Direktsaat in umgewalzten Ackerbohnenbestand

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Neuling
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Direktsaat in umgewalzten Ackerbohnenbestand

Beitrag von Neuling » Dienstag 9. Juli 2013, 10:33

Hallo,

ich möchte in einen Ackerbohnenbestand, der zuvor mit einer Messerwalze niedergewalzt wurde, Getreide einsäen. Grundsätzlich sicherlich kein Problem, allerdings besitze ich nur eine normale Kastendrillmaschine mit Scheibenscharen, die nicht genug Schardruck hat. Meine Idee ist es nun, ein Vorwerkzeug vor der Drille zu benutzen, das den Säschlitz öffnet.
Die Drille selbst legt dann das Saatgut genau in der Rille ab. Die Überlegung ähnelt dem Multidisk System, das hier im Forum schon einmal angesprochen wurde. Ist diese Vorgehensweise grundsätzlich möglich ? Sollte man mit Scheiben- oder Zinkenwerkzeugen arbeiten. Es soll ausschließlich auf leichten Sandböden, zum Teil lehmige Sande, zum Einsatz kommen.
MFG

Tim Leidecker

Konrad Steinert
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Re: Direktsaat in umgewalzten Ackerbohnenbestand

Beitrag von Konrad Steinert » Dienstag 9. Juli 2013, 21:17

Für die Einsaat in Ackerbohnen kommen wahrscheinlich nur Scheibenmaschinen in Frage, da die Bohnenstängel ansonsten die ganze Maschine zusetzen.
Normalerweise hat eine typische Dreischeibenmaschine einen Schardruck von 70 kg, die Vorschneidscheiben oder Wellseche sind aber mit 200 kg belastet. Wenn es eine mit den üblichen Rollscharen ausgerüstete Maschine ist, bringen die meist nur 20-25 kg Schardruck; außerdem müssten diese auch genau in den vorgeschnittenen Reihen laufen.
Es gibt allerdings auch einige Maschinen mit ausreichend hohem Schardruck, wie z.B. bei der Lemken Saphir 70 kg mit Optidisc Doppelscheibenschar; das sind dann aber eher die moderneren Vertreter diesen Typs.
Am besten geeignet dürften Scheibenscharmaschinen mit hohem Schardruck sein, wie die John Deere 750A, die Tandemflex von Auf der Landwehr oder die Moore Unidrill sein. Auch die Dreischeibentechnik (Kuhn SD, Great Plains) wäre gut geeignet, hat in Deutschland aber nie eine größere Verbreitung erreicht.
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Re: Direktsaat in umgewalzten Ackerbohnenbestand

Beitrag von York-Th. Bayer » Mittwoch 10. Juli 2013, 08:31

Hallo Herr Leidecker,

das ist sicherlich möglich und wird z. B. in Österreich von einem Betrieb erfolgreich praktiziert. Der hat eine sehr alte Nodet Kastendrille mit Scheibenschar und er hat sich so eine sog. "Coulter Cart" vorgebaut. Vielleicht melden Sie sich mal bei der LOP, die hatte von dem Betrieb Zausinger mal einen Beitrag. Oder Sie senden mir Ihre e-mail und ich sende Ihnen gerne ein paar Bilder von meinem Besuch bei ihm vor ein paar Wochen.
Man kann so was auch fertig kaufen. Denke DEUFA hatte so was mal im Programm.
Hier ein Beispiel wie es aussieht:
http://www.yetterco.com/products?catId=140&productId=54
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Re: Direktsaat in umgewalzten Ackerbohnenbestand

Beitrag von rettel » Freitag 12. Juli 2013, 23:42


Konrad Steinert
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Re: Direktsaat in umgewalzten Ackerbohnenbestand

Beitrag von Konrad Steinert » Samstag 13. Juli 2013, 20:16

Bei dem Multidisk-Werkzeugen scheint es sich um die Scheiben von Great Plains zu handeln.
Neben Großmaschinen führt Great Plains auch kleinere Anbaugeräte mit Dreischeibensystem, wie z.B. hier:
http://www.greatplainsint.com/en-gb/pro ... er_page=10
http://www.alphatec-ag.ch/1_de/neumasch ... eat-plains#

Etwas aufwendiger mit Pneumatiksämaschine ist die Konstruktion vom Lohnunternehmen Kappeler:
http://www.kappeler-lohnunternehmen.ch/ ... act-seeder

Leider gibt es im Bereich der Scheibenschar-Direktsaattechnik keine Billiglösungen, da die Maschinen entsprechend schwer und robust ausgelegt werden müssen; der Schardruck sollte mindestens bei 120 kg, optimal bei über 200 kg liegen. Auch Eigenbaulösungen sind deshalb nicht problemlos.
Ein Scheibenvorsatz mit 18 Reihen würde demzufolge eine Belastung von mindesten 2 t, optimal von 3,6 t benötigen!
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Re: Direktsaat in umgewalzten Ackerbohnenbestand

Beitrag von Neuling » Montag 15. Juli 2013, 22:34

Das bedeutet also das ich immer ein schweres Vorwerkzeug brauche. Wie verhält sich denn eine solche Kombination am Hang? Wenn ich mir eine solche Kombination bauen würde, müsste sie wohl aufgesattelt sein, da sonst mein Schlepper ohne Zweifel überfordert ist. Wäre das nicht problematisch hinsichtlich des Seitenzugs, ich meine, dass die Säschare dann nicht mehr in der Rille laufen ?
Ein anderer Ansatz wäre natürlich eine einfache Zinkenschartechnik, wie den mNT-Seeder, oder den Eco Dyn. Solche Maschinen wären ja relativ einfach zu bauen, jedoch stellt sich die Frage ob damit eine zufriedenstellende Arbeit möglich ist.

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Re: Direktsaat in umgewalzten Ackerbohnenbestand

Beitrag von Konrad Steinert » Dienstag 16. Juli 2013, 08:57

Es ist leider so, dass es ohne eine passende Direktsaatmaschine nicht geht. Alles andere würde nur Enttäuschungen verursachen: Entweder ist die Maschine ständig verstopft oder der Aufgang äußerst unbefriedigend.

Bei Zinkenschartechnik müssten Sie auf die Messerwalze verzichten und stattdessen den Bestand mit dem Mulcher fein zerkleinern. Aber dann haben Sie wieder eine faulende Schicht an der Bodenoberfläche, ein zusätzlicher BB-Gang wäre erforderlich. Es könnte aber funktionieren, wenn Sie die Zinken mit zusätzlichen Schneidscheiben kombinieren.

Vielleicht können Sie das Säen zunächst auch über einen Lohnunternehmer oder den Maschinenring durchführen lassen. Ansonsten würde ich Ihnen eher zu einer gebrauchten Scheibenschar-Maschine wie Moore Unidrill/Tandemflex, John Deere 750A, evt. Väderstad Rapid, Tume, Junkarri, Semeato o.ä. raten; das kommt Sie unterm Strich wahrscheinlich günstiger, als selbst etwas bauen zu wollen. Möglicherweise wäre auch eine "säende" Kurzscheibenegge wie die Agrisem Disc-O-Mulch oder der Väderstad Carrier Drill als Universalgerät eine Überlegung wert!
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