Einige Fragen zum Thema Zwischenfrüchte

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Christian Kussel
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Einige Fragen zum Thema Zwischenfrüchte

Beitrag von Christian Kussel » Donnerstag 13. Januar 2011, 23:00

Hallo werte Forenleser,

Angeregt durch eine GKB-Veranstaltung in Bad Kreuznach im Dezember habe ich mich in den letzten Tagen intensiver mit dem Thema Zwischenfruchtanbau auseinandergesetzt. Ich bewirtschafte 150 ha Ackerland mit der Fruchtfolge Zuckerrübe - Sommerbraugerste - Winterweizen - Wintergerste. Für einen Teil der Fläche soll die Fruchtfolge langfristig auf Zuckerrübe - Sommerbraugerste - Winterweizen - Futtererbsen - Winterweizen - Wintergerste umgestellt werden. Zusätzlich halte ich knapp 400 Mastschweine.

Im kommenden Sommer würde ich den ZF-Anbau gerne auf einer kleinen Fläche ausprobieren. Konkret plane ich nach Wintergerste und vor Zuckerrüben den ZF-Anbau. Dafür wollte ich entweder nemtodenreduzierenden Senf und/oder Ölrettich verwenden. Bezüglich der Anbautechnik wollte ich versuchen, kurz nach der Ernte auf die Fläche Gülle auszubringen, diese mit der Scheibenegge einzuarbeiten und anschließend die ZF mit einer Direktsaatmaschine auszusäen. Nach meiner Vorstellung sollte der ZF-Bestand dann im Winter abfrieren, so dass ich ihn idealerweise bei Frost flach einarbeiten kann. Vor der ZR-Saat müsste ich dann wohl noch eine flache Saatbettbereitung durchführen.

Meinen Sie, dass meine Ideen funktionieren oder habe ich irgendwo einen Fehler gemacht? Gibt es evtl. andere ZF-Kulturen oder ZF-Mischungen die auch oder vielleicht besser geeignet sind? Ich dachte da noch an Phacelia oder an Ramtillkraut. Eine weitere Frage habe ich bzgl. Leguminosen als Zwischenfrüchte: Ich könnte mir auch verschiedene Kleearten oder auch Wicken gut als ZF vorstellen, aber ich habe die Befürchtung, dass ich dann evtl. Probleme bezüglich Unverträglichkeit mit meinen Erbsen bekomme. Ist diese Befürchtung berechtigt oder kommen sich diese Pflanzen nicht gegenseitig ins Gehege? Ich würde auch gerne eine ZF zwischen WW und Erbsen anbauen. Können Sie mir dafür etwas empfehlen?

Mit freundlichen Grüßen
Christian Kussel

ulikum
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Re: Einige Fragen zum Thema Zwischenfrüchte

Beitrag von ulikum » Mittwoch 19. Januar 2011, 14:17

Angeregt durch eine GKB-Veranstaltung in Bad Kreuznach im Dezember habe ich mich in den letzten Tagen intensiver mit dem Thema Zwischenfruchtanbau auseinandergesetzt.



Hallo Christian,
Es ist schön das die Veranstaltung was bewirkt hat,
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Wenn ich dein schreiben lese, dann frage ich mich warum so viel Bodenbearbeitung?
viewtopic.php?f=14&t=77
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Zwischenfrüchte machen eigentlich nur als Gemenge einen wirklichen Sinn.
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mal was zum lesen, Thema Zwischenfrüchte.
http://www.ibla.lu/ibla/images/stories/ ... frchte.pdf
http://www.aelf-ph.bayern.de/pflanzenbau/linkurl_15.pdf
http://www.dsv-saaten.de/andere_kulture ... terralife/
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Empfehlungen sind schwer aus zu sprechen, dafür müsste man doch einiges mehr wissen.
Z.B. Was nutzt eine Empfehlung wenn du ganz andere Vorstellungen bezüglich des Nutzens von den Zwischenfrüchten hast?
Wenn zwei Menschen jeder einen Apfel haben
und sie diese Äpfel tauschen, hat am Ende auch nur jeder einen.
Wenn aber zwei Menschen je einen Gedanken haben
und diese tauschen, hat am Ende jeder zwei neue Gedanken
"Platon"

Gonzo
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Re: Einige Fragen zum Thema Zwischenfrüchte

Beitrag von Gonzo » Mittwoch 19. Januar 2011, 15:06

Christian Kussel hat geschrieben:Hallo werte Forenleser,

Für einen Teil der Fläche soll die Fruchtfolge langfristig auf Zuckerrübe - Sommerbraugerste - Winterweizen - Futtererbsen - Winterweizen - Wintergerste umgestellt werden.
Mir geht es ähnlich wie Dir: ich fange eigentlich erst jetzt nach wieder an mich intensiver mit den Zwischenfrüchten zu beschäftigen und habe meine ersten Erfahrungen in der letzten Saison gemacht. Nach diesen (bescheidenen) Erfahrungen, dem Bodenfruchtbarkeitsseminar der GKB im Mai 10 und der Lektüre einiger Bücher und Abhandlungen über den Zwischenfruchtanbau fallen mir zu Deinen Ideen folgende Anregungen ein:

1. Wenn der Zwischenfruchtbau einen nachhaltig erkennbaren Erfolg haben soll, dann sollte man versuchen möglichst häufig eine Zwischenfrucht in die Fruchtfolge einzubauen. Die von Dir o.g. Fruchtfolge bietet mehrere Möglichkeiten:
- nach Sommerbraugerste vor Weizen (wenn die Ernte nicht zu spät erfolgt)
- nach Winterweizen vor Futtererbsen
- nach Wintergerste vor Zuckerrüben

2. Ich baue seit ein paar Jahren den Winterweizen nicht vor, sondern nach der Wintergerste an. Nach alter Lehrmeinung ist das undenkbar, aber meine Erfahrung bestätigt das nicht. Im vergangenen Herbst habe ich auf einigen Flächen eine DSV TerraLife Mischung nach der Wintergerste direkt bestellt und den Weizen dann in diese Zwischenfrucht eingesät. Das gefiel mir sehr gut; mal abwarten, wie sich diese Bestände entwickeln. Diese Möglichkeit Weizen nach Gerste zu stellen hättest Du auch und Du hättest damit eine weitere Gelegenheit eine Zwischenfrucht einzubauen.

3. Du planst als Zwischenfrucht vor den Rüben Senf oder Ölrettich zu verwenden. Darüber würde ich noch einmal nachdenken, denn diese Kreuzblütler machen zwar tolle oberirdische Bestände, aber im Wurzelbereich gibt es stärkere Pflanzen, die Dir evt. einen besseren Effekt auf die Bodenstruktur und die Nährstoffmobilisierung liefern. Ich würde grundsätzlich verschiedene Arten mischen, denn erst dadurch erreicht man den Effekt, dass die unterschiedlich beschaffenen Wurzeln sich gegenseitig ergänzen. Die Mischungen, die im Handel z.B. von DSV angeboten werden sind sicherlich gut für den Einstieg. Der Vorteil der Mischung ist auch der, dass bedingt durch die unterschiedlichen Ansprüche der verschiedenen Kulturen eher gesichert ist, dass der Bestand sich gut entwickelt. Der Nachteil der Mischungen ist allerdings, dass sie deutlich teurer sind als Senf.

4. Zu dem Thema Leguminosen in einer Erbsen-Fruchtfolge sollte Dir eigentlich einer der biologisch arbeitenden Kollegen etwas sagen können, denn da wird das doch häufig gemacht. Ich denke, dass, solange die Leguminose nur ein Teil einer vielfältigen Zwischenfruchtmischung ist, kein besonderes Problem auftauchen sollte.

5. Vermutlich werden wir (also ich habe mir es zumindest vorgenommen) in den nächsten Jahren einiges Kapital in Form von Zwischenfruchtsaatgut in unserer Böden investieren müssen bevor die große Begeisterung ausbricht. Bis dahin sollten wir dieses Forum nutzen, uns gegenseitig zum Durchhalten zu ermutigen - ich befürchte das wird manchmal nötig sein.

Gruß,
gonzo.

Christian Kussel
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Re: Einige Fragen zum Thema Zwischenfrüchte

Beitrag von Christian Kussel » Mittwoch 19. Januar 2011, 18:27

An ulikum:
Wenn ich dein schreiben lese, dann frage ich mich warum so viel Bodenbearbeitung?
Meiner Meinung nach ist die Bodenbearbeitung vor der ZF-Aussaat aus 2 Gründen erforderlich: 1. Um die Gülle einzuarbeiten (wobei man die auch später ausbringen könnte) und 2. wegen unserem Mähdrescher. Die Maschine ist schon ein bisschen in die Jahre gekommen was sich insbesondere an ziemlich lang gehäckseltem Stroh, das auch noch nicht besonders gut verteilt ist, bemerkbar macht. Durch einen Arbeitsgang mit der Scheibenegge kann ich das Stroh noch etwas zerkleinern und verteilen.

Ob eine Saatbettbereitung erforderlich ist wird sich zeigen.

Auf jeden Fall schon einmal vielen Dank für die Links.

An Gonzo:
1. Wenn der Zwischenfruchtbau einen nachhaltig erkennbaren Erfolg haben soll, dann sollte man versuchen möglichst häufig eine Zwischenfrucht in die Fruchtfolge einzubauen. Die von Dir o.g. Fruchtfolge bietet mehrere Möglichkeiten:
- nach Sommerbraugerste vor Weizen (wenn die Ernte nicht zu spät erfolgt)
- nach Winterweizen vor Futtererbsen
- nach Wintergerste vor Zuckerrüben
Eine ZF zwischen Sommergerste und Weizen auszusäen wird vermutlich bei mir nicht klappen: Ich komme aus Rheinhessen, d.h. wir haben einen heißen Sommer mit wenig Niederschlag und in der Regel eine Vorsommertrockenheit. Im Jahresdurchschnitt kommen wir auf 500 l Niederschlag.
Nach Winterweizen und vor den Erbsen könnte man sicherlich eine ZF aussäen, das stimmt. Und die ZF zwischen Wintergerste und Zuckerrüben habe ich ja ohnehin vor.

Die Wintergerste vor den Weizen zu stellen halte ich für keine gute Idee, weil ich dann zweimal Gerste hintereinander habe.

Mit den Artenmischungen von DSV habe ich mich auch schon auseinandergesetzt und mir hat die TerraLife Rigol gut gefallen. Wie gut friert denn eine solche Mischung ab? Das war für mich nämlich eines der Argumente, die für Ölrettich und Senf gesprochen haben: Das beide wohl im Winter sicher abfrieren.

Zum Thema Erbsen Leguminosen in der Erbsenfruchtfolge hat jetzt mein Pflanzenbauberater gemeint, dass man das besser nicht machen sollte, aber falls dazu jemand eigene Erfahrungen beisteuern kann, wäre ich dafür sehr dankbar.

Grüße
Christian

low-tiller
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Re: Einige Fragen zum Thema Zwischenfrüchte

Beitrag von low-tiller » Mittwoch 19. Januar 2011, 19:12

Christian Kussel hat geschrieben:An ulikum:
Wenn ich dein schreiben lese, dann frage ich mich warum so viel Bodenbearbeitung?
Meiner Meinung nach ist die Bodenbearbeitung vor der ZF-Aussaat aus 2 Gründen erforderlich: 1. Um die Gülle einzuarbeiten (wobei man die auch später ausbringen könnte) und 2. wegen unserem Mähdrescher. Die Maschine ist schon ein bisschen in die Jahre gekommen was sich insbesondere an ziemlich lang gehäckseltem Stroh, das auch noch nicht besonders gut verteilt ist, bemerkbar macht. Durch einen Arbeitsgang mit der Scheibenegge kann ich das Stroh noch etwas zerkleinern und verteilen.


Grüße
Christian
hallo ,
so einen drescher habe ich auch und bin trotzdem zum notiller mutiert !
mit einem ordentlichen schlegelmulcher kannst du diese probleme gut und besser als mit einer scheibenegge lösen .
wenn du das schlegeln noch mit hoch schnittkombinierst , dann ist dieser arbeitsgang kostenneutral .
eine direktsaattaugliche drilltechnik vorausgesetzt , ist die häcksellänge oft überbewertet ,
viel wichtiger ist die gleichmäßige verteilung des strohs und das wichtigste , gerade im zusammenhang mit direktsaat ist der spreuverteiler .

gruß jürgen
nord-östliches niedersachsen , leichter heidesand grundwasserfern und flußmarsch grundwassernah , bis auf neu übernommene flächen 100 % notill , scheibendrille mit unterfußdüngung und 25cm reihenabstand , low-tech und low-input .

Gonzo
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Re: Einige Fragen zum Thema Zwischenfrüchte

Beitrag von Gonzo » Mittwoch 19. Januar 2011, 20:54

Christian Kussel hat geschrieben:
Die Wintergerste vor den Weizen zu stellen halte ich für keine gute Idee, weil ich dann zweimal Gerste hintereinander habe.

Ich dachte an die zweite Fruchtfolge, die Du erwähnt hattest.
Rheinhessen hört sich nach Frühdruschgebiet an. Da hast Du jedenfalls den Vorteil, dass Du eine lange Vegetationszeit für Deine Zwischenfrüchte hast. Vielleicht kann man mit der Sortenwahl auf die Trockenheit reagieren und doch noch vernünftige Bestände hinbekommen. Eines ist klar: je mehr Du nach der Ernte im Boden rumwühlst, um so schwieriger wird die Sache. Am besten man fährt mit der Sämaschine direkt hinter dem Mähdrescher her. Die Gülle kannst Du auch noch etwas später bringen.

Christian Kussel
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Re: Einige Fragen zum Thema Zwischenfrüchte

Beitrag von Christian Kussel » Mittwoch 26. Januar 2011, 12:20

Ich muss sagen, dass mir die Idee mit dem Mulcher gerade gut gefällt. Damit könnte ich evtl. das Problem der Strohverteilung lösen und auch noch Wasser im Boden halten.
Rheinhessen hört sich nach Frühdruschgebiet an.
Ja, das stimmt. Wir sind mit der Wintergerstenernte in der Regel Ende Juni - Anfang Juli fertig. Der Weizen ist bei uns fast immer bis Ende Juli gemäht, wenn man einmal von Ausnahmen wie im letzten Jahr absieht.
Vegetationszeit für eine ZF wäre also reichlich vorhanden, nur das Wasser dürfte ein Problem darstellen.

Kohl
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Re: Einige Fragen zum Thema Zwischenfrüchte

Beitrag von Kohl » Mittwoch 26. Januar 2011, 14:58

Umso wichtiger ist eine Aussaat ohne Zeitverlust am Tag des Mähdrusches oder am Tag danach!
Mein Vater ist oft schon parallel mit dem Drescher mit eine Kurzscheibenegge mit aufgebautem Streuer unterwegs. Um die Saatgutmengen klein zu halten, bauen wir Gemenge aus Senf, Phacelia und Ölrettich an.
Bei gößervolumigem Saatgut (Hafer,Erbsen,Sonnenblumen die auf deinem Standort hervorragend passen sollten) könnte ich mit einen Schleuderstreuer im Frontanbau und ein Bodenbearbeitungsgerät im Heckanbau gut vorstellen. :arrow: Investitionskosten 0€.

Gülle halt auf den wachsenden Bestand, wenn die Zeit es erlaubt.
100% Mulchsaat, konventinell, Scheibenschardrilltechnik
50% Wintergetreide, 50% Silomais,
100% Zwischenfrüchte nach Getreide

Stefan
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Re: Einige Fragen zum Thema Zwischenfrüchte

Beitrag von Stefan » Freitag 28. Januar 2011, 12:27

@Christian Kussel,
Mainfranken hat fast die gleichen Bedingungen wie Rheinhessen. Abgesehen von 2010 (was für eine Feuchte) kommt bei uns immer eine Zwischenfrucht zwischen zwei Hauptfrüchte, selbst bei WW-WW. Die Zeit reicht bei den Temperatursummen und Tageslichtlängen immer aus um einen "schönen" Bestand zu bekommen.
Wichtig im Trockengebiet: Anwalzen, Anwalzen, Anwalzen und am besten direkt hinter Mähdrescher drillen.
Ölrettich, Senf, Phacelia, Buchweizen........ geht alles wunderbar auch als Mischungen.

Ich entscheide immer nach wie lange der ZWF-Bestand stehen bleiben wird. Soll heißen bei WW-ZWF-WW (ca. 10 Wochen) kommt der billige Senf rein und bei WW-ZWF-ZR werden teurere Mischungen etabliert.

Mulchen geht auch gut, allerdings sollte man aufpassen wenn ZR folgen sollen. Die Mulchmatte verhindert ein zügiges abtrocknen und beim Einsatz von Totalherbiziden habe ich nicht den optimalen Erfolg, da z.B. Ausfall-WW unter Mulchmatte nicht immer gut getroffen wird.

So kanns dann aussehen
gruss
stefan
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Mulchsaat, Konventionell, LUZ (25%), Getreide (50%), ZR (25%), ZWF nach Getreide, Nordbayern, Trockengebiet

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