Gbas ... 000475.htm

Ob es das richtige für unser Klima ist, wage ich aber zu bezweifeln. Immerhin braucht Crotolaria ziemlich viel Wärme und ist deshalb besonders frühsaatfordernd. Für spätere Aussaaten nach Weizen ist es sicherlich nicht das richtige - außerdem soll eine Saatgutimpfung unbedingt erforderlich sein. Spätestens ab Mitte September ist dann bereits Schluss mit dem Wachstum, ähnlich wie bei Ramtillkraut. Denkbar wäre aber sicherlich eine frühe Aussaat nach GPS-Getreide als Zweitfrucht, dann könnte es eine interessante Option sein, vielleicht auch in Kombination mit Hirsearten. Ob es ein gutes Futter ist, wäre noch zu untersuchen, in Südamerika wird es offenbar ausschließlich zur Gründüngung genutzt. Der hohe Alkaloidgehalt könnte in der Fütterung zu Problemen führen (siehe Link oben!)
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Re: Ostindischer hanf / sunn hemp

Beitrag von sweet_bunny22 » Montag 23. Juni 2014, 12:00

Alles richtig :?
Ich werde es nichtsdestotrotz dieses Jahr versuchen, und zwar nach WW als Direktsaat möglichst in Sichtweite zum Mähdrescher, mit Rhizobien.
Freudenberger verkauft die Samen inc. Rhizobien im 1-ha-Pack.
Werde ein paar Bilder einstellen. Kann nicht mehr als schief gehen.
Peter

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Re: Ostindischer hanf / sunn hemp

Beitrag von sweet_bunny22 » Montag 23. Juni 2014, 20:39

Aber wenn ich mir die ergebnisse der bildersuche so anschau kann ich mir schon vorstellen, dass der ein oder andere anfänger versucht, sich aus den blättern ein tütchen zu drehen :P
Peter

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Re: Ostindischer hanf / sunn hemp

Beitrag von Konrad Steinert » Dienstag 24. Juni 2014, 12:42

Also mich erinnert das eher an Ginstersträucher, die Blätter haben ja auch eine ganz andere Form als die von Hanf (keine Fächerform, keine Zahnung).
Ganz sicher kann man allerdings nie sein, dass irgendein Ahnungsloser eine unbekannte Pflanze für Hanf hält:

http://www.bild.de/regional/stuttgart/p ... .bild.html
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Re: Ostindischer hanf / sunn hemp

Beitrag von sweet_bunny22 » Dienstag 24. Juni 2014, 17:10

:D jaja sowas gibts immer wieder :P
Bin selber sehr unerfahren im umgang mit dem, was wir in bayern rauschgift nennen. Daher meine naive vorstellung der ähnlichkeit beider pflanzen.
Peter

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Re: Ostindischer hanf / sunn hemp

Beitrag von sweet_bunny22 » Donnerstag 2. Oktober 2014, 20:16

Mittlerweile habe ich mit dieser Zwischenfrucht eine erste Erfahrung gemacht.
Saat ende Juli nach WW mit Gänsefußscharen in die Stoppel. Feldaufgang - naja - ausreichend. Nachdem der Bestand nicht kommen wollte und immer mehr vom Ausfallgetreide überwachsen wurde, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass mir da die Schnecken einen Strich durch die Rechnung gemacht haben. Typische Fraßschäden an den jungen Blättern und Trieben, ca. 1 Pflanze / m² wäre übrig geblieben. Umbruch und Neuansaat mit Erbsen-Hafer-Gemenge mitte August.
Wenn ich jetzt auch noch bei der Zwischenfrucht mit Schneckenkorn oder sonstigem Pflanzenschutz anfangen soll, bleiben wir wohl lieber bei den heimischen Arten. Scheint in Amerika weniger ein Problem zu sein, die Schneckenbrut.
Peter

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Re: Ostindischer hanf / sunn hemp

Beitrag von Konrad Steinert » Dienstag 7. April 2015, 09:42

Eine neue Erkenntnis der Wissenschaft:

http://www.pflanzenforschung.de/index.php?cID=10306

Die Rhizobien von Crotolaria produzieren also Giftstoffe, die dann offenbar auch die Pflanze schützen. Das macht verständlich, warum die Pflanzen bei uns von den Schnecken weggefressen werden!
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Re: Ostindischer hanf / sunn hemp

Beitrag von Hansi » Dienstag 7. April 2015, 19:35

Konrad Steinert hat geschrieben:Eine neue Erkenntnis der Wissenschaft:

http://www.pflanzenforschung.de/index.php?cID=10306

Die Rhizobien von Crotolaria produzieren also Giftstoffe, die dann offenbar auch die Pflanze schützen. Das macht verständlich, warum die Pflanzen bei uns von den Schnecken weggefressen werden!

Mit der Bitte um Erklärung
Warum werden Pflanzen gefressen,die durch Giftstoffe geschützt sind ?
Hansi
50 Jahre Viehloser Ackerbau in Schleswig-Holstein
mit den typischen Problemen dieser Anbau-Folge.

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Re: Ostindischer hanf / sunn hemp

Beitrag von Konrad Steinert » Dienstag 7. April 2015, 20:26

In den Tropen sind die spezifischen Rhizobien vorhanden, dort gibt es offenbar eine Schutzwirkung. Säen wir Crotolaria hier aus, fehlen die spezifischen Rhizobien noch, weil es diese Pflanze bisher nicht gab. Demzufolge bleibt die Pflanze hier weitgehend ungeschützt.
Das Problem mit den Abwehrstoffen kann tatsächlich recht gravierend sein. So hat man beim Raps die Senföle (Glucosinolate) weggezüchtet und bei der Lupine die Bitterstoffe (Alkaloide). Damit können diese Pflanzen jetzt besser als Nahrungs- oder Futtermittel verwendet werden, sind aber damit deutlich anfälliger für diverse Schädlinge geworden.
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