Cultandüngung mit 3-Lochdüse

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Thomas Klarhölter
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Cultandüngung mit 3-Lochdüse

Beitrag von Thomas Klarhölter » Mittwoch 1. Mai 2013, 20:48

Hallo,
wer hat Erfahrungen mit 3 Lochdüsen StreamJet -10-VP mit AHL im Getreide. Düngung in einer Gabe 500-600 l/ha AHL (Cultandüngung).
Reicht ein Düngerband mit 16,6 cm als Cultandüngung aus, weil die Konzentration in diesem Band geringer ist?

Gruß
Thomas

Konrad Steinert
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Re: Cultandüngung mit 3-Lochdüse

Beitrag von Konrad Steinert » Donnerstag 2. Mai 2013, 08:40

Den erwünschten Cultan-Effekt wird man damit nicht erreichen. AHL enthält schon einen ziemlich hohen Anteil Nitrat und Harnstoff, so dass dies an sich kein empfohlener Cultandünger ist. Bringt man es dann auch noch als breites Band aus, kann eine schnelle bakterielle Umsetzung im Boden erfolgen, mit dem Endprodukt Nitrat. Eine ausreichend hohe Ammonium-Konzentration, die das Bakterienwachstum verhindert und damit zu einer Konservierung des Depots führt, ist so nicht vorhanden.

Allerdings muss sich das alles nicht unbedingt nachteilig auf den Ertrag auswirken, es entspricht aber weitgehend einer herkömmlichen breitflächigen AHL-Düngung. Dafür muss man die Spritze nicht extra umrüsten. Eine ganzflächige Verteilung mit herkömmlichen Düsen ist dann wahrscheinlich auch günstiger.

Cultan-Düngung mit der Spritze kann nur funktionieren mit Schleppschläuchen oder besser noch Schleppzinken, die ein eng begrenztes linienförmiges Depot an der Bodenoberfläche ausbilden. Das ist aber auch nur ein nur mäßig funktionierender Kompromiss, der deshalb von vielen Cultan-Befürwortern abgelehnt wird. Optimal ist der Einsatz spezieller Injektionsgeräte ("Igelrad").
Dr. Konrad Steinert
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Thomas Klarhölter
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Re: Cultandüngung mit 3-Lochdüse

Beitrag von Thomas Klarhölter » Samstag 4. Mai 2013, 07:02

Meine Frage: Kann ich mit dem geeigneten Dünger (z.B. ASL) und einer 3-Loch Düse noch eine gute Cultanwirkung erzielen?

Zurzeit kann ich nur AHL mit Schleppschlauch ausbringen.(Betriebliche Gegebenheit)

Gruß
Thomas

Konrad Steinert
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Re: Cultandüngung mit 3-Lochdüse

Beitrag von Konrad Steinert » Samstag 4. Mai 2013, 07:45

Mit der Ausbringung in einem breiten Band an der Bodenoberfläche ist definitiv keine Cultandüngung möglich! Damit kann man keine Depots mit hoher Konzentration anlegen, unabhängig davon, welchen Dünger man verwendet. Einen Effekt hat die Verwendung von stabilisierten Dünger (z.B. Alzon), das die Umwandlung von Ammonium in Nitrat verzögert, aber das hat hinsichtlich des Verhaltens im Boden eine andere Wirkungsweise - aber so hat man immerhin eine ammoniumbetonte N-Ernährung.
Wenn man wirklich die Effekte der Cultan-Düngung kennen lernen will, geht es wohl nicht ohne Injektionsgerät (also über einen Dienstleister). Nur dann ist zu erwarten, dass die erwarteten Cultan-Effekte wie verbesserte Standfestigkeit, weniger Krankheiten und Unkraut, Humusschonung, Grundwasserschutz oder bessere Wasserverfügbarkeit voll zum Tragen kommen können.
Wenn man sich Versuche zur Cultan-Düngung ansieht, dann gibt es jedenfalls im Unterschied zur herkömmlichen mehrmaligen Düngung nur geringe Ertragsunterschiede, oftmals erreicht man mit der genau dosierten herkömmlichen Düngung in der Tendenz etwas bessere Erträge und Qualitäten.
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Re: Cultandüngung mit 3-Lochdüse

Beitrag von York-Th. Bayer » Samstag 4. Mai 2013, 14:38

Man sollte nicht Vergessen ds wenn man das Buch vom Prof. Sommer liest er immer wieder betont das es sich um einen systematischen Ansatz = "CULTAN SYstem" handelt. Es sind div. Faktoren zu betrachten.
Sicherlich kann man in Annäherung "CULTAN Effekte" mit einem Schleppschlauch oder 3-Loch Düse erzielen. Warum gab es nach einem kurzen Gastspiel in MvP keine Igelräder mehr? Weil man gemerkt hat das man mit Mehrlochdüse es auch "Hin bekommt".
Das ist wie bei No Till. Wenn man die jeweiligen Grenzen der gewählten Technik kennt dann kann man auch mit suboptimaler Technik gute Ergebnisse erzielen.
Wie kann ich bei Schleppschlauch erzielen das der Dünger etwas tiefer in den Boden kommt? Indem es einfach regnet.
Erträge: Warum wurden diese von Prof. Sommer "vorhergesagten oder versprochenen" Ertragsunterschiede noch nicht so oft realisiert? Wenn man die jeweiligen Versuchsanstellungen sich ansieht dann wurde eben das "CULTAN System" selten beherzigt. Das fängt ja bei Prof. Sommer bei:
- Saatzeit & Stärke
- Boden nach dem Drusch der Vorfrucht
- usw. an.
Und oft wurde ein für das CULTAN System unbrauch
Oft wird von Igelrad Betreibern ja das Wort CULTAN gar nicht mehr in den Mund genommen sondern von Injektions- oder plazierter Düngung gesprochen.
Zu Ihrer Frage Herr T.K.: mischen Sie doch einfach ASL mit AHL und dann geht es mit der vorhandenen Technik schon ein Stück in die gewünschte Richtung.
Injektionstechnik: Den Flächenmäßig kleinsten Betrieb mit eigener Injektionstechnik in D. hat etwas über 35 ha AF. Dann kenne ich noch einen Betrieb mit 250 ha der seines Zeichens ein Igelrad sein Eigen nennt. beide Betriebe machen keine Lohnarbeiten.
Selber hatte ich ein Gerät Ende der 90er mit 6 m AB und gerade mal 600 l Tank und war auch in der Lage jeden Tag 1 LKW Flüssigdünger zu verarbeiten.
York-Th.
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