Terra Preta

Ulrich
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Re: Terra Preta

Beitrag von Ulrich » Sonntag 2. Januar 2011, 22:33

ANDERSgesehn hat geschrieben:eines wäre interessant, wie die (positiv bilanzierte rechnung)
dieser biokohle-produktionsmaschine aussieht?

Hallo, hier mal eine entsprechende Kalkulation.[img]CIMG14251.JPG[/img]
Sie haben keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.

ulikum
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Re: Terra Preta

Beitrag von ulikum » Mittwoch 14. Dezember 2011, 09:21

Wenn zwei Menschen jeder einen Apfel haben
und sie diese Äpfel tauschen, hat am Ende auch nur jeder einen.
Wenn aber zwei Menschen je einen Gedanken haben
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Stefan81
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Re: Terra Preta

Beitrag von Stefan81 » Montag 19. Dezember 2011, 13:02

Hallo Leute
Wäre es langfristig für die Bodenfruchtbarkeit vielleicht besser man würde das Stroh abfahren es zu Biokohle verarbeiten und dann wieder in die Böden einbringen?
Bei dem von Pyreg entwickelten Verfahren wird ja 50% des Kohlenstoffes langfristig gebunden, was man ja mit der Einarbeitung von Ernterückstände nicht schaft. Jedoch zusätzlich schon auch Zwischenfrüchte anbaut und die Biomasseproduktion optimiert. Es wäre sicher ein riesiger Aufwand aber vielleicht wird ja die Technick noch günstiger und man könnter auch sein eigenes Betriebsgebäude mit Wärme versorgen.
Wissen ist der einzige Rohstoff der sich durch gebrauch vermehrt.
Schöne Grüße aus Niederösterreich
Stefan81

Konrad Steinert
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Re: Terra Preta

Beitrag von Konrad Steinert » Montag 19. Dezember 2011, 15:47

Ja, das wäre wohl durchaus sinnvoll. Holzkohle-Kohlenstoff ist weitgehend abbauresistent und könnte so für viele Jahrzehnte, evt. sogar noch länger im Boden verbleiben. Eben das ist ja die Erfahrung aus Brasilien, wo man nach etwa 500 Jahren immer noch eine positive Wirkung sieht. Zu untersuchen bleibt allerdings, ob sich dies tatsächlich langfristig positiv auf die Bodenfruchtbarkeit auswirkt; da spielt sicherlich auch die Form des Kohlenstoffs eine Rolle, der dazu wahrscheinlich sehr fein vermahlen werden müsste und eine große innere Oberfläche besitzen sollte wie Aktivkohle. Oder man nutzt spezielle Verfahren wie HTC, die bei geeigneter Prozessführung humusähnliche Stoffe erzeugen. Möglicherweise bleibt die Kohle aber auch inert (passiv) im Boden und hat so kaum positive Wirkungen auf das Speichervermögen für Wasser und Nährstoffe. Wir sollten diese Untersuchungen vorerst als Grundlagenforschung ansehen, eine großtechnische Anwendung erscheint vorerst noch nicht ökonomisch - im Gartenbau sieht das ja jetzt schon anders aus.
Dr. Konrad Steinert
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ulikum
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Re: Terra Preta

Beitrag von ulikum » Dienstag 20. Dezember 2011, 13:00

Konrad Steinert hat geschrieben:Ja, das wäre wohl durchaus sinnvoll. Holzkohle-Kohlenstoff ist weitgehend abbauresistent und könnte so für viele Jahrzehnte, evt. sogar noch länger im Boden verbleiben. Eben das ist ja die Erfahrung aus Brasilien, wo man nach etwa 500 Jahren immer noch eine positive Wirkung sieht. Zu untersuchen bleibt allerdings, ob sich dies tatsächlich langfristig positiv auf die Bodenfruchtbarkeit auswirkt; da spielt sicherlich auch die Form des Kohlenstoffs eine Rolle, der dazu wahrscheinlich sehr fein vermahlen werden müsste und eine große innere Oberfläche besitzen sollte wie Aktivkohle. Oder man nutzt spezielle Verfahren wie HTC, die bei geeigneter Prozessführung humusähnliche Stoffe erzeugen. Möglicherweise bleibt die Kohle aber auch inert (passiv) im Boden und hat so kaum positive Wirkungen auf das Speichervermögen für Wasser und Nährstoffe. Wir sollten diese Untersuchungen vorerst als Grundlagenforschung ansehen, eine großtechnische Anwendung erscheint vorerst noch nicht ökonomisch - im Gartenbau sieht das ja jetzt schon anders aus.
Das Problem ist aus meiner Sicht nicht die Herstellung.
In meinen Augen kann bis heute keiner sagen wie viel von dieser Kohle ich denn nun wirklich brauche um den gewünschten Effekt zu bekommen.
Reichen mir 1kg Kohle eingemischt in 18 cbm Gülle und nach 3 Wochen einwirkzeit auf einen ha ausgebracht,
oder brauche ich 1 tonne Kohle gemischt mit 60 cbm Gülle und nach einer einwirkzeit von 3 Monaten ausgebracht?
Wie oft muss ich das ganze wiederholen ?
Jährlich oder in größeren Abständen ?
Was im Gartenbau oder im Hausgarten funktioniert hat mit Ackerbau und seinen ökonomischen Zwängen nicht wirklich viel gemeinsam.
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Konrad Steinert
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Re: Terra Preta

Beitrag von Konrad Steinert » Dienstag 20. Dezember 2011, 14:51

Da die Biokohle weitgehend abbauresistent ist, bleibt es doch letztlich egal, wie und wann man sie ausbringt, ob mit der Gülle in vielen Teilgaben über viele Jahre hinweg oder einmalig als bodensanierende Maßnahme. Hauptsache die Verteilung erfolgt gleichmäßig und sie wird intensiv in den Boden eingemischt - notfalls könnten das über einen längeren Zeitraum auch die Regenwürmer übernehmen.

Zur Menge: Wenn man damit den Boden in eine Tiefe bis 25 cm um 1 % Kohlenstoff anreichern wollte, müsste man etwa 3,5 kg/m² bzw. 35 Tonnen pro ha reinen Kohlenstoff ausbringen - das wären dann schätzungsweise 40-50 t/ha Biokohle. Das soll nur mal ein Anhaltspunkt sein, welche Mengen erforderlich werden könnten. Um einen armen Sandboden auf das Niveau einer guten Schwarzerde zu bringen, müsste man mit noch höheren Mengen herangehen. Wenn viele Böden heute nur 1,5 % C aufweisen, dann ist das schon eine gewaltige Steigerung des C-Gehaltes! Aber schon geringere Mengen wie 10 t/ha sollten einen deutlich sichtbaren Effekt zeigen.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt dürfte sich das wirtschaftlich im Ackerbau sicherlich noch nicht rechnen. Aber vielleicht gibt es in der Zukunft bessere Rahmenbedingungen (z.B. Vergütungen für CO2-Festlegung) und bessere Techniken, so dass es doch noch interessant werden könnte.
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Re: Terra Preta

Beitrag von ulikum » Dienstag 20. Dezember 2011, 18:53

Ich glaube nicht das ich mit Kohlenstoff ohne weitere Bearbeitungsschritte zu einer Terra Preta komme.

Vereinfacht möchte ich meine Gedanken mal folgendermaßen darstellen:

Biokohle hat eine extrem große Oberfläche (ähnlich einem Tonmineral) , und kann aus diesem Grunde als zusätzlicher Speicher im Boden genutzt werden.
Um aber die Wirkung von Terra Preta zu erhalten muss ich die Kohle vorher aufladen.

Versuch im eigenen Hausgarten 2005 und 2006.
Reine Holzkohle oder Biokohle auf der Fläche ausgebracht hat nach meinen eigenen Erfahrungen im Hausgarten erst einmal zu Ertragsdepressionen geführt,
Versuche im Jahr 2005.
Daraus schließe ich das die Biokohle dem Gartenboden erst einmal die Nährstoffe entzogen oder die Pflanzenverfügbarkeit vermindert hat.
Im Jahr 2006 habe ich dann die bei der Getreideverbrennung angefallenen Asche, (Biokohle, die Getreideschale war noch vorhanden) erst einmal mit Gülle gemischt und nach einer Einwirkzeit von 4 Wochen ausgebracht. Die Wirkung war eine gänzlich andere, es kam zu keinen Ertragsdepressionen sondern zu einer Ertragssteigerung.
Ausgebracht wurden in beiden Jahren ca.0,5kg Biokohle je m² aber mit unterschiedlichem Erfolg.
Dieses Jahr, 2011 war auf beiden Flächen da keine weitere Aufbringung mit Biokohle erfolgt war kein signifikanter unterschied zum normalen Gartenland mehr sichtbar.
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Re: Terra Preta

Beitrag von Konrad Steinert » Dienstag 20. Dezember 2011, 21:16

Wie es aussieht, scheint es ja sehr unterschiedliche Erfahrungen mit der Biokohle zu geben.
Bis heute weiß man ja überhaupt noch nicht, was die Indios in Brasilien da eigentlich genau gemacht haben. Offenbar wurden Ernterückstände unter Luftabschluss verschwelt, wobei ein kohleartiges Produkt entsteht. Dieses Produkt wurde dann meines Erachtens noch mit anderen organischen Rückständen kompostiert und immer wieder auf der Fläche ausgebracht - nach mehreren hundert Jahren ist dann das entstanden, was man heute als Terra Preta bezeichnet. Die Kohle hat dann die bei der Umsetzung der Nährstoffe enthaltenen Nährstoffe fixiert - unter dem feuchten tropischen Klima würden sie ja sonst zu schnell ausgewaschen. Da liegen Sie also wahrscheinlich ganz richtig, wenn Sie die Biokohle in der Gülle einweichen.
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Kohl
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Re: Terra Preta

Beitrag von Kohl » Dienstag 20. Dezember 2011, 23:22

Unter Umständen haben die Indios auch einfach über Jahrhunderte durch Brandrodung ihre Flächen erschloßen und nach einigen Jahren oder Jahrzehnten wieder mit der gleichen Massnahme die gleichen Flächen in Kultur genommen.

Gibt es vergleichende Untersuchungen über den Kohlenstoffgehalt bei neuere Brandrodungsflächen?
100% Mulchsaat, konventinell, Scheibenschardrilltechnik
50% Wintergetreide, 50% Silomais,
100% Zwischenfrüchte nach Getreide

joe_d
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Re: Terra Preta

Beitrag von joe_d » Donnerstag 22. Dezember 2011, 14:45

ja, auch an der Theorie ist was dran....
hab einmal vor Jahren das Restholz von einem abgebrannten Haus auf dem Feld zusammen brennen lassen... Rest war dann ein Kohlehaufen ähnlich wie nach einem Lagerfeuer aber größer...
und es waren tatsächlich ein paar Jahre, ein wesentlich höherer Erträg auf dieser Kleinfläche ersichtlich.... aber nun ist das min. 8 Jahre her und die Stelle ist nicht mehr ausfindig zu machen.....
andere schreiben aber, dass sich diese Erde (Terra Preta) sich nach dem Abbau auch wieder vermehrt....
wobei die Brandrodetheorie in so feucht/fruchtbaren Gegenden ...kann schon einiges zusammen kommen
und wenn sie alle 10 Jahre brandgerodet haben und vielleicht 2 Jahre Ackerbau, kann da schon einiges zusammen kommen

schöne Feiertage Joe
als das Leben vom Wasser auf das Land kam, wurden tendenziell von jenen die Geschlechtsorgane immer schöner, die ihre Verdauungsorgane in den Boden trieben, gegen über jenen die sie mit sich herumtrugen.....

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