Untersaat

wolf
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Untersaat

Beitrag von wolf » Donnerstag 31. Dezember 2009, 16:47

Hallo Forumler,
da dies mein erster Beitrag ist, will ich erst mal ein paar allgemeine Angaben machen: Ich bewirtschafte einen Marktfruchtbetrieb in Nordbayern. Wir liegen auf ca. 400m, die Böden sind überwiegend schwere Tonböden, rel. flachgründig, Jahresniederschlag ca. 700mm, nicht selten mit Frühsommertrockenheit. Meine Fruchtfolge ist derzeit WW, Raps, WW, Energiemais, etwas Hafer.

Ich bin seit Längerem ein Anhänger des pfluglosen Ackerbaus und betreibe das bis auf den Pflugeinsatz vor den Sommerungen Mais bzw. Hafer. Um auch da eine Mulchsaat etablieren zu können, habe ich dieses Jahr eine Zwisschenfruchtmischung aus Ölrettich, Sonnenblumen und Phacelia probiert. Saat mittels Lehnerstreuer vor der Kurzscheibenegge. Trotz Aussaat mitte August waren die Bestände entäuschend, hauptsächlich, weil die Niederschläge fehlten, der erste Nachtfrost hat aber auch gleich die Sonnenblumen frühzeitig abfrieren lassen.

Meine Überlegung gehen deshalb in Richtung Untersaat im Weizen vor dem Mais. Zumal in Bayern ein neues Förderprogramm aufgelegt wird, das sich Stoppelbrache nennt. Das besteht darin, dass man bis zum 15.9. die Stoppel unbearbeitet liegen lassen muss. Für mich käme das aber nur in Frage, wenn dann eine Untersaat wächst. Welche Arten oder (lieber) Mischungen schlagt ihr vor? Gibt es eine Möglichkeit das ganze rel. spät im Weizen auszubringen? Denn dann ist die Gefahr, dass die Untersaat im Weizen überwächst oder Waser und Nährstoff verbraucht, geringer. Am liebsten wäre mir die Saat mit dem Lehner-Streuer bei einer PS-Maßnahme oder Düngung ab EC 31/32. Hauptziele wären Bodenbedeckung, Schattengare, gerne auch mit Leguminosen. Ich freue mich auf eine rege Disskusion.

Gruß
Wolf
Standort: 400m ü.NN, ca. 750mm Niederschl., 8,4°C, Boden lT

tomte
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Re: Untersaat

Beitrag von tomte » Donnerstag 7. Januar 2010, 14:55

Je später du ausbringen möchtetst desto riskanter kann das keimen/anwachsen sein, frühere Untersaaten sind meist erfolgreicher. Wenn du sie einfach "überkopf" ausstreuen möchtest musst du darauf achten, dass der Bestand abgetrocknet ist, sonst bleiben dir die Samen (vor allem Gras) am Weizen hängen.
Ansonsten bietet sich wohl Weißklee an, Seradella kommt mit Trockenheit recht gut klar, mit deinem Boden eher weniger. Hornklee wäre vielleicht einen Versuch wert. Senf mag die Beschattung und Trockenheit nicht, Ölrettich kommt damit besser klar. Gräser finde ich an sich nicht so sinnvoll, schließlich hast du ja schon Weizen als "Gras". Dafür finde ich Buchweizen ganz spannend auch wenn der sehr schnell zur Samenbildung kommen kann. Ich würde vermutlich erstmal Weißklee, Seradella, Ölrettich, Buchweizen und Phacelia mischen und ausprobieren.

Willst du das ganze noch als Schnitt für Energiesilo gewinnen? Dann machen evtl. Gräser, Rotklee und Luzerne usw. auch Sinn, genauso wie eine eher frühere Saat. Man könnte dann auch einen leichten Verlust von Weizen durch Überwuchs/Konkurrenz in Kauf nehmen wenn sich das am Biogas (inkl. Saatgut) wieder reinrechnet ;)
56ha Wald, 140ha LN (27 Weide/Naturweide), 32 Milchkühe, 1900 Legehennen
lehmiger Sand - sandiger Lehm, 7°C, 450mm, Bio (Demeter)
Kleegras (2jährig), Dinkel, Kartoffel (9ha), Gemüse (9ha), Hafer/Gerste/Erbse/So-Weizen (+Untersaat)

Kohl
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Re: Untersaat

Beitrag von Kohl » Donnerstag 7. Januar 2010, 22:47

Hallo Wolf,
zwei Probleme scheinen mir nur schwer lösbar mit der Lehnervariante:
zum einen die Arbeitsbreite die kaum gängige Breiten bei den PS Geräten erreicht....und zum anderen Probleme mit Schneckenfraß!

Hatte mehrfach versucht Hirse/ Sudangras auf diese Weise zu etablieren, allerdings haben die Schnecken alles gefressen was gestreut wurde :-(

Ein neuen Ansatz sehe ich unmittelbar nach der Ernte, idealerweise am gleichen Tag, mit dem Einsatz eines Schwerstriegels......
100% Mulchsaat, konventinell, Scheibenschardrilltechnik
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100% Zwischenfrüchte nach Getreide

wolf
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Re: Untersaat

Beitrag von wolf » Sonntag 10. Januar 2010, 11:28

Hallo,
schönen Dank erst mal für die Tips und Anregungen.
Zur Sache mit dem Lehner-Streuer: meine Fahrgassen liegen 15m. Das wird je nach TKG sicherlich knapp. Ich würde zumindest darauf achten, dass es möglichst windstill ist.
Schwerstriegel könne erlaubt sein, da die Stoppel ja stehen bleibt, müsste ich aber nachfragen. Allerdings sehe ich da auch die kürzere Vegetationsdauer im Vergleich zur Untersaat.

@ tomte: Du hast wohl Recht, dass es durchaus sinnvoll sein kann, den Saatzeitpunkt nicht zu spät zu wählen. Ich stimme dir auch zu, dass Kleearten da sinnvoll sein könnten. Zum Weißklee würde ich dann Gelbklee mischen wollen. Wie ist das mit den anderen von dir vorgeschlagenen Mischungspartnern: besteht da nicht die Gefahr, dass die bei günstigen Bedingungen in den Weizenbestand wachsen bzw. überwachsen?

Gruß
Wolf
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tomte
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Re: Untersaat

Beitrag von tomte » Sonntag 10. Januar 2010, 13:33

wolf hat geschrieben:@ tomte: Du hast wohl Recht, dass es durchaus sinnvoll sein kann, den Saatzeitpunkt nicht zu spät zu wählen. Ich stimme dir auch zu, dass Kleearten da sinnvoll sein könnten. Zum Weißklee würde ich dann Gelbklee mischen wollen. Wie ist das mit den anderen von dir vorgeschlagenen Mischungspartnern: besteht da nicht die Gefahr, dass die bei günstigen Bedingungen in den Weizenbestand wachsen bzw. überwachsen?
Ich bin davon ausgegangen dass du möglichst spät säen möchtest (und deinen Weizen nicht extrem kurz hältst). Solange es nur wenige grüne "Halme" sind stört es auch meistens nicht beim dreschen, nur der Buchweizen könnte dann Probleme machen wenn er schon zu weit in Richtung Samenbildung ist (das dauert ca. 10-12 Wochen). Erdklee bleibt übrigens auch recht klein ;)
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Rainer Klenk
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Re: Untersaat

Beitrag von Rainer Klenk » Donnerstag 1. April 2010, 10:36

Hallo,

ich möchte dieses Jahr mal einen Versuch machen mit einer Weidelgras Untersaat in Triticale.
Die Triticale steht sehr schön und hat auch schön bestockt, soll als Ganzpflanzensilage ca Ende Juni geerntet werden.
Wieviel Kg/ha Weidelgras sollte man aussähen? möchte es jetzt mit einer Amazone mit Schleppscharen und mit kleinstem Schlepper reinsähen.
Das ganze soll als Zwischenfrucht/Stickstoffspeicher für darauffolgenden Mais funktionieren.

Im Herbst hab ich mit Herold SC den Pflanzenschutz gemacht, kann das Probleme bereiten?

Was meint Ihr dazu?

Vielen Dank im voraus

Rainer

Wieland Ihm
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Re: Untersaat

Beitrag von Wieland Ihm » Montag 20. Februar 2012, 10:56

Ich habe in diesem Jahr ähnliches wie Rainer Klenk mit Weidelgras oder Landsberger Gemenge versuchsweiße auf 2,5 ha vor.
Allerdings möchte ich in eine Wintergerste mit vorhandener Horsch Pronto Scheibenschartechnik die Untersaat einschlitzen und das ganze dann zuerst als GPS ernten. Im Herbst erhoffe ich mir noch 2 Schnitte für Biogas. Ansonsten wird der letzte Aufwuchs den Regenwürmern als Futter gegeben.
Ich frage mich als Junglandwirt wann ich die Untersaat am besten säen sollte und wie stark werden die Leguminosen (Winterwicke, Inkarnatklee) unter der Schnittnutzung im Herbst leiden?

Gruß Wieland Ihm

Konrad Steinert
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Re: Untersaat

Beitrag von Konrad Steinert » Montag 20. Februar 2012, 12:59

Der Inkarnatklee wird die Nutzung im Herbst wohl gut überstehen, aber die Winterwicke sicherlich nur teilweise, wenn sie bis dahin überhaupt überlebt. Die Untersaat sollten Sie möglichst bald anlegen, also noch im Laufe des März. Wahrscheinlich sollten Sie bei Saat im Frühjahr eine andere Mischung als das Landsberger Gemenge nehmen (das ist eher für die Aussaat im Spätsommer gedacht), sondern ein Kleegrasgemenge, z.B. Deutsches Weidelgras und Weißklee (wenn Körnernutzung vorgesehen) oder Welsches Weidelgras und Rotklee (wenn die Gerste als GPS geerntet werden soll).
Wenn im Herbst Landsberger Gemenge als Saatpartner/Untersaat zur Wintergerste kommt, ist die Gefahr sehr groß, dass das Gemenge die Gerste überwächst, an eine Körnernutzung ist dann nicht mehr zu denken. Aber als GPS wäre das gut brauchbar. Denkbar wären auch Mischungen aus Wintergetreide, Kleegras oder Landsberger Gemenge, aber die Schnittreife der Partner wird dann zu unterschiedlichen Terminen erreicht, was hinsichtlich der Futterqualität problematisch ist. Besser sollte man Kleegras mit der Deckfrucht Sommerroggen im Spätsommer ansäen und hatte dann noch eine weitere Nutzungsmöglichkeit im Folgejahr.
Dagegen ist Landsberger Gemenge als Untersaat beim Mais durchaus geeignet.
Dr. Konrad Steinert
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Wieland Ihm
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Re: Untersaat

Beitrag von Wieland Ihm » Mittwoch 22. Februar 2012, 19:44

Vielen Dank Herr Steinert für die schnelle Antwort.

Ich werde mich wohl für den Rotklee mit Welschem Weidelgras entscheiden.
Mir erscheint es sinnvoll dieses Kleegras in die Wintergerste einzustriegeln, da ich somit Bodenverdichtungen einer expliziten Saat mit der Horsch Pronto 6 DC vermeiden könnte und Kosten spare. Der Auflauf sollte meiner Meinung nach vergleichbar sein.

Konrad Steinert
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Re: Untersaat

Beitrag von Konrad Steinert » Freitag 24. Februar 2012, 10:01

Was für ein Verfahren zu wählen ist, hängt von der Witterung ab. Ist es trocken, dann wäre ein Einschlitzen mit der Pronto sicherer. Bei etwas feuchteren Bedingungen geht der Striegel genauso gut.
Dr. Konrad Steinert
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