Terra Preta

joe_d
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Terra Preta

Beitrag von joe_d » Freitag 8. Oktober 2010, 08:09

Hallo
hat sich schon wer genauer mit Terra Preta beschäftigt?
wenn dem so ist, währen dann nicht die alten Kohlmeilerböden föllig von Pflanzen überwuchert?
netter Film dazu:http://www.youtube.com/watch?v=nQyRAHc7uhw&feature=fvw

l.g. Joe
als das Leben vom Wasser auf das Land kam, wurden tendenziell von jenen die Geschlechtsorgane immer schöner, die ihre Verdauungsorgane in den Boden trieben, gegen über jenen die sie mit sich herumtrugen.....

michi
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Re: Terra Preta

Beitrag von michi » Freitag 8. Oktober 2010, 20:42

Ich habe mich mal damit beschäftigt und war auch auf einem Vortrag zu dem Thema. Das ist meiner Meinung nach wieder was für den Permakultur-Garten aber nicht für die Praxis auf dem Feld. Man darf nicht vergessen, dass die Terra Preta als Art alternative Urwald-Kläranlage entstanden ist, dass heißt Nährstoffe in Form von Fäkalien. Man darf keine Wunder erwarten, von nix kommt halt nix.

Konrad Steinert
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Re: Terra Preta

Beitrag von Konrad Steinert » Samstag 9. Oktober 2010, 10:07

Das Problem beim Humus ist, dass dieser allgemein wenig stabil ist und durch Mikroorganismen schnell abgebaut wird. Führe ich also mehr Humus zu, wird auch mehr abgebaut, und die Erhöhung ist nur kurzfristig oder bedarf ständigen Nachschubs; es handelt sich hier um ein Fließgleichgewicht.
Einen ähnlichen Effekt wie Terra Preta soll auch auf unseren Schwarzerdeböden zu finden sein, man findet hier einen Teil des Humus als abbauresistente Humuskohle, die nach C14-Analysen mehrere Tausend Jahre alt ist. Man vermutet, dass unsere Vorfahren hier zum Freihalten der Flächen als Weideland regelmäßig Steppenbrände gelegt haben und dabei eben immer etwas verkohltes Material übrig geblieben ist.
Es wäre also durchaus denkbar, mit Biokohle den Kohlenstoffgehalt der Böden langfristig anzuheben, indem man abbauresistente Humusverbindungen schafft. Derzeit scheint mir das Verfahren aber zu aufwändig, da man die Grünmasse ernten müsste, in industriellen Anlagen dem Verfahren der hydrothermalen Karbonisierung unterziehen und dann wieder auf der Fläche ausbringen müsste. Um den Humusgehalt spürbar um 1 % anzuheben, müsste man pro Hektar ca. 30 Tonnen reinen Kohlenstoff ausbringen!
Damit erscheint das Verfahren wohl vorerst nur für den Intensiv-Gartenbau sinnvoll zu sein, zur Anwendung auf Ackerflächen sicher nur, wenn man das über CO2-Zertifikate bezahlt bekommt. Aber es ist sicher noch sinnvoller, als das CO2 aus Kraftwerken zu verflüssigen und in die Erde zu pumpen, wenn man die Bodenfruchtbarkeit so nachhaltig verbessern kann.
Dr. Konrad Steinert
Redaktion
LOP LANDWIRTSCHAFT OHNE PFLUG
Das Fachmagazin für den
professionellen Pflanzenbau
http://www.pfluglos.de

ulikum
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Re: Terra Preta

Beitrag von ulikum » Mittwoch 22. Dezember 2010, 23:26

vielleicht wird in naher Zukunft alles anders. !
keine Düngeindustrie mehr und auch der Pflanzenschutz ist dann Geschichte.

http://www.swr.de/im-gruenen-rp/-/id=10 ... index.html

http://www.das-gold-der-erde.de/
Wenn zwei Menschen jeder einen Apfel haben
und sie diese Äpfel tauschen, hat am Ende auch nur jeder einen.
Wenn aber zwei Menschen je einen Gedanken haben
und diese tauschen, hat am Ende jeder zwei neue Gedanken
"Platon"

Herbert Pickel
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Re: Terra Preta

Beitrag von Herbert Pickel » Freitag 24. Dezember 2010, 11:49

Ist doch eigentlich sonnenklar, dass dieser Weg der einzige, richtige ist.
Für mich hat die synthetische Düngererzeugung schön längst ihre Berechtigung verloren.
Erstens der extreme Energieaufwand.
Zweitens wird das ERdöl doch endlich mal zu Ende gehen. Oder weiß Du einen Ersatzenergieträger.
Drittens der wichtigste Punkt die Bodenfruchtbarkeit.
Da sie nur auf der Bodenfruchtbarkeit herumtrampelt. Es ist nun mal so, dass der Dünger sauer ist und die feinsten Tonminerale basisch. Dreimal darfst Du raten, wer dabei auf der Strecke bleibt! Das Tonmineral wird diese Vorgänge nicht überleben. Darum auch die Hinweise der Herren Felgentreu und Näser in ihren Vorträgen: Flächendüngung ist nicht gut für die Bodenentwicklung. Wie zuletzt in Leipzig erlebt.

Es wird aber nicht einfach werden, den richtigen WEg zu finden, die Bodenfruchtbarkeit auf natürlichen Wege zu erhöhen. Die Terra Breta Geschichte kann ich glaube jeder selbst entwickeln und nicht wie im Film zu sehen, dass es nur einen gibt der die Sache beherrscht.
Biolandwirt, Ackerbau, pfluglos, 270 m über NN, 550 mm Niederschlag/Jahr,
bis 40 Bodenpunkte, Frühjahrstrockengebiet, Großraum Erlangen

tomte
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Re: Terra Preta

Beitrag von tomte » Freitag 24. Dezember 2010, 15:15

Irgendwie klingt das nach mehr oder weniger totalem Blödsinn. Eine Zucchini oder Rote Beete wird auch mit normalem Boden so groß. Ist aber dann genausowenig marktfähig wie wenn sie auf Terra Preta gewachsen ist. Dass man dann von vielfachem Ertrag redet ist einfach nur Quatsch.

Was mich aber mehr wundert ist die Tatsache der Holzkohle die ja ein entscheidender Bestandteil sein soll. Entsteht nicht bei der Herstellung der Holzkohle CO2? Und wo kommt das Holz überhaupt her? Aus dem Regenwald? Das wäre ja dann einfach nur eine Nährstoffverlagerung (wie z.B. bei Soja auch). Abgesehen von der ganzen weiteren Energie die in die "Herstellung" der Erde gesteckt wird, kann da eine positive CO2 Bilanz rauskommen? Um ein sich dann selbst tragendes System in Gang zu bringen z.B. in einer Wüstenregion bin ich voll unterstützend. Aber für Hobbygärtner? Da geht es nur um das schnelle Geld...
56ha Wald, 140ha LN (27 Weide/Naturweide), 32 Milchkühe, 1900 Legehennen
lehmiger Sand - sandiger Lehm, 7°C, 450mm, Bio (Demeter)
Kleegras (2jährig), Dinkel, Kartoffel (9ha), Gemüse (9ha), Hafer/Gerste/Erbse/So-Weizen (+Untersaat)

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Re: Terra Preta

Beitrag von York-Th. Bayer » Freitag 24. Dezember 2010, 18:37

tomte hat geschrieben:
Irgendwie klingt das nach mehr oder weniger totalem Blödsinn. Eine Zucchini oder Rote Beete wird auch mit normalem Boden so groß. Ist aber dann genausowenig marktfähig wie wenn sie auf Terra Preta gewachsen ist. Dass man dann von vielfachem Ertrag redet ist einfach nur Quatsch.
wieso soll es gleich Quatsch sein?
Was mich aber mehr wundert ist die Tatsache der Holzkohle die ja ein entscheidender Bestandteil sein soll. Entsteht nicht bei der Herstellung der Holzkohle CO2? Und wo kommt das Holz überhaupt her? Aus dem Regenwald?
Es ist von Vorteil wenn man die Beiträge auch fertig sich anhört. Dort wurde ganz klar gesagt wo der Rohstoff herkommt. Und zwar aus Grünschnitt und sonstigen "Abfällen". Das wäre ja dann einfach nur eine Nährstoffverlagerung (wie z.B. bei Soja auch). Abgesehen von der ganzen weiteren Energie die in die "Herstellung" der Erde gesteckt wird, kann da eine positive CO2 Bilanz rauskommen? Um ein sich dann selbst tragendes System in Gang zu bringen z.B. in einer Wüstenregion bin ich voll unterstützend. Aber für Hobbygärtner? Da geht es nur um das schnelle Geld...
Letztendlich dreht sich alles in unserem Wirtschaftssystem ums Geld. Darauf baut es auf, und nicht auf das "Gut Sein". Ob es das schnelle Geld ist wage ich zu bezweifeln. Denn es besteht immer noch der Zusammenhang zwischen Angebot & Nachfrage und dann vor allem noch einer kaufkräftigen nachfrage. Was hilft es das es z.b. Millionen Afrikaner gibt die gerne Weizen essen würden aber leider eben nicht bezahlen können. Nur so als Beispiel zum Thema Bedarf und wirklicher Nachfrage. Daher werden auch in diesem Bereich die Bäume nicht so schnell in den Himmel wachsen. Und was z. b. über die Baumärkte oder Gartenmärkte als Kompost so angeboten wird steht auf einem anderen Blatt. Daher sehe ich es als durchaus positiv wenn z. b. über das Thema Terra Preta das Thema Fruchtbarkeit angeschoben wird.
Und das man so was auch schon in kleinem Rahmen selber machen kann sieht man hier, in einem Hilfsprojekt auf den Philipienen: http://www.buddel.de/kft/terra_preta.htm
Was mich bei dem ganzen thema stört, auch beid em Projekt in Österreich, ist das man dies als Allerheillösung hinstellt. Nur wo sollen die rohstoffe denn her kommen? Vergleicht mal die Siedlungsdichte in dem Projekt in Österreich oder bei Euch. Dort leben ca. 100 pro km². Da läst es sich leichter über Energieautharkität reden. Nur der Durchschnitt in D., von Regionen in China oder Indien will ich gar nicht reden. liegt deutlich höher.
Frohes Fest. Es ist das Fest der Besinnlichkeit, DAnkbarkeit usw..
York-Th.
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ANDERSgesehn
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Re: Terra Preta

Beitrag von ANDERSgesehn » Samstag 25. Dezember 2010, 10:07

irgendwie werden jetzt im 3. jahrtausend gewisse (unbekannte) thema zu stark
überthematisiert. bekanntlich ist, dass mit angst (also unwissenheit) geld gemacht wird.

das thema humus , terra preta uva im anfang des 3. jahrtausend ist ein thema der
ungewissheit und sekundäregeschäft mit angst um geld zu machen.

eines ist mir in der leistungspflügervergangenheit aufgefallen. die austragungsorte waren
alle immer die beste bonität in der region. der kleinste gemeinsame nenner beinhaltet weiters:
tischeben, dunkle bis schwarze böden, nahe einer alten stadt und immer irgendwo war mehr oder minder ein fluß in der nähe.

mein gedanke zu terra preta ist diese gebiete waren vor jahrhunderten bzw. -tausend schwemmlandgebiet (amazonas, nil, mississippi, donau, inn, aare, spree, ...).

sozusagen wie michi schon schrieb eine natürliche form von kläranlage.
oder steinert auch schrieb eine natürliche form von köhlern (unter luftabschluß, ...)

vielleicht liege ich mit meinen gedanken falsch, es wäre nur ein weiterer gedanke für die wissenschaft, die neues wissen schafft um angst und unwissenheit ein ende zu schaffen.

lg
ANDERSgesehn.
schweinezucht & schweinemastbetrieb mit
pseudovergleyte parabraunerde, 60-68 bodenpunkte
290-410m seehöhe ~900mm jahresniederschlag 9° temp.
im letzten jahrtausend weltmeister in stoppelpflügen.
es ist verdammt hart bauer zu sein.

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Re: Terra Preta

Beitrag von ulikum » Samstag 25. Dezember 2010, 13:44

Terra Preta/ oder Biokohle
-----------------------------
- es ist ein Geschäft in dem viel Geld fließen wird.
Die Abfallwirtschaft steht schon in den Startlöchern.
-----------------------------

etwas über Terra Preta zum lesen.
http://www.bfn.de/fileadmin/MDB/documen ... iochar.pdf
------------------------------
zwei Filme zum ansehen:
Biokohle als Dünger Biochar (gehört zum Textdokument)
http://www.youtube.com/watch?v=VYVM0bRi ... re=related
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Biokohle warum erst jetzt ?
http://www.youtube.com/watch?v=o3DKXCyZ ... re=related
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Wenn zwei Menschen jeder einen Apfel haben
und sie diese Äpfel tauschen, hat am Ende auch nur jeder einen.
Wenn aber zwei Menschen je einen Gedanken haben
und diese tauschen, hat am Ende jeder zwei neue Gedanken
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Re: Terra Preta

Beitrag von ANDERSgesehn » Sonntag 26. Dezember 2010, 11:57

eines wäre interessant, wie die (positiv bilanzierte rechnung)
dieser biokohle-produktionsmaschine aussieht?
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