Harnstoffwirkung

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Hofer Urs
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Harnstoffwirkung

Beitrag von Hofer Urs » Freitag 9. März 2012, 09:30

Im Gegensatz vielleicht zu euch im Norden, regnet es bei uns in Südfrankreich seit Monaten nicht mehr. Die letzte Weizenaussaat vom Dezember hat sozusagen noch keinen Regen gesehen ist aber trotzdem schön aufgelaufen weil der Boden bei der Saat noch genug feucht war. Jetzt das Problem: Am 15. Januar haben wir sodann die 1. Düngung mit Harnstoff plaziert, ca 100 kg = 46 N, dies, weil der Wetterbericht Regen angesagt hat. Letztlich gab's dann nur mit Mühe 3mm. Das war's dann auch schon. Die Harnstoffkörner wurden dadurch zwar aufgelöst und wurden unsichtbar. Bis heute am 9. März hat's keinen Tropfen mehr dazu geregnet und für die nächsten 2 Wochen solls trocken und windig bleiben. Sollte es irgendwann doch noch mal etwas Niederschlag geben, stellt sich die Frage, ob der im Januar verabreichte Harnstoff noch vorhanden ist oder ob der sich verflüchtigt hat. Man muss dazu noch sagen, dass bei uns viele Landwirte mitte Januar nach den 3 mm gedüngt haben und die Körner nur durch Morgentau aufgelöst wurden und das wars dann auch schon. Hat jemand Erfahrung zu dieser Sache?
mfg
Acker-und Weinbau

ulikum
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Re: Harnstoffwirkung

Beitrag von ulikum » Samstag 10. März 2012, 13:45

Gasförmige Stickstoffverluste

Die Gefahr von gasförmigen Ammoniakverlusten hängt von verschiedenen Faktoren ab,
unter anderem vom Boden:
hoher pH-Wert, geringes Ammonium-Absorptionsvermögen (wenig Ton und Humus), geringe Bodenfeuchte,

beim Wetter:
hohe Temperaturen, hohe Verdunstungsrate, Trockenheit nach Düngerapplikation

Zeitpunkt der Applikation

Was bei dir zutrifft und wie stark musst du selber entscheiden.
meines Wissens können die Umwandlungsverluste beim Harnstoff in ungünstigen Fällen bis zu 50% betragen.

ich hoffe ich habe jetzt keinen Bockmist geschrieben. ;)

Hier noch etwas von der Industrie, die können es besser und ausführlicher

http://www.effizientduengen.de/files/gas_verluste.php
Wenn zwei Menschen jeder einen Apfel haben
und sie diese Äpfel tauschen, hat am Ende auch nur jeder einen.
Wenn aber zwei Menschen je einen Gedanken haben
und diese tauschen, hat am Ende jeder zwei neue Gedanken
"Platon"

Konrad Steinert
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Re: Harnstoffwirkung

Beitrag von Konrad Steinert » Samstag 10. März 2012, 21:08

Zu "effizient düngen" ist zu bemerken, dass dahinter YARA steht. Häufig findet man hier Argumente gegen den Einsatz von Harnstoff, AHL oder Ammoniumdünger; stattdessen wird dann meist als Alternative der auch von YARA produzierte Kalkammonsalpeter als Universaldünger empfohlen.
Aber im Prinzip ist es schon richtig, dass die überall vorhandene Urease den Harnstoff in Ammoniak und Kohlendioxid zerlegt und der Ammoniak gasförmig entweichen kann, sofern Ammonium nicht im Boden resorbiert wird. Sofern der Boden nicht basisch ist oder nur eine sehr geringe KAK hat (geringer Ton und/oder Humusgehalt), sind die Verluste aber auch beim Harnstoff nur gering und werden oftmals überschätzt. Sobald es doch einmal regnet, wird dieser Stickstoff wieder verfügbar, zusammen mit einem Mineralisierungsschub aus der organischen Substanz.
Perspektivisch wäre es sicherlich sinnvoll, bei regelmäßig auftretender Trockenheit z.B. an eine Unterfußdüngung mit ammoniumhaltigen Düngemitteln zu denken, um die N-Verfügbarkeit für die Jungpflanze zu verbessern und Ammoniumverluste nahezu vollständig zu vermeiden.
Hier ist noch eine Information dazu:
http://www.pe.wzw.tum.de/publikationen/pdf/sd701.pdf
Unter diesen Umständen erscheint es sinnvoll, vor weiteren Düngergaben unbedingt weitere Untersuchungen z.B. mit dem N-Tester durchzuführen. Hoffentlich kommt dann doch noch rechtzeitig Regen bei Ihnen an!
Dr. Konrad Steinert
Redaktion
LOP LANDWIRTSCHAFT OHNE PFLUG
Das Fachmagazin für den
professionellen Pflanzenbau
http://www.pfluglos.de

Hofer Urs
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Re: Harnstoffwirkung

Beitrag von Hofer Urs » Sonntag 11. März 2012, 10:10

Vielen Dank für die beiden Antworten. Möchte noch ein paar Sachen meinem ersten Beitrag hinzufügen.
Wir sind in einem Gebiet (département 30 Gard) in Frankreich, wo es alle Wetterextreme gibt. Entweder regnet's wie verrückt, 50 mm pro Stunde oder dann während Monaten überhaupt nicht. Aber, dass es von mitte Dezember bis jetzt, mitte März nicht regnet, haben die hiesigen Bauern auch noch nicht erlebt, nicht einmal die alten. Deshalb haben wir im Januar die 1. Düngergabe, ohne grosse Sorge, appliziert. Wäre die Trockenheit jedes Jahr, so hätte man schon versucht, auf Unterfussdüngung umzustellen. Zum Wetter noch einmal: Unser Gebiet liegt nicht weit von der Rhone und das ist genau der Korridor des Mistrals. Häufig regnets überall, nur bei uns nicht, weil der Mistral die Wolken in's Meer verjagt. Zum Glück hat dieses Mistralphänomen nicht nur Nachteile, denn bei uns produziert man den Wein mit dem geringsten Pflanzenschutzaufwand von ganz Europa. Deshalb wäre es natülich auch der beste Wein, den man kaufen könnte, glaubt man hier wenigstens.
mfg.
Acker-und Weinbau

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