Preisblase 2011

David Galle
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Re: Preisblase 2011

Beitrag von David Galle » Montag 23. Mai 2011, 07:18

Hallo,
so wie die momentane Wetterkapriolen sind, werden einige unserer Berufskollegen die einen Vorvertrag abgeschlossen haben, mit dessen Erfüllung Probleme bekommen. Selbst die Wetterkapriolen sind im Vertragsrecht keine höhere Gewalt ??? :o
Was ist den überhaupt höhere Gewalt, wenn nicht das Wetter ??? eines der wenigen Dinge die der Mensch noch nicht im großen Stiele beeinflussen kann, aber keine höhere Gewalt.
Wenn ich etwas Kaufe, bekomme ich einen Kaufvertrag vom Verkäufer. Nur in der Landwirtschaft nicht. Würden wir als Verkäufer dem Käufer einen Vertrag vorlegen, könnten wir dessen Bedingungen und Erfüllung gestalten.
Vielleicht sollte man daran Arbeiten, werde mal die Berufsvertretung darauf ansprechen.
David

wer immer nur in andere fußspuren tritt, wird nie eine eigene hinterlassen.

Kohl
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Re: Preisblase 2011

Beitrag von Kohl » Montag 23. Mai 2011, 08:33

@ stefan81

Ich schließe mich eher meinen Vorrednern an.

Der Kuchen kann nur einmal aufgeteilt werden und wenn Investoren von guten Zeiten für Agrarrohstoffe sprechen, stimmt es mich eher nachdenklich für die Situation der meisten Landwirte :!:
100% Mulchsaat, konventinell, Scheibenschardrilltechnik
50% Wintergetreide, 50% Silomais,
100% Zwischenfrüchte nach Getreide

Stefan81
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Re: Preisblase 2011

Beitrag von Stefan81 » Montag 23. Mai 2011, 20:50

Aber in manchen Regionen liegen schon riesige Flächen brach weil sie keiner mehr bewirtschaften will und die Weltbevölkerung wird auch nicht kleiner und noch besser - die die es sich leisten können werden auch mehr. Wo ist das Problem wenn ich für 280 € meinen Weizen verkauft habe und er zur Ernte dann vielleicht 240 oder 250 kostet - mit Deckungskäufen macht man dann auch noch einen kleinen Gewinn. Blöd ist es halt wenn der Weizenpreis zur Ernte bei 300 steht, aber dann hättest ja auch wenn du den Kontrakt erfüllen könntest einen Verlust gemacht.
Wissen ist der einzige Rohstoff der sich durch gebrauch vermehrt.
Schöne Grüße aus Niederösterreich
Stefan81

rettel
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Re: Preisblase 2011

Beitrag von rettel » Dienstag 24. Mai 2011, 14:11

Eines ist auf jeden Fall klar: Wenn wir die Welt auch in Jahren ernähren wollen (steigende Weltbevölkerung), brauchen wir einen noch höheren Getreidepreis als jetzt, um Anreize für eine höhere Produktion zu schaffen (intensivere Bewirtschaftung und vor allem Forcierung der Züchtung, auch Gentechnik).
Falls wir weltweit aber unseren Fleischkonsum stark reduzieren oder die Biogas und Bioethanolproduktion ebenfalls stark zurückfahren, wäre es auch mit der jetzigen Getreideproduktion möglich die Welt mit deutlich höheren Bevölkerungszahlen zu ernähren...

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Re: Preisblase 2011

Beitrag von York-Th. Bayer » Dienstag 24. Mai 2011, 15:38

rettel hat geschrieben:Eines ist auf jeden Fall klar: Wenn wir die Welt auch in Jahren ernähren wollen (steigende Weltbevölkerung), brauchen wir einen noch höheren Getreidepreis als jetzt, um Anreize für eine höhere Produktion zu schaffen (intensivere Bewirtschaftung und vor allem Forcierung der Züchtung, auch Gentechnik).
Falls wir weltweit aber unseren Fleischkonsum stark reduzieren oder die Biogas und Bioethanolproduktion ebenfalls stark zurückfahren, wäre es auch mit der jetzigen Getreideproduktion möglich die Welt mit deutlich höheren Bevölkerungszahlen zu ernähren...
Lieber Rettel,
ob dies was wird, mit den höheren Preisen und das sich dann die Produktion wieder lohnt?
Ich kann jedem nur empfehlen mal das Buch von:
David Montgomery
Dreck, warum unsere Zivilisation den Boden unter den Füßen verliert
zu lesen.
eine schöne Buchvorstellung mit dem Vortrag von Montgomery, auf Deutsch, finden Sie hier:
http://www.naturland.de/fileadmin/MDB/d ... huetzt.pdf

Und ob die Gentechnik in der Lage ist Funktionen die die Natur f3estgelegt hat mit Hilfe der Gentechnik zu Verändern, ich würde auf diese Dinge nicht meine Zukunft bauen.
Zum thema "Ursache von Ertragssteigerungen" empfehle ich den Beitrag von Dr. W. Köster, Prof. Nieder, den man hier finden kann
http://www.koester-w.de.vu/
zu lesen.
York-Th.
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rettel
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Re: Preisblase 2011

Beitrag von rettel » Dienstag 24. Mai 2011, 17:21

York-Th. Bayer hat geschrieben: ob dies was wird, mit den höheren Preisen und das sich dann die Produktion wieder lohnt?
Ich kann jedem nur empfehlen mal das Buch von:
David Montgomery
Dreck, warum unsere Zivilisation den Boden unter den Füßen verliert
zu lesen.
Und ob die Gentechnik in der Lage ist Funktionen die die Natur f3estgelegt hat mit Hilfe der Gentechnik zu Verändern, ich würde auf diese Dinge nicht meine Zukunft bauen.
Intensivere Produktion ist nicht gleichzusetzen mit Wälder roden oder pflügen...bedeutet also nicht zwangsläufig mehr Erosion und Bodendegradatation (siehe Montgomery).
Wenn man einen höheren Preis für Getreide bekommt, setzt man aber tendenziell zum Beispiel mehr Fungizide und Blattdünger ein, um so noch mehr Ertrag herauszukitzeln. Dies meine ich mit intensiverer Bewirtschaftung. Eine höhere Grunddüngung meine ich damit nicht zwangsläufig (liegt an Bodenversorgung). Auch eine höhere N-Düngung ist nicht unbedingt zielführend. Das Hauptaugenmerk lege ich auch auf bessere Züchtung. Je höher die Preise für Getreide und damit auch für Saatgut, desto mehr Geld stecken Züchtungsunternehmen in die Züchtung und desto schneller schreitet diese voran. Die Gentechnik kann diese Züchtungsschritte nochmals deutlich beschleunigen.
Wichtig ist, dass nicht nur ein oder zwei Kulturarten durch die Züchtung gefördert werden, sondern sehr viele, um auch noch vernünftige Fruchtfolgen zu halten und keine einseitigen Fruchtfolgen - aufgrund des deutlich höheren Deckungsbeitrages einzelner Fruchtarten - zu fördern, die dann zu Problemen (Maiswurzelbohrer etc.) führen, die zwangsläufig den Einsatz von Gentechnik nach sich ziehen.
Kulturarten, die hauptsächlich oder ausschließlich als Hybriden angeboten werden (Mais, Roggen), haben in den letzten Jahren einen deutlich höheren Ertragsfortschritt durch die Züchtung erhalten können als andere Kulturen. Nur wenn die Erzeuger durch höhere Markterlöse auch bei anderen Kulturen (Weizen, Gerste) in nahezu flächendeckendem Maße bereit sind, Mehrkosten für Hybridsaatgut zu tragen, können wir auch hier den Ertragsfortschritt stärker beschleunigen als es mit Liniensorten derzeit möglich ist.

ulikum
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Re: Preisblase 2011

Beitrag von ulikum » Mittwoch 25. Mai 2011, 20:55

Meine Gedanken zum Thema Gentechnik:

Bild

Intensivieren der Produktion bedeutet aber auch ein größeres wirtschaftliches Risiko.

Sicher ist das ein Weg den man gehen kann.
Solche Gedanken werden uns ja nun mehr seit über 60 Jahren gepredigt.
Nur ein wirklich sichtbarer Erfolg für die Landwirtschaft hat sich bis heute nicht eingestellt.

und
Höhere Gewinne im Ackerbau haben komischerweise immer zu geringerem Saatgutwechsel geführt.


Spielteilnahme ab 18,
das Glücksspiel Landwirtschaft kann süchtig machen............
Zuletzt geändert von ulikum am Samstag 28. Mai 2011, 08:58, insgesamt 1-mal geändert.
Wenn zwei Menschen jeder einen Apfel haben
und sie diese Äpfel tauschen, hat am Ende auch nur jeder einen.
Wenn aber zwei Menschen je einen Gedanken haben
und diese tauschen, hat am Ende jeder zwei neue Gedanken
"Platon"

Herbert Pickel
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Re: Preisblase 2011

Beitrag von Herbert Pickel » Donnerstag 26. Mai 2011, 18:27

Servus.
Selbst Gentechnik-Leute aus der vordersten Front sagen: " Mit Gentechnik kann man den Hunger der Welt nicht stillen!"
Nur soviel: NOCH MEHR ABHÄNGIGKEIT!!!!!!!! :o
Die Natur hat genug GENE! Sie braucht den Menschen nicht!

Servus
Biolandwirt, Ackerbau, pfluglos, 270 m über NN, 550 mm Niederschlag/Jahr,
bis 40 Bodenpunkte, Frühjahrstrockengebiet, Großraum Erlangen

Kohl
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Re: Preisblase 2011

Beitrag von Kohl » Samstag 25. Juni 2011, 18:49

Die Ernte hat noch kaum begonnen und die Preise sind scheinbar im freien Fall :o

An der cbot liegen die Weizenpreise schon etwa 10% unter den niedrigen Werten vom März, Matif noch leicht drüber.

Wird wohl so kommen wie mehrfach in den letzten Jahren, ex Erntepreis 120-150 €/to und im Winter verdienen Andere die Kohle.

:arrow: Alles wird eingelagert, Stroh für 200€/ha verkauft :!:
100% Mulchsaat, konventinell, Scheibenschardrilltechnik
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100% Zwischenfrüchte nach Getreide

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Re: Preisblase 2011

Beitrag von York-Th. Bayer » Donnerstag 30. Juni 2011, 14:10

....na ja und der Bauernverband wird in Kürze von einer normalen Erntemenge reden.
Warum glauben Sie sind die Ernteaussichten in der Ukraine & Russland nach oben gegangen? ganz einfach:
- ohne gute Ernte keine Exportlizenzen
- ohne Export keine Devisen
= keine Möglichkeit der Bedienung der in US $ fakturierten Investitionen - Kredite - bei den Großbetrieben.
Warum geht es auch weiten Teiler der Bevölkerung, z. b. in Kiew so schlecht? Nicht nur die Preissteigerungen sondern die in USA $ fakturierten Kredite für den privatisierten Wohnraum, also Hypothek läuft auf US $, tun massiv weh wenn die eigenen Währung um Faktor x abgewertet wurde. Denn die Einkommen wurden nicht um Faktor x erhöht.
York-Th.
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