Tonmineral Bentonit zur Bodenverbesserung karger Sandböden

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Wieland Ihm
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Tonmineral Bentonit zur Bodenverbesserung karger Sandböden

Beitrag von Wieland Ihm » Montag 4. Februar 2013, 00:47

Ich möchte im Rahmen meiner studentischen Experimentierfreude eine kleine Brachfläche mit kargem Sandboden rekultivieren.
Mittel- und langfristig soll mit allen erdenklichen Mitteln Bodenfruchtbarkeit aufgebaut werden.
Faktoren wie minimale Bodenbearbeitung (auch Strip Till und Direktsaat), Zwischenfruchtanbau, org. Düngung, Kalkung nach Bedarf und Bodenverbesserung mit Tonmineralen sollen die Bodenfruchtbarkeit multiplizieren.
Die Verbesserung von Sandböden soll mit dem Einsatz des Tonminerals Bentonit gelingen. Bentonit erhöht laut Hersteller die Wasserhaltefähigkeit, die Bildung von Ton-Humus-Komplexen, das Säurepuffervermögen und die Kationenaustauschkapazität (KAK) und vermindert somit die Auswaschungsgefahr.

http://bentonit.info/produkte/edasil
http://bentonit.info/produkte/edasil/2-uncategorised/41

Das Bentonit Granulat namens Edasil kostet 170 Euro/ Tonne frei Feld (ohne Mwst) bzw für den Garten der 25kg Sack 22 Euro. (Stand 2012)
Empfohlen werden je nach Boden 1500-2500 kg/ha, sprich ca. 255-425 Euro/ha...
Dies ist aufgrund der langfristigen Wirkung auch als eine langfristige Investition zu relativieren.

Nun möchte ich gerne von Euch wissen, ob ihr schon Erfahrungen beim verbessern der Bodenfruchtbarkeit von kargen Sandböden bzw speziell mit Bentonit habt?
Falls nicht, was haltet ihr davon?


p.s ich sehe das nicht als Wunderzeug an, sondern lediglich als ein Teil des Puzzles Bodenfruchtbarkeit

Konrad Steinert
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Re: Tonmineral Bentonit zur Bodenverbesserung karger Sandböden

Beitrag von Konrad Steinert » Montag 4. Februar 2013, 20:48

An sich ist das mit dem Tonmineral eine sehr gute Sache, denn das Produkt wird im Gegensatz zu humosen Materialien nicht abgebaut. Es ist übrigens auch Hauptbestandteil von Katzenstreu wegen seiner hohen Absorptionskraft. Allerdings denke ich, dass man deutlich höhere Mengen als hier angegeben benötigt. 200 g/m² wären gerade einmal 0,05 % bei 25-30 cm Bodentiefe. Man müsste dem Boden wahrscheinlich mindestens 1 % Bentonit zufügen, um einen spürbaren Meliorationseffekt zu erreichen. Das wären dann etwa 4 kg/m² oder 40 t/ha!
Für den Garten mag sich das noch lohnen, auf dem Acker wird das wohl zu aufwändig.
Es wäre unbedingt einmal interessant, damit Kleinparzellen oder Gefäße mit Steigerungsversuchen anzulegen!
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Wieland Ihm
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Re: Tonmineral Bentonit zur Bodenverbesserung karger Sandböden

Beitrag von Wieland Ihm » Montag 11. Februar 2013, 13:35

Herr Steinert, mit ihren überschlagenen Rechnungen haben Sie natürlich grundsätzlich recht und nur Steigerungsversuche werden hier Aufschluss über die ökologisch und ökonomisch optimale Dosierung geben.
In Hinblick auf eine Bachelorarbeit o.ä. wären Gefäßversuche sehr gut geeignet um den exakten Einfluss auf Wasserhaltefähigkeit, KAK sowie den Pflanzenertrag zu untersuchen.
Kann in Gefäßen langfristig auch die Bildung von Ton-Humus-Komplexen untersucht werden oder sind die komplexen Einflussfaktoren Regenwurmpopulation sowie Bodenbearbeitung nur in Kleinparzellen im Freiland nachvollziehbar?

p.s. Das Katzenstreu besteht zum Großteil aus Bentonit doch laut Hersteller soll dieses evtl. erhöhte Salzanteile und unbestimmten löslichen Gehalte aufweisen und nicht im Garten verwendet werden. Demgegenüber ist in vielen Gartenforen zu lesen, dass benutztes Katzenstreu zur Bodenverbesserung in den Kompost eingearbeitet wird und nur positive Erfahrungen vorhanden sind.
Wahrscheinlich macht hier, wie so oft, die Dosis das Gift.
Deshalb werde ich mir in Blumentöpfen ein Katzenstreu-Steigerungsversuch mit direktem Vergleich zum Bentonit Edasil anlegen.

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Re: Tonmineral Bentonit zur Bodenverbesserung karger Sandböden

Beitrag von Konrad Steinert » Montag 11. Februar 2013, 19:23

Die Hersteller werden sich hüten, irgend etwas Schädliches in das Katzenstreu hineinzutun. Wenn es der geliebten Katze dann nicht mehr gut geht, nimmt das die Kundschaft sicherlich übel. Sie können also davon ausgehen, das handelsüblicher Katzenstreu weitgehend reines Bentonit enthält - mit Ausnahme das etwas anderes deklariert würde wie z.B. Papierflocken.
Ich fürchte, dass es schwierig wird, die Bildung von Ton-Humus-Komplexen in Gefäßversuchen innerhalb kurzer Zeiträume nachzuweisen. Wichtig ist hier wohl eine intensive Vermengung der Bodenmatrix mit dem Bentonit. Man könnte dann schließlich eine größere Anzahl an Regenwürmern in die Gefäße einbringen; das wäre schließlich ein beliebtes Demonstrationsexperiment für die mischende Tätigkeit der Regenwürmer.
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Re: Tonmineral Bentonit zur Bodenverbesserung karger Sandböden

Beitrag von Reto70 » Freitag 15. Februar 2013, 07:48

Hallo Herr Ihm,
wenn Sie die Versuche wie vorgeschlagen im kleinen Rahmen machen, würde ich auch als zweites Produkt die Pflanzenkohle (Biochar) dazu
nehmen. (nach dem Pyreg-Verfahren) .>www.swiss-biochar.com
Es hat ähnliche Effekte und ist ebenfalls enorm stabiel im Boden
Gutes Gelingen und Gruss aus der Zentralschweiz
Reto

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Re: Tonmineral Bentonit zur Bodenverbesserung karger Sandböden

Beitrag von Konrad Steinert » Freitag 15. Februar 2013, 09:40

Hauptproblem derartiger Bodenverbesserungsmittel ist jedenfalls, dass man immer enorme Mengen braucht, um einen spürbaren Effekt zu erreichen. Bei Humuskohle müsste man etwa 20 Tonnen pro Hektar einsetzen, damit man nur 0,5 % Gehalt in der Ackerkrume erreicht. Muss man das Produkt zukaufen und über weite Entfernungen transportieren, wird das schnell unwirtschaftlich! Durchaus möglich wären derartige Bodensanierungen, wenn man das Material selbst gewinnen kann. Schultz-Lupitz hat dazumal z.B. enorme Mengen Kalkmergel (tonhaltig) auf seinen Sandböden zur Bodenmelioration eingesetzt, die er auf dem eigenen Gut in Mergelgruben gewonnen hat. Oder man setzt eine spezielle Tiefpflugtechnik ein, die in der Tiefe anstehenden Lehm nach oben bringt, was ebenfalls schon versucht wurde.
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Re: Tonmineral Bentonit zur Bodenverbesserung karger Sandböden

Beitrag von Wieland Ihm » Donnerstag 28. Februar 2013, 13:41

Für meine kleinen Parzellen- bzw. Gefäßversuche könnte ich auch die Biokohle, als Konsequenz der positiven Erfahrung mit der viel besagten Terra Preta, integrieren.
Herr Steinert hat wohl sehr recht das diese einfache Vorgehensweise großflächig nicht finanzierbar und durch den Zukauf fremder Biomasse sowie dem Transport nicht wirklich ökologisch ist.

In Zukunft kann ich mir dennnoch vorstellen, dass Landwirte ihre Biokohle mit eigener Biomasse (Stroh, Wiesenschnitt aus Grünlandpflege, Holzresten, biolog. Abfälle) mit genossenschaftlichen Pyrolyseanlagen bzw. mit dem effizienterem HTC-Verfahren (HydroThermaleCarbonisierung, siehe ATB Potsdam) herstellen. Dadurch würde die Biokohle dem eigenem Kreislauf entspringen und ihm als wertvollem Dauerhumus wieder hinzugefügt.

Das Verfahren HTC ist vielversprechend und wird derzeit sowohl in der Grundlagenforschung behandelt als auch praktisch bezüglich dem Anlagenbau bearbeitet.
Eine kurze Vorstellung davon findet Ihr hier:

http://www.kompost.de/uploads/media/Bio ... 5817fc4626


Ein anderer Gedanke ist, den Einsatz von bodenverbessernden Stoffen zu kombinieren und deren Einsatz so sparsam wie möglich zu gestalten.
Ein Berater aus dem Lager der Effektiven Mikroorganismen(EM) hat beispielsweise ein "Rezept" zur Güllebehandlung entworfen:

http://www.triaterra.de/WebRoot/Store19 ... Rezept.pdf

Die angepriesenen Wirkungen sind natürlich kritisch zu betrachten aber dennnoch scheint mir die Grundgedanke plausibel.
Der kalkulierte Preis ist wesentlich verträglicher als zuvor genannte Bodenverbesserungsmaßnahmen auch wenn die Anwendung dieser Güllebehandlung kontinuierlich und evlt. mit erhöhtem Input probiert werden muss.
Die Kosten für dieses Verfahren können wohl weiter reduziert werden, wenn Biokohle wie oben dargestellt von einer Gemeinschaft von Landwirten selbst produziert wird, denn die zugekaufte Biokohle macht 66% der Gesamtkosten aus.

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