Auswinterung

Antworten
Ernst Döhne
Beiträge: 9
Registriert: Donnerstag 31. Dezember 2009, 11:44
Wohnort: Nordhessen

Auswinterung

Beitrag von Ernst Döhne » Sonntag 1. April 2012, 12:14

Hallo,

da bei mir 90% des Winterweizens und 30% der Wintergerste ausgewintert sind suche ich Leidgenossen
zwecks Erfahrungsaustausch.
Wir hatten Anfang Februar den Temperatursturz von 2° auf minus 12° und dann auf minus 22° ohne Schnee.

Ich kann keinen roten Faden finden, warum manche Bestände besser und andere kaputt sind.

Zuerst waren die Normal/Frühsaaten dran, zum Schluss habe ich aber auch Spätsaaten umgebrochen.
Am Anfang zeigten sich Sortenunterschiede, jetzt sind alle Sorten mehr oder weniger betroffen.
Dann dachte ich an die Lage, aber auf dem einem Schlag stehen die Vorgewände, auf dem anderen ist
es genau umgekehrt, ebenso ist es mit der Saatbettbereitung, ob extensiv oder intensiv.
Einzig der Mitte Oktober gesäte Maisweizen steht tendenziell besser da.
Sie haben keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
Ackerbau auf Ton bis sandigen Lehm im Realteilungsgebiet.
Mulchsaat seit 1980, jetzt mit Zinkenschartechnik.
Fruchtfolge mit Raps, W.Weizen, W.Gerste etwas Mais.
Nordhessisches Bergland bei Kassel.
Gruß Ernst Döhne

low-tiller
Beiträge: 164
Registriert: Dienstag 14. Oktober 2008, 05:39
Wohnort: niedersachsen südliche lüneburger heide

Re: Auswinterung

Beitrag von low-tiller » Sonntag 1. April 2012, 14:11

hallo ernst ,
wir hatten in unserer gegend etwas mehr glück in sachen auswinterung aber alles was ca 40-50 km südlich von uns liegt , hatte weit weniger glück .
alles was ich von befreundeten , auswinterungsgeschädigten landwirten gelesen und gehört habe , deckt sich mit deinen schilderungen .
aber , das sich daraus erkenntnisse zur herbst aussaat 2012 ableiten lassen ,außer sortenspezifische winterhärte glaube ich nicht .
was ich nicht verstehe , ist das der raps , besonderst der im herbst "abgehobene" dieses wetterextrem so gut überstanden hat .
gruß jürgen

ulikum
Beiträge: 393
Registriert: Montag 1. Februar 2010, 14:48

Re: Auswinterung

Beitrag von ulikum » Mittwoch 4. April 2012, 20:29

Hallo Ernst, wie es aussieht hat es nur uns in Nordhessen getroffen, :shock:

Obwohl die Temperaturen bei mir noch etwas heftiger waren, am 07. Februar hatten wir minus 24° und am 12 Februar mit minus 18° die letzte richtig kalte Nacht ebenfals ohne Schnee, bin ich etwas besser davongekommen.
Zur Zeit sieht es bei mir so aus:

Winterraps: Verluste an Pflanzen zwischen 10 und 60% kein Umbruch.
Wintergerste: 10% der Fläche neu mit Sommergerste bestellt, ansonsten partielle Pflanzenverluste zwischen 0 bis 100%, im Durchschnitt stehen noch ca. 65% der Pflanzen.
Triticale: Auswinterungsschäden bis zu 70% Pflanzenverluste, 30% der Fläche mit Sommerweizen nachgesät.
Winterweizen, 50% neu mit Sommerweizen bestellt, ansonsten Pflanzenverluste bis 50%.

Raps: 03.04.2012
Bild
Gerste: 03.04.2012
Bild
Triticale: 03.04.2012
Bild
Weizen: 03.04.2012
Bild

Was bei mir auffällig ist das komplette Z-Saatgut beim Getreide ist ausgewintert und musste abgeschrieben werden.
Die Sorte und die Fruchtart spielt dabei keine Rolle
und bei der Wintergerste bietet sich folgendes Bild: 03.04.2012
Bild
Man kann wunderbar die Spreuspur erkennen.
Zuletzt geändert von ulikum am Donnerstag 19. Juli 2012, 11:53, insgesamt 1-mal geändert.
Wenn zwei Menschen jeder einen Apfel haben
und sie diese Äpfel tauschen, hat am Ende auch nur jeder einen.
Wenn aber zwei Menschen je einen Gedanken haben
und diese tauschen, hat am Ende jeder zwei neue Gedanken
"Platon"

Ernst Döhne
Beiträge: 9
Registriert: Donnerstag 31. Dezember 2009, 11:44
Wohnort: Nordhessen

Re: Auswinterung

Beitrag von Ernst Döhne » Mittwoch 4. April 2012, 23:06

Hallo,

es geht weiter mit den Problemen!

Massiver Botrytisbefall im Raps.

10 bis 70% befallene Pflanzen.
P4043180.JPG
Sie haben keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
Ackerbau auf Ton bis sandigen Lehm im Realteilungsgebiet.
Mulchsaat seit 1980, jetzt mit Zinkenschartechnik.
Fruchtfolge mit Raps, W.Weizen, W.Gerste etwas Mais.
Nordhessisches Bergland bei Kassel.
Gruß Ernst Döhne

ulikum
Beiträge: 393
Registriert: Montag 1. Februar 2010, 14:48

Re: Auswinterung

Beitrag von ulikum » Donnerstag 5. April 2012, 07:33

Hallo Ernst,

Ich hoffe doch das bei meinen dünnen Beständen der Kelch eines größeren des Botrytisbefalls mal vorbeigeht.

Also die klasiche Metode, striegel und walzen im Frühjahr um den Bestand zu Bestockung anzuregen sollte man beim Raps tunlichst sein lassen.
Wie ich gehört habe, soll der Pilz soll besonders dann gut wirken können wenn an den Pflanzen eine mechanische Beschädigung vorliegt.
Auch könnten die Düngerkörner dazubeigetragen haben, wenn Sie als Geschosse die Pflanzen treffen.
So viel ich weis gibt es im Ackerbau kein Mittel zur Bekämpfung das einer direkte Zulassung hat,
und ob hier noch was hilft ?

Bild
Bild
Bild
Wenn zwei Menschen jeder einen Apfel haben
und sie diese Äpfel tauschen, hat am Ende auch nur jeder einen.
Wenn aber zwei Menschen je einen Gedanken haben
und diese tauschen, hat am Ende jeder zwei neue Gedanken
"Platon"

rettel
Beiträge: 58
Registriert: Mittwoch 22. April 2009, 15:45
Wohnort: NRW

Re: Auswinterung

Beitrag von rettel » Donnerstag 5. April 2012, 20:54

Schon mal jemand daran gedacht, dass Manganmangel für die hohen Auswinterungsschäden verantwortlich sein kann? Meines Wissens setzt ein Mangel an Mangan die Frosthärte der Pflanzen herab. Diese würde die starken Unterschiede innerhalb eines Schlages erklären können. Durch Bodenunterschiede verändert sich die Verfügbarkeit von Mangan. Hier sind in Weizen und Gerste häufig die Stellen ausgewintert die in den letzten Jahren häufig Manganmangel zeigten.
Ist Winterroggen vielleicht gerade aus diesem Grund so winterhart, weil er die Nährstoffe besser erschließen kann?

ulikum
Beiträge: 393
Registriert: Montag 1. Februar 2010, 14:48

Re: Auswinterung

Beitrag von ulikum » Freitag 6. April 2012, 21:28

Sicherlich sollte man sich mit den Spurenelementen hier Mangan in Bezug auf Auswinterungschäden auseinander setzen.
Aber in Bezug auf meine Flächen kann ich sagen, das sowohl die Ergebnisse der Lufa wie auch von Kinsey einen Manganmangel im Boden ausschließen.
Die Verfügbarkeit des Mangan für die Pflanze ist damit aber noch nicht geklärt.

Für meine Gemarkung/Region würde ich sagen,
ungewöhnliche Kälte gepaart mit einem trockenen und starken Ostwind haben dafür gesorgt das die Pflanzen wörtlich gefriergetrocknet wurden. Temperaturen bei minus 20 °- ein frischer Ostwind- relative Luftfeuchte bei 25% sind für hiesige Verhältnisse schon extrem.
Ich glaube auch eine zusätzliche Versorgen der Pflanzen mit Spurenelementen im Herbst (Vitalisierungscocktail) hätte die Pflanzenverluste nicht mehr wesentlich reduzieren können.

Bezüglich der Kältetoleranz von Roggen möchte ich feststellen das ich der Meinung bin die höhere Kältetoleranz erklärt sich aus seiner wahrscheinlichen genetischen Abstammung und dadurch seiner ursprünglichen Herkunft.

Hier was interessantes zum lesen bezüglich Frosttoleranz.
http://www.uni-stuttgart.de/wechselwirk ... 0Heyer.pdf
Wenn zwei Menschen jeder einen Apfel haben
und sie diese Äpfel tauschen, hat am Ende auch nur jeder einen.
Wenn aber zwei Menschen je einen Gedanken haben
und diese tauschen, hat am Ende jeder zwei neue Gedanken
"Platon"

Herbert Pickel
Beiträge: 84
Registriert: Dienstag 14. Oktober 2008, 19:05
Wohnort: Lkr. ERH

Re: Auswinterung

Beitrag von Herbert Pickel » Dienstag 10. April 2012, 05:29

Hallo.

Also die Spreuspuren vom Mähdrescher sind doch eindeutig. Denke mal dass dies der Fingerzeig ist. Hat es mit organischer Masse (Humus) doch zu tun?
Dachte bis heute Roggen, Triticale und Dinkel können mehr vertragen. Doch die Triticalebilder von Ulikum zeigen, dass es doch irgendwann ein Ende gibt.
Bei uns waren es glaube ich zu wissen, nur um die 20° minus. Meine Biobestände sind anstandslos über den Winter gekommen. Auch sind die Flächen in diesem Frühjahr (kalt) anderen Kollegen gegenüber viel besser gestartet.
Und das ohne Düngerzufuhr.

Nebenbei: Gestern wieder mal 30 km zu den Sch.-Eltern gefahren. Was die Rapsflächen zeigen ist erschreckend. Die Kollegen fahren doch ihre Programme.
Ergebnis: Sehr kümmerliche Bestände. Klar ist es zu kalt. Aber ob die den Input belohnen werden wage ich zu bezweifeln. Auffällig wieder: Schweinemäster und Rinderhalter haben die schönsten Bestände. Heißt für mich: Wirtschaftsdünger haben doch einen gewissen absichernden Effekt.

Servus
Herbert
Biolandwirt, Ackerbau, pfluglos, 270 m über NN, 550 mm Niederschlag/Jahr,
bis 40 Bodenpunkte, Frühjahrstrockengebiet, Großraum Erlangen

Antworten