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Ph-Wert im Keller

Verfasst: Mittwoch 13. Februar 2013, 11:17
von GodofBlitz
Guten Tag sehr geehrte Forums Teilnehmer!

Wir bewirtschaften im österreichischen Alpenvorland einen Veredelungsbetrieb mit ca 60ha LN. Seit ca 5 Jahren das ganze auch ohne Pflug, und wie ich finde recht erfolgreich.

zum Betrieb:
550 Mastplätze für Mastschweine
Fruchtfolge: KM-KM-WW-KM-KM-WG
Weizen und ca 50% des KM werden verkauft, der Rest am Betrieb verfüttert.
nach WW u WG kommt eine Begrünung mit abfrostenden Mischungspartnern. (meist mit Ackerbohne od Erbse die wir selbst Nachbauen)
nach KM wird das Stroh gemulcht und dann mit einem 3balkigen Grubber (Amazone Cenius 3001) eingerabeitet
bei WW/WG nach KM wird nach dem mulchen und grubbern mit einer Horsch Express TD gesät.
Gülle kommt fast ausschließlich vor KM, genug Lagerraum dafür ist vorhanden.

Soweit so gut.
Allerdings habe ich dieses Jahr nach vielen Jahren wieder einige Flächen beprobt und das Ergebniss war enttäuschend. Humusgehalte um die 2%, Phosphor und Kali eher niedrige Versorgungsstufen.
Aber richtig schlecht waren die ph-Werte. Viele Felder im Bereich von 5,1 - 5,6. Eine Probe war sogar bei 4,1, allerdings eine ausgewiesene Problemstelle.

Die Frage ist nun, was kann man, abgesehn vom Kalken, noch machen um auf dauer den ph-Wert zu verbessern?
Welche Dünger wären zu bevorzugen? Gibt es Fruchtfolgeteschnisch Handlungsmöglichkeiten, bzw Zwischenfrüchte?

Vielen Dank für Ihre Gedanken

mfg

Re: Ph-Wert im Keller

Verfasst: Donnerstag 14. Februar 2013, 09:33
von Konrad Steinert
Um den Kalkeinsatz führt zunächst kein Weg herum! Langfristig kann man den Kalkeinsatz sicherlich reduzieren, wenn man die Durchwurzelungstiefe des Bodens deutlich erhöht. Dann werden Kalzium, Kalium und andere Nährstoffe aus dem Unterboden durch die Wurzeln nach oben "gepumpt" und über die Rückstände wie das Stroh an die Bodenoberfläche gebracht. Es bedarf also einer gezielten Kombination aus Förderung des Regenwurmbestandes (Bodenbedeckung, Bearbeitungsruhe), den Anbau von Tiefwurzlern und evt. einer geeigneten Tieflockerung, um Verdichtungsschichten aufzubrechen.
Ein Potenzial sehe ich vor allem beim Anbau von Tiefwurzlern wie Luzerne oder Steinklee. Dies scheint sich aber nur schwer in Ihre Betriebskonstellation einzufügen. Eventuell könnte man diese nach Getreide einsäen und im Folgejahr dann den Körnermais mit Streifenbearbeitung einsäen. Zwischenfrüchte wie Lupinen sind natürlich ebenfalls sinnvoll, aber noch lange nicht so effektiv wie Luzerne.
Unbedingt zu empfehlen wäre es, einmal mit einer komplexen Bodenanalyse Kinsey (www.beratung-mal-anders.de) oder Unterfrauner (www.landschaftsoekologie.at) eine Stichprobe zu untersuchen, gerade bei der intensiven Gülledüngung! Hier kommt es oft zu Nährstoffüberschüssen (wie Kalium), die letztlich die Bodenstruktur deutlich negativ beeinflussen. Die Empfehlungen weichen hier oft deutlich von der herkömmlichen Bodenuntersuchung ab.

Re: Ph-Wert im Keller

Verfasst: Donnerstag 14. Februar 2013, 17:04
von GodofBlitz
Vielen Dank für die schnelle Antwort.

Kalken steht jetzt natürlich an erster Stelle. Vermutlich wird jetzt akut vor der Maisaussaat auf den wirklichen Problemflächen Kalk ausgebraucht. Und in Zukunft wird wieder vermehrt gekalkt werden, eventuell durch Beimischung zur Gülle.

Ich werde im Frühjahr dann auch mal mit dem Spaten ein tieferes Loch graben, um zu sehn wie der Boden in einem halben Meter aussieht, und ob es auf dem Weg dahin Verdichtungshorizonte gibt. Es sind großteils mittelschwere/schwere Lehmböden, daher denke ich, dass es da weniger Probleme geben sollte, oder liege ich da falsch? Dazu muss ich noch sagen, dass wir vor dem Anbau der Begrünung meistens mit einem Tiefgrubber auf ca 30cm Grubbern. Generell ist die Befahrbarkeit der Felder wesentlich besser als noch vor 5 Jahren und es gibt kaum mehr Nassstellen wie früher.

Interessant finde ich, dass wir trotz der teilweise schlechten Bodenprobeergebnisse einen relativ guten Ertrag beim Mais hatten. Unsere fast 12,5to/ha Trockenmais sind über dem Durchschnitt unserer Region, schon knapp an den absoluten Ertratskaisern.

Noch zur Gülle: Im Schnitt kommen pro Hektar 15-20m3 Gülle vor Mais. Ich denke nicht dass diese Menge bereits als Viel einzustufen ist.

Zur Streifeneinsaat von Mais in Luzerne: Das haben hier bereits einige vesucht. Leider kann ich nicht die Herangehensweise der Landwirte beurteilen da ich nur aus zweiter Hand davon gehört habe, aber zufrieden war mit dem Ergebnis keiner. Vermutlich liegt es einerseits daran, dass sich die Betriebsleiter nicht genug mit dem Thema auseinandergesetzt haben, und andererseits daran, dass unsere schwerden Böden für die Streifensaat mit einer Fräse im Frühjahr nicht eignen. Es bilden sich dabei wahrscheinlich zuviele Hohlräume. Besser gefällt mir das System mit der Bearbeitung im Herbst, allerdings für unseren Betrieb nicht rentabel und überbetrieblich nicht vorhanden.

Vielen Dank nochmal für die Anregungen

mfg

Re: Ph-Wert im Keller

Verfasst: Donnerstag 14. Februar 2013, 19:26
von Konrad Steinert
Gerade auf schweren Böden kommt der Kalkung große Bedeutung zu, um die Struktur zu verbessern. Auch die Regenwürmer wünschen sich ausreichend Kalk im Boden - saure Waldböden sind deshalb z.B. meist frei von tiefgrabenden Regenwürmern. Tiefgrabende Arten sind aber der Schlüssel für eine tiefe Durchwurzelung und optimale Drainage schwerer Böden!
Körnermais gilt an sich als Humusmehrer. Eventuell sollten Sie sich an Untersaaten im Mais herantasten, um die Humusbilanz weiter zu verbessern. Was den Humusgehalt angeht, so gehen die Veränderungen aber nur langsam voran und es ist mit längeren Zeiträumen zu rechnen, ehe sich meßbare Verbesserungen ergeben (5-10 Jahre).