-Mykorrhiza- Pflanze und Pilz ein perfektes Team!

ulikum
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-Mykorrhiza- Pflanze und Pilz ein perfektes Team!

Beitrag von ulikum » Dienstag 7. Dezember 2010, 16:47

Es handelt sich um eine Lebensgemeinschaft zwischen Pilzen und Pflanzenwurzeln, die beiden Organismen das Leben leichter macht.
Das Wort „Mykorrhiza“ stammt aus dem Altgriechischen: „Myko“ heißt Pilz und „Rhiza“ bedeutet Wurzel. jeder Partner zieht Vorteile daraus: Der Pilz nimmt aus den Wurzelzellen der Pflanze wertvolle Kohlenhydrate auf, die er selbst nicht produzieren könnte, weil ihm das dafür notwendige Blattgrün fehlt. Die Pflanze erhält im Gegenzug Nährstoffe und Wasser aus dem Pilzgeflecht, da Pilze Nährstoff- und Wasservorkommen im Boden besser erschließen können.

Seit Jahrmillionen bewährt-
In den mitteleuropäischen Wäldern leben die Bäume ausnahmslos mit Mykorrhiza-Pilzen zusammen. Von den sichtbaren Fruchtkörpern, die uns als eigentliche Pilze bekannt sind, gehören ein Drittel zu den Mykorrhiza-Pilzen. Sowohl Speisepilze wie auch giftige Exemplare zählen dazu. Ein Teil der Pilze ist auf einen einzigen Partner spezialisiert, beispielsweise der Lärchenröhrling, der nur mit der Lärche in Symbiose lebt. Andere Mykorrhiza-Pilze sind weniger wählerisch und gehen Lebensgemeinschaften mit allen Laub- oder Nadelgehölzen ein. Von allen Landpflanzen, die auf der Erde vorkommen, können etwa 80 Prozent eine Symbiose mit Mykorrhiza-Pilzen eingehen. Wissenschaftler vermuten, dass diese Pilze auch während der Evolution eine entscheidende Rolle gespielt und den Urpflanzen den Übergang vom Wasser aufs Land erst ermöglicht haben.

Einer der Gründe, warum man größere Gehölze immer mit Erdballen verpflanzt, ist der, dass die vorhandene Mykorrhiza möglichst wenig beeinträchtigt wird.

Wie können wir nun Mykorrhiza auf unseren Flächen fördern und was für Vorteile ergeben sich noch außer einem bessern Pflanzenwachstum?
Wenn zwei Menschen jeder einen Apfel haben
und sie diese Äpfel tauschen, hat am Ende auch nur jeder einen.
Wenn aber zwei Menschen je einen Gedanken haben
und diese tauschen, hat am Ende jeder zwei neue Gedanken
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Konrad Steinert
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Re: -Mykorrhiza- Pflanze und Pilz ein perfektes Team!

Beitrag von Konrad Steinert » Dienstag 7. Dezember 2010, 20:15

Mykorrhiza ist jedenfalls schon seit einigen Jahrzehnten bekannt und es gab zahlreiche Forschungsergebnisse dazu. Inzwischen gibt es bereits einige Anbieter entsprechender Präparate, die allerdings meist noch viel zu teuer für den Ackerbau sind. Es gibt dabei auch nicht automatisch die erhofften Mehrerträge. So haben diese Präparate ihren Platz bisher vor allem im Garten- und Landschaftsbau, wo sie z.B. die Anwachsrate von Gehölzen erhöhen können.
Fördern kann man die Mykorrhiza vor allem über den Zwischenfruchtanbau von Gemengen. Diese sollten mykorrhiza-fördernde Bestandteile wie Gräser/Getreide (Hafer, Weidelgras) oder Korbblütler (Sonnenblume, Negersaat) enthalten. Hier wäre dann auch eine Impfung des Saatgutes mit Mykorrhizakulturen denkbar, so dass man mit relativ geringem Aufwand an Inokulum einen maximalen Effekt erzielen könnte.
Aber normalerweise sind diese Pilze bereits im Boden vorhanden, und man muss ihnen nur optimale Bedingungen schaffen hinsichtlich Ernährung und sicherlich auch der Bodenstruktur/Durchlüftung. Es ist wohl wie bei den Regenwürmern, wo es auch nicht viel bringt, diese irgendwo zu kaufen und auf dem Acker ansiedeln zu wollen - jedenfalls nicht bei den heimischen Arten.
Ein interessanter Ansatzpunkt ist das Glomalin, das einige Arten bilden und das als sehr stabiler "Krümelkleber" gilt und zur Bildung stabiler organischer Substanz beiträgt.
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Re: -Mykorrhiza- Pflanze und Pilz ein perfektes Team!

Beitrag von ANDERSgesehn » Mittwoch 8. Dezember 2010, 00:15

es ist abzuschätzen, ob es wichtiger ist, die gute seite zu fördern, oder
doch die negativ"EN" seiten zu unterdrücken.

lg
ANDERSgesehn.

ps: förderlich ist, sie unberührt zu lassen und somit wachsen lassen.
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es ist verdammt hart bauer zu sein.

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Re: -Mykorrhiza- Pflanze und Pilz ein perfektes Team!

Beitrag von York-Th. Bayer » Mittwoch 8. Dezember 2010, 08:35

ANDERSgesehn hat geschrieben:es ist abzuschätzen, ob es wichtiger ist, die gute seite zu fördern, oder
doch die negativ"EN" seiten zu unterdrücken.
lg
ANDERSgesehn.
ps: förderlich ist, sie unberührt zu lassen und somit wachsen lassen.
:mrgreen:
Sehr geehrter Andersgesehn,

wie halten sie es denn nun mit der Mykorrhiza ?
fördern sie die gute seite, oder unterdrücken sie die negativ"EN" seiten ?

oder wie kann ich etwas fördern und gleichzeitig unterdrücken, klingt
irgendwie etwas konfus ?

Wenn alles so bei Ihnen läuft, dann ist es wirklich hart Bauer zu sein.

Oder habe ich das alles falsch verstanden?
dann würde ich mich doch über eine Richtigstellung freuen.

in diesem Sinne
York-Th.
ps: lassen sie unberührt und fördern?
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Re: -Mykorrhiza- Pflanze und Pilz ein perfektes Team!

Beitrag von joe_d » Mittwoch 8. Dezember 2010, 10:25

Danke für den Beitrag .......Mykorrhiza

war mir nicht ganz sicher, ob es posetiv ist, wenn ich Schwammerl auf meinem Acker finde.....

schönen Feiertag Joe
als das Leben vom Wasser auf das Land kam, wurden tendenziell von jenen die Geschlechtsorgane immer schöner, die ihre Verdauungsorgane in den Boden trieben, gegen über jenen die sie mit sich herumtrugen.....

ulikum
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Re: -Mykorrhiza- Pflanze und Pilz ein perfektes Team!

Beitrag von ulikum » Mittwoch 8. Dezember 2010, 10:33

joe_d hat geschrieben:Danke für den Beitrag .......Mykorrhiza

war mir nicht ganz sicher, ob es posetiv ist, wenn ich Schwammerl auf meinem Acker finde.....

schönen Feiertag Joe

Wenn es eine Weihnachtsbaumplantage ist auf jeden Fall.
Ansonsten müsste man wissen um was für Pilze es sich handelt.
Man kann letzteres aber auch anders sehen.
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Re: -Mykorrhiza- Pflanze und Pilz ein perfektes Team!

Beitrag von joe_d » Mittwoch 8. Dezember 2010, 22:08

sorry.... kann ich leider wohl heuer nicht mehr feststellen

mfg joe
als das Leben vom Wasser auf das Land kam, wurden tendenziell von jenen die Geschlechtsorgane immer schöner, die ihre Verdauungsorgane in den Boden trieben, gegen über jenen die sie mit sich herumtrugen.....

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Re: -Mykorrhiza- Pflanze und Pilz ein perfektes Team!

Beitrag von ulikum » Donnerstag 9. Dezember 2010, 17:12

Aufgrund spezifischer Eigenschaften werden die Mykorrhizen in drei verschiedene Gruppen eingeteilt.
Eine andere Einteilung unterscheidet zwischen fünf mutualistischen (Ekto-, Ekt-Endo-, arbutoider, ericoider und VA-) und zwei antagonistischen (Orchideen- und monotropoider) Mykorrhizen.
Wichtig für uns:
Gemeinsam ist allen Formen, dass pilzliche Hyphen den Boden durchziehen und Nährstoffe zu den Pflanzen transportieren.


Mykorrhizierbarkeit verschiedener Feldfrüchte, Leguminosen und Gräser mit Endomykorrhiza

mykorrhizierbar mit Endomykorrhiza sind unter anderem:
-Dinkel, Gerste, Hafer, Kartoffel, Lein, Luzerne, Mais, Roggen,Rotklee, Sonnenblumen Weizen Wicken
alle gängigen Weidegräser viele Futterkräuter, Weißklee

nicht mykorrhizierbar sind zum Beispiel:
- Raps, Zuckerrüben, Futterrüben,
sie bilden keine Mykorrhiza


MÖGLICHST KEINE BODENBEARBEITUNG !
Kein Pflügen, keine tiefe Bodenbearbeitung, keine langen Schwarzbrachen etc. – sind für das Überleben alle Mikroorganismen und auch für Mykorrhiza-Pilze sehr wichtig.
Wenn überhaupt dann eine schonende flache Bodenbearbeitung, eine gute Kompost- Humuswirtschaft.
All das lässt sie in Ruhe wachsen, zerstört nicht immer wieder bereits bestehende Lebensgemeinschaften und bringt nicht unnötig alle Erdschichten durcheinander.
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Re: -Mykorrhiza- Pflanze und Pilz ein perfektes Team!

Beitrag von Konrad Steinert » Donnerstag 9. Dezember 2010, 20:00

Es stimmt zwar, dass es sehr viele Mykorrhiza-Pilze gibt. Viele davon spielen aber nur im Wald mit ausdauernden Pflanzen eine Rolle. Ohne diese Mykorrhiza könnte z.B. auf dem Heidesand in Brandenburg wahrscheinlich kein Wald gedeihen!
Für den Ackerbau mit kurzlebigen Kulturpflanzen gibt es nur relativ wenige Arten der arbuskulären Mykorrhiza, insbesondere die Gattung Glomus mit verschiedenen Arten, die in nennenswerter Menge die Wurzeln besiedeln. Das ist die Gattung, die auch den "Krümelkleber" Glomalin produziert. Es scheint auch so zu sein, dass diese Pilze nicht sehr artspezifisch sind, sondern durchaus verschiedene Kulturpflanzen besiedeln können; einige Arten wie Zuckerrüben oder Raps werden aber nicht besiedelt, wie bereits aufgeführt. Auf die Gattung Glomus bauen auch die meisten der heute erhältlichen Präparate auf.

http://www.mykotown.com
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Re: -Mykorrhiza- Pflanze und Pilz ein perfektes Team!

Beitrag von ulikum » Donnerstag 9. Dezember 2010, 20:27

Konrad Steinert hat geschrieben: Für den Ackerbau mit kurzlebigen Kulturpflanzen gibt es nur relativ wenige Arten der arbuskulären Mykorrhiza, insbesondere die Gattung Glomus mit verschiedenen Arten, die in nennenswerter Menge die Wurzeln besiedeln. Das ist die Gattung, die auch den "Krümelkleber" Glomalin produziert.
Die Arbuskulären Mykorrhiza, das ist es um was es geht.
Denn sie alleine bilden Golmalin.

Glomalin ist ein Glykoprotein, das überwiegend an Hyphen und Sporen von Arbuskulären Mykorrhizapilzen (Glomus) in der Erde und in Wurzeln gebildet wird.
Als Glykoprotein speichert Glomalin Kohlenstoff in Form von Proteinen und Kohlenhydraten .
Es durchsetzt organische Stoffe, die dadurch an Sand, Schluff und Ton gebunden werden.
Glomalin enthält ca 30 bis 40% Kohlenstoff und formt kleine Erdklümpchen.
Dieses Granulat lockert den Erdboden auf und bindet Kohlenstoff im Boden.
Es erhöht auch die Luftdurchlässigkeit und Wasserspeicherung des Bodens.

Welche Möglichkeiten !

Bindung von Kohlenstoff, eine größere Wasserspeicherung und ein lockerer Boden.
Das alles ist möglich ohne Technik aber wie können wir sie fördern?
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