Österreich: Humusfachtag am 20.01.2011 in Kaindorf

York-Th. Bayer
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Re: Österreich: Humusfachtag am 20.01.2011 in Kaindorf

Beitrag von York-Th. Bayer » Freitag 7. Januar 2011, 11:04

Gonzo hat geschrieben:Sind das diese Initiaiven, die in dem "Humus" - Film vorgestellt werden? Wenn das so ist, dann kann ich die Bedenken von Stefan Schloegl nachvollziehen. Mir ist auch nicht ganz klar geworden, wo diese Unmengen von Kompost herkommen sollen, die für das Verfahren benötigt werden.
Der Film "Humus" ist innerhalb des Projektes wohl gedreht worden. Der Film ist gut aber ist halt leider einseitig weil er:
- das Thema Humusabbau durch Bodenbearbeitung
- No Till als Möglichkeit
völlig ausklammert und damit die Punkte, die Herr Schloegl treffend beschrieb, eine klare Breitseite der Angriffsmöglichkeit oder zumindest eine Schieflage das ganzen Projektes bewirken.
für mich stellte sich sehr schnell die Frage: Woher soll die ganze Organik kommen für die Mio. Hektar in D? Man solle sich mal das hoch rechnen. Und da diese Mengen nicht vorhanden sind ist kann man die positiven Auswirkungen - Bodenfruchtbarkeit usw. einfach vergessen, weil diese nicht kommen können auf diese Art. Daher lassen Sie uns nach Wegen suchen die auch ein Landwirt gehen kann der nicht an dieser Kompostquelle sitzt.
Sicher sind diese Art der Projekte sehr "sexy" für die Öffentlichkeit & Politiker. Nur bringen diese uns weiter, für die breite Landwirtschaft?
York-Th. Bayer
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Gonzo
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Re: Österreich: Humusfachtag am 20.01.2011 in Kaindorf

Beitrag von Gonzo » Freitag 7. Januar 2011, 14:46

Jedenfalls muss man den Kollegen in Kaindorf eines lassen: sie haben ein bombiges Marketingkonzept entwickelt, wie man den teilweise nicht ganz unproblematischen Reststoff Kompost los wird und gleichzeitig ein sehr imagewirksames Konzept entwickelt, die Landwirtschaft zum Klimaschützer werden zu lassen. Alle Achtung.

Stefan Schloegl
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Re: Österreich: Humusfachtag am 20.01.2011 in Kaindorf

Beitrag von Stefan Schloegl » Freitag 7. Januar 2011, 19:28

Das gute an der ganzen Geschichte ist, dass man sich endlich mit der Thematik Degradierung und Erosion von Böden beschäftigt.
Gerade in dieser Gegend wird intensiv Veredelungswirtschaft betrieben und auf Flächen, die manchen für Grünland schon fast zu steil sind, Mais als Futtergrundlage angebaut wird.
Ich versuche mich seit 10 Jahren mit pfluglosen und teilweise No-Till Anbau was bei meinen "Spezialkulturen" Kürbis und Speisebohnen nicht ganz einfach ist. Bin aber meines Wissens fast der einzige im Bezirk!
Lustig war ja bei der letzten Humustagung, dass die meisten Berufskollegen glauben:
Ok, wir kaufen uns einen gscheiten Grubber und machen alles andere gleich wie früher und alles ist super ;-)
Ich habe ja die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass man daraus eine Initiative entwickelt um Anbaumethoden zu etablieren, die auch flächendeckend umsetzbar und wirksam sind. Nicht nur ein paar ha mit Kompost zuschütten, sich mit dem mehr oder weniger gebundenen CO2 zu brüsten und sich nebenbei wundern, wenn sich die Wasserschutzbehörde drüber aufregt.

Gruß Stefan
Gruß, Stefan

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Norbert Sauer
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Re: Österreich: Humusfachtag am 20.01.2011 in Kaindorf

Beitrag von Norbert Sauer » Freitag 7. Januar 2011, 22:20

Hallo Forum´ler

Was da in Kaindorf gemacht wird finde ich einfach nur gut. Es zeigt einen Weg auf, wie man Humusaufbau betreiben kann und gleichzeitig „Abfall“ wieder positiv in den Kreislauf zurück bringt. Wir Deutschen verbrennen z. B. nicht unerbliche Mengen an organischem Material in Müllverbrennungsanlagen. Wenn man dann sagt: „Wo soll der viel Kompost her kommen“. Ist das so, wie wenn man der Meinung ist das Direktsaat in Europa nicht geht.
Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
Sicher die Düngerverordnung verbietet es im Moment große Mengen an Kompost einzusetzen.
Aber erstens sollte man wissen, dass die Dynamik der Nährstoffe in einem guten Kompost (den gibt es in Deutschland selten) anders ist als z.B. bei Gülle oder Stallmist. Und zweitens wissen wir alle, das die Düngerverordnung nichts mit dem gesunden Menschenverstand zu tun hat und keine unveränderbare Bibel ist.
Ich will nicht sagt das Humuswirtschaft a´la Kaindorf der Königsweg für alle ist.
Nur, die packen es an. Die Tun was.
Wir hier wollen doch alle Humusaufbau betreiben.
Jeder hat da einen anderen Ansatz seinen Boden positiv zu verändern. Der eine versucht es über Mulch- oder Direktsaat, andere machen sich Gedanken über Zwischenfrüchte und Fruchtfolge, wieder andere schören auf die richtige Zusammensetzung der „Ernährung“ des Bodens. Einige wollen über Bio den Bodenaufbau betreiben.
Aber wer weis wirklich wie es geht ?
Und solange es so ist, sollten wir alle Wege unterstützen und von den Erfahrungen der anderen lernen.
Auch wenn das Programm in Kaindorf nur 5 Jahre geht,
auch wenn ein Herr Dunst sich eine goldene Nase verdient,
auch wenn dieser Großmetzger sich nur „frei „ kaufen will.
Wir können hier soviel Wissen erhalten, das wir uns alleine niemals erarbeiten und leisten könnten.
Forschung kostet Geld, sehr viel Geld.

Gruß Norbert

Man kann nur alles sehen, wenn man auch in alle Richtungen schaut.

Kohl
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Re: Österreich: Humusfachtag am 20.01.2011 in Kaindorf

Beitrag von Kohl » Samstag 8. Januar 2011, 05:05

@ Schloegl
Versteh ich es richtig, dass in Österreich die Landwirtschaft in den Zertifikatehandel einbezogen ist?
100% Mulchsaat, konventinell, Scheibenschardrilltechnik
50% Wintergetreide, 50% Silomais,
100% Zwischenfrüchte nach Getreide

Stefan Schloegl
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Re: Österreich: Humusfachtag am 20.01.2011 in Kaindorf

Beitrag von Stefan Schloegl » Samstag 8. Januar 2011, 10:11

Ich bin sehr dafür in Entwicklung und Forschung zu investieren!
In Österreich wird meines Wissens der meiste organische Abfall Kompostanlagen zugeführt.
Das in Kaindorf was getan wird ist natürlich positiv, vor allem weil es viele Leute zum Nachdenken anregt und da besteht dann die Hoffnung, dass doch was brauchbares dabei rauskommt.
Bloß ist bis jetzt noch nix dabei, was sich auch flächendeckend - also auf die ganze Region umsetzen lässt. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

Die Geschichte mit dem Zertifikatshandel ist so, dass die Ökoregion Kaindorf hier ein eigenes System aufbaut - erfunden hat. Einfach gesagt: Ein Emittent - z. B. Schirnhofer - kauft freiwillig Zertifikate für die ein Landwirt sich verprlichtet entsprechende Mengen C in seinem Boden zu binden.
Den ganzen Zertifikatshandel halte ich schlichtweg für Schwachsinn - auch den global angedachten und teilweise umgesetzten.
Man versucht Umweltverschmutzung einen Wert zu geben und untereinander zu handeln mit dem Effekt, dass wieder neue Admistrationskonstrukte erfunden werden.
Na sicher schafft das auch Arbeitsplätze, aber letztendes ändert sich am Resourcenverbrauch nix. Maximal verschiebt man die Emissionen in andere Regionen.
Das hat für mich mehr mit Glauben und Ablasshandel zu tun aber nicht viel mehr.
Quasi darf ich weiter mit meinem SUV fahren, weil der Peruaner in den Bergen eh kein Auto braucht, und damit wir alle lustig sein können überweis ich denen ein paar Euros damit ich auch seinen rechnerischen Anteil der Luft verschmutzen darf ... lächerlich.
Gruß, Stefan

Motto: Effizienz ist die Faulheit der Intelligenten!

ulikum
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Re: Österreich: Humusfachtag am 20.01.2011 in Kaindorf

Beitrag von ulikum » Samstag 8. Januar 2011, 16:33

Kohl hat geschrieben:@ Schloegl
Versteh ich es richtig, dass in Österreich die Landwirtschaft in den Zertifikatehandel einbezogen ist?
Mal was zum lesen


http://www.kompost-biogas.info/index.ph ... &Itemid=41
http://www.nachhaltigkeit.org/201008305 ... limawandel
http://www.oekoregion-kaindorf.at/data/ ... 1-2010.pdf
Norbert Sauer hat geschrieben:
Man kann nur alles sehen, wenn man auch in alle Richtungen schaut.
Das Problem ist nur hier geht es um viel Geld, und da vergisst man leicht den Rundumblick.
Bei 200 to Kompost je ha und Jahr das entspricht 200 kg/ha N würde ich auch nicht mehr von einer Düngung sprechen. Ich denke hier darf man auch schon das Wort Entsorgung benutzen.
Mit Nachhaltigkeit und echtem Aufbau von Humus hat diese System nach meinem dafürhalten nicht viel zu tun.

Da hat man leider u.a. das Thema Direktsaat (möglichst keine Bodenbearbeitung) vergessen und auch das mit dem Fließgleichgewicht vom Humus wurde irgendwie nicht bedacht.
--------------

Deshalb wird man in Deutschland auch andere Wege gehen. :?:

Bei der Kompostierung geht viel zu viel CO2 ( ca. 50%) verloren, und es wird CH4 (Methan) und N2O (Lachgas) beides Klimagase gebildet.
Für Hessen gilt z.B. das ab 2020 keine Kompostieranlagen mehr betrieben werden können.
Alles muss dann in die Trockenfermentation (siehe auch Bioferm), http://www.youtube.com/watch?v=vpOeQgpYg6M, oder ähnliche Anlagen (PYREG) siehe auch Thema Terra Preta, Biokohle.

Und auch hier wird es wieder um viel Geld gehen.
--------------------
Vielleicht wird eines Tages eine neuer Martin Luther Thesen zum Umweltschutz an die Tür der Schloßkirche zu Wittenberg nageln und damit eine wirkliche Umkehr einleiten.

Bis es soweit ist werden wir mit dem Ablasshandel und den dazugehörigen Ablassbriefen leben dürfen.
http://www.fr-online.de/kultur/moderner ... index.html
Wenn zwei Menschen jeder einen Apfel haben
und sie diese Äpfel tauschen, hat am Ende auch nur jeder einen.
Wenn aber zwei Menschen je einen Gedanken haben
und diese tauschen, hat am Ende jeder zwei neue Gedanken
"Platon"

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Re: Österreich: Humusfachtag am 20.01.2011 in Kaindorf

Beitrag von Kohl » Sonntag 9. Januar 2011, 10:36

Fakt ist doch, dass auch bislang ein mehr oder weniger großer Anteil der Komposte in der Landwirtschaft untergebracht wurde. Lediglich der "Ablasshandel" wurde nicht durchgeführt.

Bei 200 kg N in der Kompostdüngung sehe ich allerdings noch keine Entsorgungsprooblematik. Durch die hohen Kohlenstoffgehalte wird der Stickstoff doch gebunden/benötigt und geht nicht im ersten Jahr verloren.
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Re: Österreich: Humusfachtag am 20.01.2011 in Kaindorf

Beitrag von ulikum » Montag 10. Januar 2011, 09:49

Kohl hat geschrieben: Bei 200 kg N in der Kompostdüngung sehe ich allerdings noch keine Entsorgungsprooblematik. Durch die hohen Kohlenstoffgehalte wird der Stickstoff doch gebunden/benötigt und geht nicht im ersten Jahr verloren.

Das schöne in Deutschland ist es ist alles geregelt.
Seite sieben Bioabfallverordnung.
http://www.obstbau.rlp.de/Internet/glob ... _03_05.pdf

Da braucht man auch nicht zu diskutieren bei 100 to/ha Kompost (200kg N/ha) bin ich ganz klar im Bereich Entsorgung.
Bei 200to/ha Kompost würde ich von Umweltverschmutzung sprechen. ( je Jahr)


Folgendes Zitat ist doch sehr Aufschlussreich,
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DIE CHANCE LIEGT IN DER LANDWIRTSCHAFT!
Die Landwirtschaft hat in den letzten 50 Jahren, global gesehen, gleich viel CO2 in die Luft emittiert, wie die fossile Industrie.
Deswegen ist es so wichtig, jetzt bei der Landwirtschaft anzusetzen.
Sie kann einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz leisten, indem sie bodenaufbauende Maßnahmen betreibt und damit CO2 bindet.

Birgit Birnstingl-Gottinger Arge Kreislaufwirtschaft und Mischkulturen

eine Initiative der Ökoregion Kaindorf |
-----
Der Schuldige ist also ganz klar erkannt !

Deshalb darf die Landwirtschaft gegen kleines Geld Kompost kaufen.
Alles zum Wohle der Industrie und Spaß Gesellschaft, denn die brauchen nicht nur billige Nahrungsmittel, sondern auch einen billigen Klimaschutz und eine möglichst profitable "Bioabfallentsorgung".
Wenn zwei Menschen jeder einen Apfel haben
und sie diese Äpfel tauschen, hat am Ende auch nur jeder einen.
Wenn aber zwei Menschen je einen Gedanken haben
und diese tauschen, hat am Ende jeder zwei neue Gedanken
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Re: Österreich: Humusfachtag am 20.01.2011 in Kaindorf

Beitrag von Kohl » Montag 10. Januar 2011, 17:41

Wie kommst Du denn auf 200to/a Kompost :?:

Würde für einen 100 ha Betrieb 20.000 Jahrestonnen bedeuten :shock:
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