Was ist Humus

Konrad Steinert
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Re: Was ist Humus

Beitrag von Konrad Steinert » Montag 8. November 2010, 09:34

Da liegt eben ein Widerspruch drin: Ist das Bodenleben aktiv, atmet es, setzt organische Masse um und der Humusgehalt sinkt tendenziell. Bei inaktivem Bodenleben wird dagegen wenig organische Substanz veratmet, sie kann sich im Boden ansammeln, z.B. in Moorböden unter Luftabschluss. Beides - aktives Bodenleben und Humusanreicherung - unter einen Hut zu bringen, ist schwierig, solange die Menge des zugeführten Materials konstant bleibt!
Dr. Konrad Steinert
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Tyrolens
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Re: Was ist Humus

Beitrag von Tyrolens » Dienstag 9. November 2010, 23:08

Wahrscheinlich hast du zwar viel org. Masse im Boden, aber noch nicht den richtigen Humus. Es gibt ja, wie bereits beschrieben, mehrere Arten von Humus. Wenn man sich zB den Rohhumus ansieht - der entspricht nicht unbedingt dem, was wir im Boden wollen.

Es gilt daher zu erkennen, wo es im Abbauprozess org. Masse hapert und entsprechende Mittel zu ergreifen.

Ich kenne Böden, die sind voll mit org. Masse. Allerdings mit nicht abgebautem Maisstroh der letzten 20 Jahre Monokultur. Wenn der Betriebsleiter pflügt, holt er das Stroh der letzten Jahrzehnte hoch. Abbau der Biomasse = Null. Muss auch nicht wundern, weil der betreffende Boden kaum Luft hat...

Am besten wandert man mal durch einen schönen, alten Laubwald. Dort versteht man meistens am schnellsten, wie Humusaufbau funktioniert.

joe_d
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Re: Was ist Humus

Beitrag von joe_d » Mittwoch 10. November 2010, 08:12

gute Frage!
wo geht es hin damit?
vor etwa 35 Jahren hatten wir eine Grundstückszusammenlegung, dabei sind aus Wiesen und Äcker größere Äcker geworden.
Nun bin ich schon 10 Jahre Bio (Öko) und kenne die Grenzen der alten Wiesen heraus.
Hier ist demnach immer noch mehr Humus (in welcher Form auch immer) als in den schon "ewigen" Ackerflächen.
Wo geht nun die Reise hin b.z.w. was ist mit den ehemals Wiesenflächen in 40-60 Jahren, und wie gehts erst dann den ewigen Ackerflächen?
zum nachdenken
Joe

bei Lysimeteruntersuchungen, nach einem Wiesenumbruch, wurden in den ersten beiden Jahren 6000kg N im Sickerwasser gefunden O.ö.Wasserschutzberatung
als das Leben vom Wasser auf das Land kam, wurden tendenziell von jenen die Geschlechtsorgane immer schöner, die ihre Verdauungsorgane in den Boden trieben, gegen über jenen die sie mit sich herumtrugen.....

Tyrolens
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Re: Was ist Humus

Beitrag von Tyrolens » Mittwoch 10. November 2010, 11:18

Hallo,


die 6 to N sind wahrscheinlich auf die Bodenbearbeitung zurück zu führen, oder?
Es stellt sich daher die Frage, wie man dem entgegnen könnte.
Die Direktsäer werden jetzt auf Herbizide verweisen, beim Biolandbau ist das ja so nicht möglich.
Gibt es Erfahrungen mit sehr flachen Schälfurchen u.dgl.?

Wenn man sich vorstellt, dass im Prinzip jede Zwischenfurcht tendenziell zur Verlagerung sehr großer N-Mengen in tiefere Schichten führt, wird man schon nachdenklich.

Ich denke, man wird sich gerade beim Zwischenfruchtanbau mehr Gedanken über weite C/N-Verhältnisse machen müssen. Das junge Zeug ist ja oftmals eine reine Nullnummer, nichts mehr als Bakterienfutter...

ulikum
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Re: Was ist Humus

Beitrag von ulikum » Mittwoch 10. November 2010, 11:41

Tyrolens hat geschrieben:Wahrscheinlich hast du zwar viel org. Masse im Boden, aber noch nicht den richtigen Humus. Es gibt ja, wie bereits beschrieben, mehrere Arten von Humus. Wenn man sich zB den Rohhumus ansieht - der entspricht nicht unbedingt dem, was wir im Boden wollen.

-Es gilt daher zu erkennen, wo es im Abbauprozess org. Masse hapert und entsprechende Mittel zu ergreifen.
Am besten wandert man mal durch einen schönen, alten Laubwald. Dort versteht man meistens am schnellsten, wie Humusaufbau funktioniert.

-Wenn man sich vorstellt, dass im Prinzip jede Zwischenfurcht tendenziell zur Verlagerung sehr großer N-Mengen in tiefere Schichten führt, wird man schon nachdenklich.

-Ich denke, man wird sich gerade beim Zwischenfruchtanbau mehr Gedanken über weite C/N-Verhältnisse machen müssen. Das junge Zeug ist ja oftmals eine reine Nullnummer, nichts mehr als Bakterienfutter...


Hallo Thomas, würde es dir etwas ausmachen diese Aussagen etwas genauer zu erklären ?
Wenn zwei Menschen jeder einen Apfel haben
und sie diese Äpfel tauschen, hat am Ende auch nur jeder einen.
Wenn aber zwei Menschen je einen Gedanken haben
und diese tauschen, hat am Ende jeder zwei neue Gedanken
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ulikum
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Re: Was ist Humus

Beitrag von ulikum » Sonntag 14. November 2010, 23:40

Tyrolens hat geschrieben:Wahrscheinlich hast du zwar viel org. Masse im Boden, aber noch nicht den richtigen Humus. Es gibt ja, wie bereits beschrieben, mehrere Arten von Humus. Wenn man sich zB den Rohhumus ansieht - der entspricht nicht unbedingt dem, was wir im Boden wollen.

-Es gilt daher zu erkennen, wo es im Abbauprozess org. Masse hapert und entsprechende Mittel zu ergreifen.
Am besten wandert man mal durch einen schönen, alten Laubwald. Dort versteht man meistens am schnellsten, wie Humusaufbau funktioniert.
Vielleicht hilft ja dieser Beitrag weiter.

http://www.vhe.de/themen-mit-hintergrun ... eht-humus/
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Re: Was ist Humus

Beitrag von ANDERSgesehn » Montag 15. November 2010, 22:27

humus besteht chem. gesehen aus kohlenstoff, wasserstoff, stickstoff und weiteres.

die wichtigste gruppe ist die carboxydgruppe, c-o-o-h+rest.
wobei der rest gern ein amidgruppe ist nh2 + rest ist.
wenn sich carboxydgruppe mit einen oder mehreren amidgruppen verbindet ist,
das eine amiosäure (auch von tomte zitiert).

das eine cooh-gruppe entsteht verwendet die pflanzeund andere lebewesen
co2 und h2o und es wird o2 freigesetzt, chem. gesehen eine reduktion.
der umgekehrte weg ist eine oxydation.

also wird eigentlich bei der humusbildung (chem. gesehen eine reduktion) sauerstoff ( o2 )
freigesetzt und somit ist der humuszerfall wieder vorprogrammiert. was ist das der sinn davon
der natur?

eine frage, wie entstand von menschen hand der willkürliche multiplikationsfaktor 1,72
für die ermittlung vom humusgehalt? und wieso von moorböden der faktor 2?

( das c - atom hat im
periodensystem die ordnungsnummer 6 und ein mol gewicht ca 12,
wasserstoff hat ordnungsnummer 1 und mol gewicht von ca 1,
stickstoff hat ordnungsnummer 8 und mol gewicht ca 16.)

irgendwie ist irgendwo der hund begraben, wenn humus aus c- h- und n-atomen besteht ...

lg

ANDERSgesehn.

ps: tyrolens, was hast du gegen bakterien?
schweinezucht & schweinemastbetrieb mit
pseudovergleyte parabraunerde, 60-68 bodenpunkte
290-410m seehöhe ~900mm jahresniederschlag 9° temp.
im letzten jahrtausend weltmeister in stoppelpflügen.
es ist verdammt hart bauer zu sein.

ulikum
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Re: Was ist Humus

Beitrag von ulikum » Dienstag 16. November 2010, 09:53

ANDERSgesehn hat geschrieben:humus besteht chem. gesehen aus kohlenstoff, wasserstoff, stickstoff und weiteres.
.....................
]also wird eigentlich bei der humusbildung (chem. gesehen eine reduktion) sauerstoff ( o2 )
freigesetzt und somit ist der humuszerfall wieder vorprogrammiert. was ist das der sinn davon
der natur?
....................
vom Weltmeister im stoppelpflügen zum pfluglosen Ackerbau ein mutiger und weitsichtiger Schritt.

Warum jetzt dieser Tunnelblick?
Ich gebe Dir und Herrn Steinert alle chemischen Elemente und und denke doch das Ihr nicht in der Lage seit Humus daraus herzustellen.

Ich habe ja schon am Anfang geschrieben, Humus ist mehr,
- > es ist ein Konglomerat biologischer, chemischer und physikalischer Abläufe die im Boden stattfinden, einander ergänzen, / bedingen.

Chemisch kann ich mir einen Teilbereich ansehen und erklären, mehr aber auch nicht.

............................

Welchen Sinn hat das Leben -> außer das Leben selber !
..........................
Ein Empfehlung, das Buch von Hans Peter Rusch , es wird deine Sichtweise erweitern/verändern.


Folgendes fand ich von E. Scheller:
"Der Aufbau von Humus und der Bodenfruchtbarkeit ist das Ziel vieler biologisch-dynamisch und organisch wirtschaftender Landwirte und Gärtner.
Doch in der Praxis ist es gar nicht so einfach, das auch zu erreichen.
Das Problem beginnt schon mit dem Verständnis von Humus:
Woraus ist er überhaupt aufgebaut?
In den letzten 30 bis 40 Jahren wurde der Schwerpunkt der Betrachtung auf seine chemische Seite gelegt, seine Lebensfunktionen traten in den Hintergrund.
SCHEFFER und ULRICH betonten in ihrem Buch:
„Humus und Humusdüngung”
aus dem Jahre 1960 noch,
dass Humus mehr ist als das, was chemisch in der Analyse zugänglich ist."
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und sie diese Äpfel tauschen, hat am Ende auch nur jeder einen.
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und diese tauschen, hat am Ende jeder zwei neue Gedanken
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tomte
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Re: Was ist Humus

Beitrag von tomte » Dienstag 16. November 2010, 20:33

ANDERSgesehn hat geschrieben: also wird eigentlich bei der humusbildung (chem. gesehen eine reduktion) sauerstoff ( o2 )
freigesetzt und somit ist der humuszerfall wieder vorprogrammiert. was ist das der sinn davon
der natur?
panta rhei. Wenn der Humus nicht zerfallen würde könnten keine Nährstoffe aus ihm frei werden. Dem Edaphon fehlt sowohl Nahrung als auch Aufgabe...
eine frage, wie entstand von menschen hand der willkürliche multiplikationsfaktor 1,72
für die ermittlung vom humusgehalt? und wieso von moorböden der faktor 2?
Organische Substanz wird meist per Oxidation ermittelt und dabei das entstehende CO2 gemessen. Der Wert von 1,724 geht von einem C-Gehalt von ca. 58% in der in der organsichen Substanz aus, das entspricht ungefähr dem Mittelwert der isolierten Huminsäuren. Bei der Analyse werden aber mehr als nur die isolierten Huminsäuren erfasst und der C-Gehalt liegt eher bei 50%. Daher der Wert mit 2,0.
ulikum hat geschrieben:Ich habe ja schon am Anfang geschrieben, Humus ist mehr,
- > es ist ein Konglomerat biologischer, chemischer und physikalischer Abläufe die im Boden stattfinden, einander ergänzen, / bedingen.
Nein, Humus ist auch weiterhin definiert als die tote organische Substanz im Boden, einige definieren es noch genauer als Huminstoffe. Humus entsteht durch (und bedingt auch) chemische, physikalische und biologische Prozesse, aber er ist selbst kein Prozess sondern ein Produkt davon. Dass er trotzdem eine "Lebensfunktion" hat ist richtig, aber dazu muss er selbst nicht lebendig sein, er beeinflusst aber "lebendige Funktionen".

Was du meinst ist nicht Humus, sondern geht mehr in die Richtung von Bodenfruchtbarkeit oder Bodenernährung.
56ha Wald, 140ha LN (27 Weide/Naturweide), 32 Milchkühe, 1900 Legehennen
lehmiger Sand - sandiger Lehm, 7°C, 450mm, Bio (Demeter)
Kleegras (2jährig), Dinkel, Kartoffel (9ha), Gemüse (9ha), Hafer/Gerste/Erbse/So-Weizen (+Untersaat)

goos
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Re: Was ist Humus

Beitrag von goos » Dienstag 16. November 2010, 22:37

:mrgreen:


so langsam wirds kompliziert.....
das kann man ja nicht mehr mitlesen.....
ich wills mal definieren, daß es auch der "gemeine" landwirt versteht !
humus = organische substanz des bodens
humus umfasst alle in und auf dem boden vorhandenen, abgestorbenen und in zersetzung befindlichen pflanzlichen und tierischen stoffe sowie deren organische umwandlungsprodukte.
Der horizont der meisten menschen ist ein kreis mit dem radius 0.,
und das nennen sie ihren standpunkt.
dummheit ist vererbbar, da helfen keine pillen......

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