Spätsaat von Sommergerste

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sweet_bunny22
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Spätsaat von Sommergerste

Beitrag von sweet_bunny22 » Dienstag 24. Juni 2014, 19:18

Hallo alle miteinander. Am Rande ist dieses Thema hier schonmal irgendwo angeschnitten worden, aber ich möchts doch gern vertiefen.

Wir sind an sich kein ausgesprochenes Frühdruschgebiet, aber man liest immer mal wieder (meist in der Tagespresse), dass so ein Spezialist nach Wintergerste nochmal Sommergerste angebaut und im Herbst gedroschen hat. Dann ist die Rede von zwei Ernten in einem Jahr dank Klimawandel usw.
Das habe ich NICHT vor.
Zum einen bin ich mir nicht sicher, ob die Fruchtfolge Gerste-Gerste unter Mulchsaatbedingungen (oder überhaupt) das Gelbe vom Ei ist, zum anderen wäre mir das Risiko bei einer Saat Mitte-Ende Juli zu groß und die Ertragserwartung zu gering.
Mich reizt aber der Gedanke, zwei Nutzungen in einem Jahr über die Bühne zu bringen. Es müssen ja nicht zwei Druschfrüchte sein.

Die Idee wäre, ein einjähriges Weidelgras oder auch Landsberger Gemenge nach Weizenvorfrucht zu säen. Futterernte dann mit dem 1. Schnitt Grassilage anfang Mai, und wenn der Häcksler vom Feld ist eine frühe Sommergerstensorte (Grace?) mit Scheibenscharen als Direktsaat in die Grasnarbe (würde voraussetzen, im Vorauflauf mit Glyphosat das Gras abzutöten). Sommergerste hat sich (persönliche Einschätzung) als gut "Direktsaatverträglich" herausgestellt. Dann hätte man ca. 10 Wochen Vorsprung vor den "Gersten-Folgegersten" und könnte noch zu einem humanen Zeitpunkt ernten. Dürfte dann noch für einen Winterweizen mit anständiger Bestellung reichen - dabei stellt sich auch die Frage, was im Herbst noch von der Grasnarbe übrig wäre bzgl. der Weizenbestellung.

Theoretisch wäre mir so eine Winterzwischenfrucht mit Schnittnutzung lieber als eine Grasuntersaat in Getreide, weil sie die Winterfeuchtigkeit ertragreich umsetzen kann, an der es selten mangelt.

Und jetzt ihr:
-wer hat erfahrung mit später und / oder direkter Saat von Braugerste?
-mit Glyphosat im Vorauflauf? (habs dieses Jahr bei Sommerweizen gemacht, war top. Aber wie es mit einem dichten, feinen Graswurzelwerk aussieht?)
-mit dem Anbau von Landsberger Gemenge / einj. Weidelgras solo mit 1 Schnittnutzung im Frühjahr?

Wo ist bei meinen obigen Überlegungen der Haken?
Schämt euch nicht, alles hinzuschreiben was euch einfällt.
Peter

9° --- 550 l/m²/a --- 230-400 m ü. NN --- WW-WRaps-WW(WRoggen)-SM(CCM) --- s/sL/lS/L --- Sandstein-/Muschelkalkverwitterung --- 20-80 BP --- 1GV/ha

Ein abhandener Pflug macht noch keine Mulchsaat.

Konrad Steinert
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Re: Spätsaat von Sommergerste

Beitrag von Konrad Steinert » Dienstag 24. Juni 2014, 21:31

Normalerweise sagt man, dass sich eine Aussaat von Sommergetreide nach dem 1. Mai nicht mehr lohnt. Das hängt vor allem mit den Ansprüchen des Getreides an die Tageslänge zusammen, und da sind unsere Sommergetreidesorten eben auf eine Frühsaat hin selektiert. Der Ertrag wäre wahrscheinlich nur gering, trotz hoher Saatstärke und intensivem Pflanzenschutz. Ein Zeitfenster für Sommergetreide gibt es erst wieder ab Mitte Juli, dann aber bevorzugt für Biomasse und hier ist dann vor allem Sommertriticale geeignet. Günstiger hinsichtlich Aufwand, Ertrag und auch Humus/Vorfruchtwirkung wäre hier sicherlich Kleegras oder Luzerne als Hauptfrucht statt Winterzwischenfrucht/Sommergetreide.
Mit frühen Maissorten wäre es aber möglich, nach Landsberger Gemenge noch eine volle Ernte zu erzielen, wenn ausreichend Feuchtigkeit zur Verfügung steht - bei den heutigen Sorten müsste das auch bei Körnermais gehen. Eine andere Option wäre auch Sorghumhirse, die in geeigneten Lagen auch ein hohes Ertragspotenzial als Futtergetreide hat sowie frühe Sojasorten - Sorten wie Annushka können auch noch als Zweitfrucht gesät werden. Auch Buchweizen wäre eine mögliche Option - wenn man Abnehmer dafür findet.
Dr. Konrad Steinert
Redaktion
LOP LANDWIRTSCHAFT OHNE PFLUG
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