Wer hat sich mit dem Kinseysystem auseinandergestzt

low-tiller
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Wer hat sich mit dem Kinseysystem auseinandergestzt

Beitrag von low-tiller » Mittwoch 19. August 2009, 08:21

Hallo ,
hat sich hier im forum schon jemand mit dem kinseyverfahren auseinandergestzt oder praktische erfahrungen damit gesammelt ?
viele vorgehensweisen im ackerbaulichen bereich sind immer noch traditionell geprägt , sei es bei der bodenbearbeitung oder der düngung .
in sachen bodenbearbeitung hat sich in den letzten jahren einiges verändert aber im bereich der pflanzenernährung wird immer noch an alten theorien festgehalten .
ich habe mich schon seit einiger zeit mit dem kinseyverfahren auseinander gesetzt und trage mich mit dem gedanken es eventuel auf einer teilfläche zu testen .
wie ist eure meinung zu diesem thema ?
nord-östliches niedersachsen , leichter heidesand grundwasserfern und flußmarsch grundwassernah , bis auf neu übernommene flächen 100 % notill , scheibendrille mit unterfußdüngung und 25cm reihenabstand , low-tech und low-input .

Andreas Lemke
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Re: Wer hat sich mit dem Kinseysystem auseinandergestzt

Beitrag von Andreas Lemke » Mittwoch 19. August 2009, 11:08

Erfahrungen habe ich zu diesen Thema leider nicht aber mit dem Gedanken gespielt habe ich schon es auf paar ha zu probieren ...

gruss Anderas

Herbert Pickel
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Re: Wer hat sich mit dem Kinseysystem auseinandergestzt

Beitrag von Herbert Pickel » Dienstag 20. Oktober 2009, 16:43

Hallo Forumteilnehmer.

Ich habe 15 Proben mit Kinsey gemacht. Ich kann nur sagen an dieser Sache muss man einfach dran bleiben. In der "normalen Schiene" treten wir doch auf der Stelle. Oder ist es vielleicht bei mir nur so. Aber wenn in Straubinger Gäu Veranstaltungen besuche unter dem Motto "Erträge stagnieren oder gehen zurück? Woran liegts?" :o Dann muss ich feststellen, dass die große Masse etwas ratlos vor sich hin überlegt. Oder liege ich da vielleicht falsch?

Bei mir zum Beispiel, hat die Kinsey Maßnahme eindeutig Wirkung gezeigt. :D

Alleine die Denkanstöße und Zusammenhänge leuchten doch mehr ein, wie das reine Nährstoffgehaltsdenken. :shock:

Meine Flächen sind nach herkömmlicher Untersuchungsmethode alle im wohlversorgtem Zustand und trotzdem gibt es unerklärliche Baustelllen. :o

Was gibt es denn nichts besseres sich mit kleinen Projekten an die Sache heranzutasten und zu probieren. Vielleicht kommt man doch so weiter und kann einiges davon ableiten.
Eine Horrizonterweiterung gibt es aus meiner Sicht automatisch. :)
Gruss
Nopflug
Biolandwirt, Ackerbau, pfluglos, 270 m über NN, 550 mm Niederschlag/Jahr,
bis 40 Bodenpunkte, Frühjahrstrockengebiet, Großraum Erlangen

tomte
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Re: Wer hat sich mit dem Kinseysystem auseinandergestzt

Beitrag von tomte » Dienstag 20. Oktober 2009, 19:29

Nopflug hat geschrieben:Alleine die Denkanstöße und Zusammenhänge leuchten doch mehr ein, wie das reine Nährstoffgehaltsdenken. :shock:
Das stimmt wohl, aber trotzdem spiegelt das System noch lange nicht das wieder, was wirklich in Boden und Pflanze passiert (ganz abgesehen davon, dass es da auch noch viele unbekannte, unerforschte Bereiche gibt). Pflanzenernährung ist weit mehr als irgendwelche Stoffe auf dem Acker verteilen und diese vielleicht auch noch in ein Verhältnis zueinander zu setzen nur weil eine (meist sehr beschränkte und fragwürdige) Bodenuntersuchung gemacht wurde. Das ganze hakt schon an der Stelle wo man den Boden nicht als lebendige Substanz betrachtet sondern "nur" als einen chemischen und physikalischen Standort. Das "Bodenleben" schafft es z.B. ohne weiteres innerhalb von wenigen Tagen über 200kg N/ha zu mobilisieren oder demobilisieren. Auch können Pflanzen durch Rhizodeposition ihren Bodenraum sehr stark beeinflussen und das nicht nur einfach so, sondern angepasst an den jeweiligen Standort. Liebig ist zu simpel für ein so komplexes System wie Boden und Pflanze - Albrecht und Kinsey leider auch noch. Es ist eine gute Erweiterung, die auch noch für nicht Wissenschaftler teilweise nachvollziehbar ist. Aber leider immer noch ein Nährstoffgehaltsdenken aus den 90ern ;)
56ha Wald, 140ha LN (27 Weide/Naturweide), 32 Milchkühe, 1900 Legehennen
lehmiger Sand - sandiger Lehm, 7°C, 450mm, Bio (Demeter)
Kleegras (2jährig), Dinkel, Kartoffel (9ha), Gemüse (9ha), Hafer/Gerste/Erbse/So-Weizen (+Untersaat)

Herbert Pickel
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Re: Wer hat sich mit dem Kinseysystem auseinandergestzt

Beitrag von Herbert Pickel » Dienstag 20. Oktober 2009, 19:39

Hallo.
Da bin ich voll dabei. Wer Rusch kennt und teilweise gelesen hat, wird vieles erklären können.
Aber das Thema hier zu diskutieren ist sinnlos für den Acker. :o
Bringt die Felder zum neuem Leben. Sie werden es euch danken. :D
Beispeil 1:
Es gibt Regionen da ist kein gr. Phosphat in der Krume zu finden. Mit 10 kg/ha P2O5 als Startgabe zur Mobilisierung des Bodenlebens hat man es dort geschafft ortsübliche, vernünftige Erträge zu realisieren.

Beispiel 2:
Versalzene unproduktive Flächen: Mit Maßnahmen zur Förderung der Bodenfruchtbarkeit sind die Flächen in nur 2 Jahren wieder normal bewirtschaftet worden.

Es gibt genügend solche Beispiele, es ist aber Zeitverschwendung darüber zu schreiben.
Man braucht die Bodenfruchtbarkeit im Feld und nicht in Wörtern gefasst.
Drum arbeite ich akribisch weiter, um das Ziel der hohen Bodenfruchtbarkeit möglichst bald zu erreichen.

Gruss ;)
NOpflug
Biolandwirt, Ackerbau, pfluglos, 270 m über NN, 550 mm Niederschlag/Jahr,
bis 40 Bodenpunkte, Frühjahrstrockengebiet, Großraum Erlangen

Kohl
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Re: Wer hat sich mit dem Kinseysystem auseinandergestzt

Beitrag von Kohl » Donnerstag 22. Oktober 2009, 11:54

Hallo,
wer oder was ist Rusch?

Gibt es Veröffenlichungen im Netz??
100% Mulchsaat, konventinell, Scheibenschardrilltechnik
50% Wintergetreide, 50% Silomais,
100% Zwischenfrüchte nach Getreide

York-Th. Bayer
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Re: Wer hat sich mit dem Kinseysystem auseinandergestzt

Beitrag von York-Th. Bayer » Donnerstag 22. Oktober 2009, 16:27

Kohl hat geschrieben:Hallo,
wer oder was ist Rusch?
Gibt es Veröffenlichungen im Netz??
Denke mal es handelt sich um Hans Peter Rusch:
http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Peter_Rusch

Seinen Klassiker kann man noch kaufen:
http://www.amazon.de/Bodenfruchtbarkeit ... 3922201458

Einen kleinen Beitrag über die geschichtlichen Zusammenhänge findet man hier:
http://orgprints.org/14327/1/BrossBurkhardt_14327.pdf

Jetzt kommt ja die Jahreszeit wo man wieder längere Abende hat und man sich gerne hinter den Ofen verkrümelt. Viel Spaß beim Studium.

York-Th.
Landwirtschaft mit Passion

Gonzo
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Re: Wer hat sich mit dem Kinseysystem auseinandergestzt

Beitrag von Gonzo » Sonntag 6. Januar 2013, 18:09

Hallo,

möchte mal das alte Thema wiederbeleben und um einen Aspekt erweitern: wer hat bereits Erfahrungen mit dem Technischem Büro Unterfrauner gesammelt?

http://www.youtube.com/watch?v=86H-PT0mvbc

Er hat jedenfalls ein lustiges Video, aber was soll man von seiner Methode halten?

Gruß,
gonzo

obermaier stephan
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Re: Wer hat sich mit dem Kinseysystem auseinandergestzt

Beitrag von obermaier stephan » Mittwoch 9. Januar 2013, 14:49

Herbert Pickel hat geschrieben: Aber wenn in Straubinger Gäu Veranstaltungen besuche unter dem Motto "Erträge stagnieren oder gehen zurück? Woran liegts?" :o Dann muss ich feststellen, dass die große Masse etwas ratlos vor sich hin überlegt. Oder liege ich da vielleicht falsch?
Ganz einfach! Bei Gehalten an organischer Substanz von unter 1%, wo dann im Frühjahr noch Nmin Werte von 10-20kg messbar sind ist es doch logisch das nix mehr wächst! Aber die kapieren es nicht, obwohl die "nur" 60-70% Hackfruchtanteil haben (ZR,KA). Und dann wird noch überlegt das Weizenstroh an die Bioethanolanlage zu verkaufen. Allerdings haben die bei stagnierenden Erträgen immer noch die 95dt beim Akteur. Jammern auf hohem Niveau!

Gruß Stephan
seit 2002 Pfluglos, (ZF)ZR-WW-WR-WW-(ZF)-WW, 7,8°C im Mittel, 680mm Niederschlag, BP 60-71 toniger Lehm

joe_d
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Re: Wer hat sich mit dem Kinseysystem auseinandergestzt

Beitrag von joe_d » Freitag 11. Januar 2013, 23:05

Das "Bodenleben" schafft es z.B. ohne weiteres innerhalb von wenigen Tagen über 200kg N/ha zu mobilisieren oder demobilisieren. ..............

darf man fragen wo dies nachzulesen oder so ist, b.z.w. wie es dazu kommen kann?

mfg joe
als das Leben vom Wasser auf das Land kam, wurden tendenziell von jenen die Geschlechtsorgane immer schöner, die ihre Verdauungsorgane in den Boden trieben, gegen über jenen die sie mit sich herumtrugen.....

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