No-till auf moorstandort ?

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low-tiller
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No-till auf moorstandort ?

Beitrag von low-tiller » Montag 4. April 2011, 18:59

hallo,
ich habe einen schlag , wo moor z.t torf mit einer mächtigkeit von 50 cm auf schwemmsand vorkommt .
die fläche wird seit 3 jahren nicht mehr bearbeitet .
beim aufbaggern von dränagegräben ist mir aufgefallen , das dort wo wasser auf der oberfläche steht , der boden nach 10cm trocken ist .
als überzeugter direktsäer kommen mir nun zweifel ob so ein standort no-till fähig ist oder ob das system an seine grenzen stößt ?

gruß jürgen
nord-östliches niedersachsen , leichter heidesand grundwasserfern und flußmarsch grundwassernah , bis auf neu übernommene flächen 100 % notill , scheibendrille mit unterfußdüngung und 25cm reihenabstand , low-tech und low-input .

Konrad Steinert
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Re: No-till auf moorstandort ?

Beitrag von Konrad Steinert » Montag 4. April 2011, 20:08

An sich ist No-Till für einen Moorstandort das ideale System, weil dies der Mineralisierung und dem Humusschwund auf dem Moorboden am besten entgegen wirkt. Die beobachtete Erscheinung deutet auf eine ausgesprochene Hydrophobie des Moores hin, der einmal ausgetrocknete Boden nimmt kein Wasser mehr an. Moorböden sind nun mal ausgesprochen schwierig bei Ackernutzung.
In Norddeutschland hat man hunderttausende Hektar durch eine meliorative Bearbeitung mit Sand bedeckt und kann diese nun mit wesentlich weniger Problemen ackerbaulich nutzen. Eine tiefere Bearbeitung ist nach dem Tiefpflügen unerwünscht, weil sie den Torf wieder an die Oberfläche bringen würde. Letztlich ist das bisher die einzige Möglichkeit, Niedermoorflächen dauerhaft ackerbaulich zu nutzen und den Torf vor einer Degradation zu schützen. Der Moorkörper bleibt dabei in der Tiefe vor einem raschen Abbau geschützt und kann von den Pflanzen als Wasserspeicher genutzt werden.
Möglicherweise bietet sich auf der Fläche eine "vertikale Bodenbearbeitung" an mit einstechenden Werkzeugen, wie z.B. diesen:
http://www.genesistillage.com/Helix_design.htm
So ist evt. eine weitere Nutzung ohne Meliorationsmaßnahmen möglich. Aber auch bei dauerhafter Grünlandnutzung ohne jede Bearbeitung ist ein Schutz des Torfes vor einer Vermullung an sich nur bei dauernd hohen Grundwasserständen möglich, wobei eine ackerbauliche Nutzung kaum noch möglich ist.
Dr. Konrad Steinert
Redaktion
LOP LANDWIRTSCHAFT OHNE PFLUG
Das Fachmagazin für den
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http://www.pfluglos.de

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