Wintergetreideanbau nach Marc Bonfils

Sevib
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Wintergetreideanbau nach Marc Bonfils

Beitrag von Sevib » Donnerstag 23. September 2010, 08:39

Ich bin vor einem weilchen einmal im Internet über die Bonfils-Methode des Wintergetreideanbaus gestolpert, siehe
http://www.leisa.info/index.php?url=get ... 11&a_seq=0
Danach habe ich mir auch das Buch the Harmonious Wheatsmith von Mark Moodie gekauft. In diesem Büchlein wird die Methode sehr anschaulich und ausführlich und irgendwie evtl. auch logisch beschrieben. Leider ist es dann bei mir wieder in Vergessenheit geraten und ich habe es nicht weiter verfolgt. Wenn alles klappt werde ich mir aber nächstes Jahr einen kleinen Testacker anlegen.
Was haltet ihr von der Methode und hat evtl. von euch schon mal einer damit experimentiert?

Sevib
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Re: Wintergetreideanbau nach Marc Bonfils

Beitrag von Sevib » Donnerstag 23. September 2010, 09:12

ein etwas längerer bericht in unserer muttersprache
http://www.selbstversorgerforum.de/perm ... onfils.pdf

ulikum
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Re: Wintergetreideanbau nach Marc Bonfils

Beitrag von ulikum » Donnerstag 23. September 2010, 11:25

@ sevib
was hältst du von folgendem?

http://i598.photobucket.com/albums/tt67 ... ng_svg.png
Wenn zwei Menschen jeder einen Apfel haben
und sie diese Äpfel tauschen, hat am Ende auch nur jeder einen.
Wenn aber zwei Menschen je einen Gedanken haben
und diese tauschen, hat am Ende jeder zwei neue Gedanken
"Platon"

tomte
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Re: Wintergetreideanbau nach Marc Bonfils

Beitrag von tomte » Donnerstag 23. September 2010, 12:04

Die Methode hat das gleiche Problem wie alle "Fukuoka-Permakultur-Sepp Holzer Metoden". Sie sind hervorragend geeignet für den etwas größeren Garten hinterm Haus, aber nicht für einen normalgroßen Betrieb. Im Text wird ja schon angesprochen, dass die mechanische Ernte ein Problem darstellt, da man dabei die Jungpflanzen stört. Genauso wird es andersrum auch sein, wenn man im Juni versucht zu säen - dabei zerstört man dann die Ernte (vom Ausfallgetreide mal ganz abgesehen). Man kann natürlich einfach ein Jahr aussetzen und hoffen, dass man wirklich 15t/ha erntet und somit im Schnitt fast den gleichen Ertrag bekommt. Dazu muss man noch wissen, dass die Region Beauce in Frankreich eine der fruchtbarsten überhaupt ist und eigentlich kaum Frost hat (von wegen der angesprochenen besseren Winterhärte).

Aber vielleicht kannst du mal kurz zusammenfassen wie die Methode in deinem Buch "logicsch" erklärt wird, vielleicht lassen sich damit meine Zweifel ja lösen?

Meiner Meinung nach macht es mehr Sinn sich nach dem zu orientieren was die Natur tatsächlich macht - Weizen hat eine Keimruhe von einigen Wochen - also macht es mehr Sinn den Weizen dann an den Standort angepasst zu säen und nicht schon bevor er eigentlich reif ist.
56ha Wald, 140ha LN (27 Weide/Naturweide), 32 Milchkühe, 1900 Legehennen
lehmiger Sand - sandiger Lehm, 7°C, 450mm, Bio (Demeter)
Kleegras (2jährig), Dinkel, Kartoffel (9ha), Gemüse (9ha), Hafer/Gerste/Erbse/So-Weizen (+Untersaat)

Konrad Steinert
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Re: Wintergetreideanbau nach Marc Bonfils

Beitrag von Konrad Steinert » Donnerstag 23. September 2010, 12:23

Extreme Frühsaaten sind sicherlich problematisch - Virenbefall, Krankheiten oder hoher Ungrasbesatz sind z.B. zu erwarten. Zumal unter mitteleuropäischen Bedingungen auch Weißklee konkurrierende Gräser wie auch das Getreide gut unterdrücken kann! Außerdem besteht immer wieder das Problem, dass der Weißklee eine starke Konkurrenz für das Getreide darstellt und diesem spätestens im Frühjahr die Nährstoffe wegnimmt. Das gilt in besonderer Weise für den ökologischen Landbau, wo man ja weder die Konkurrenz mit Herbiziden bremsen kann oder dem Getreide mit einer Cultan-Düngung auf die Beine helfen kann. Es braucht also neuer Ansatzpunkte, ehe man diese Verfahren mit ausreichender Ertragssicherheit in die Praxis umsetzen kann. Unter Verwendung von Mineraldünger und geeigneten Herbiziden könnte dies auch im konventionellen Landbau möglich sein.
Dr. Konrad Steinert
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Sevib
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Re: Wintergetreideanbau nach Marc Bonfils

Beitrag von Sevib » Donnerstag 23. September 2010, 13:39

Wenn man bedenkt, dass der Weizen ursprünglich aus dem Orient und nordafrika kommt und vorallem die Keimruhe beim Weizen nicht so stark ausgeprägt zu sein scheint (man bedenke die Auswuchsproblematik dieses Jahr) könnte es schon sein, dass diese extreme Frühsaat im Juni dem weizen förderlich ist.
Das von Herr Steinert angesprochene Problem mit Virenbefall und Krankheiten soll es laut Bonfils bedingt durch die extrem geringe Pflanzendichte von nur wenigen Pflanzen pro m² nicht geben.
Ich bin bei dem ganzen auch noch sehr skeptisch, insbesondere die Ausfallgetreideproblematik ist in dem Buch gar nicht angesprochen. Falls das ganze Prinzip überhaupt funktioniert, muss man sich wohl darauf beschränken nur jedes zweite Jahr Getreide anzubauen und dazwischen die Flächen Schnittnutzen. Ist also nur für Viehhaltende Betriebe interessant. Am besten könnte ich es mir noch in einer Biofruchtfolge vorstellen. Erfahrungsgemäß unterdrückt der Klee auf ausgelaugten Ackerböden nach einigen Schnittnutzungen im ersten Jahr das meißte Unkraut recht gut, sofern man nicht organisch düngt. Dann könnte man im Juni nach einer Schnittnutzung mit der Direktsaat-einzelkornsämaschine das Getreide sähen und im ansaatjahr noch zwei Schnittnutzungen machen. Im folgenden Jahr hätte man dann nach dem Dreschen auch noch die Möglichkeit die fläche als Futter zu mähen oder alternativ mit dem Vorfruchtwert eines Kleegrases umzubrechen.
Das genante Ertragspotential von 10 bis 15 tonnen halte ich für utopisch.

Naja soweit ist aber erstmal alles Gedankenspinnerei. Mich würde es einfach erst einmal interessieren was ihr für gedanken dazu habt und ob es irgend jemand schon mal versucht hat. Ich werde nächstes jahr auf meinem kleinen Versuchsfeld im Hof einen ca. 8X20m² großen Versuch anlegen und schauen ob es überhaupt funktioniert. Sollte es denn funktionieren wäre die Umsetzung in die Praxis ein neues Thema

tomte
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Re: Wintergetreideanbau nach Marc Bonfils

Beitrag von tomte » Donnerstag 23. September 2010, 19:31

Sevib hat geschrieben:Wenn man bedenkt, dass der Weizen ursprünglich aus dem Orient und nordafrika kommt und vorallem die Keimruhe beim Weizen nicht so stark ausgeprägt zu sein scheint (man bedenke die Auswuchsproblematik dieses Jahr) könnte es schon sein, dass diese extreme Frühsaat im Juni dem weizen förderlich ist.
Die Keimruhe ist dieses Jahr verkürzt durch die feuchten Bedingungen, aber trotzdem sät sich nichts aus bevor der Weizen überhaupt reif ist. Aber die wenigen Pflanzen pro m² könnten auch in solchen Jahren helfen, sollte schließlich besser abtrocknen können. Bei Weizen gibt es übrigens Kurztags- Langtags und Temperatursummentypen. Theoretisch nimmt man die Kurztagstypen für frühe Saat, aber ob dies bei so früher Saat immer noch richtig ist kann ich mir heute Abend nicht mehr vorstellen.
Ich bin bei dem ganzen auch noch sehr skeptisch, insbesondere die Ausfallgetreideproblematik ist in dem Buch gar nicht angesprochen. Falls das ganze Prinzip überhaupt funktioniert, muss man sich wohl darauf beschränken nur jedes zweite Jahr Getreide anzubauen und dazwischen die Flächen Schnittnutzen. Ist also nur für Viehhaltende Betriebe interessant. Am besten könnte ich es mir noch in einer Biofruchtfolge vorstellen. Erfahrungsgemäß unterdrückt der Klee auf ausgelaugten Ackerböden nach einigen Schnittnutzungen im ersten Jahr das meißte Unkraut recht gut, sofern man nicht organisch düngt. Dann könnte man im Juni nach einer Schnittnutzung mit der Direktsaat-einzelkornsämaschine das Getreide sähen und im ansaatjahr noch zwei Schnittnutzungen machen. Im folgenden Jahr hätte man dann nach dem Dreschen auch noch die Möglichkeit die fläche als Futter zu mähen oder alternativ mit dem Vorfruchtwert eines Kleegrases umzubrechen.
Ich glaube ein reiner Weißkleebestand ist nicht soo interessant für eine Schnittnutzung, ein "richtiges" Kleegras ist meiner Ansicht nach eine deutlich zu starke Konkurrenz für so einen Fall. Wenn man allerdings vorher eine Schnittnutzung macht, dann ist zwar die Konkurrenz erstmal geschwächt, aber die Saat wird missglücken da das System auf das Mikroklima unter dem Klee setzt. Wie sonst sollte man genügend Feuchtigkeit haben um das Getreide überhaupt zum Keimen und Überleben bringen. Vor allem im Juni/Juli.
Naja soweit ist aber erstmal alles Gedankenspinnerei. Mich würde es einfach erst einmal interessieren was ihr für gedanken dazu habt und ob es irgend jemand schon mal versucht hat. Ich werde nächstes jahr auf meinem kleinen Versuchsfeld im Hof einen ca. 8X20m² großen Versuch anlegen und schauen ob es überhaupt funktioniert. Sollte es denn funktionieren wäre die Umsetzung in die Praxis ein neues Thema
Wir wollen Bilder und Ergebnisse! Es könnte natürlich gehen durch den weiten "Reihenabstand", dass man im Juni schon zwischen die bestehenden Reihen säen kann. Schafft man es dann noch die Spur des Mähdreschers genau auf das einzustellen was gedroschen wird kommt man vielleicht mit akzeptablem Schaden durch. Das erinnert mich gerade ein bisschen an "weite Reihe Systeme". Interessant wäre auch, wie das Getreide dann z.B. Ende August oder Anfang September auf einen "Schröpfschnitt" reagiert (als zusätzliche Nutzung). In manchen Gegenden war dies (meist später) durch die Wanderschäfer gegeben. Manche machen dies auch bewusst bei früh gesätem Roggen heute eben maschinell.
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joe_d
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Re: Wintergetreideanbau nach Marc Bonfils

Beitrag von joe_d » Samstag 25. September 2010, 07:51

diese Bonfilsm. ist nach wie vor die Herausforderung im Ackerbau....
wenn, dann könnte es nur mit Reihen b.z.w. Dammkulturen funktionieren
es sollte aber nur jeder zweite Damm bestellt sein, wegen der Einsaat im Juni b.z.w. freihaltung von Beikraut und Klee
Weisklee gibt erst N-frei wenn er blüht, also kann es eine lange Durststrecke werden. In sehr feuchten Jahren kann er sich nur damit beschäftigen, sich gegenseitig das Licht weg zu nehmen... und blüht erst sehr spät
Niederschläge sind der begrenzende Faktor...in Trockenjahren saugt er alles auf / aus
in feuchten Jahren kann er einen so dichten Bestand bilden, dass eine Einsaat wenig Sinn macht (währe interessant wie er auf ein Messerwalze reagiert) ....ja und Schnecken freuen sich auch über Beschattung.... da braucht man schon viel Laufenten und wehe es sind keine Schnecken da

viel Erfolg bin schon gespannt auf Ergebnisse
Joe
als das Leben vom Wasser auf das Land kam, wurden tendenziell von jenen die Geschlechtsorgane immer schöner, die ihre Verdauungsorgane in den Boden trieben, gegen über jenen die sie mit sich herumtrugen.....

ulikum
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Re: Wintergetreideanbau nach Marc Bonfils

Beitrag von ulikum » Montag 27. September 2010, 20:33

joe_d hat geschrieben:diese Bonfilsm. ist nach wie vor die Herausforderung im Ackerbau....
wenn, dann könnte es nur mit Reihen b.z.w. Dammkulturen funktionieren
es sollte aber nur jeder zweite Damm bestellt sein, wegen der Einsaat im Juni b.z.w. freihaltung von Beikraut und Klee
Weisklee gibt erst N-frei wenn er blüht, also kann es eine lange Durststrecke werden. In sehr feuchten Jahren kann er sich nur damit beschäftigen, sich gegenseitig das Licht weg zu nehmen... und blüht erst sehr spät
Niederschläge sind der begrenzende Faktor...in Trockenjahren saugt er alles auf / aus
in feuchten Jahren kann er einen so dichten Bestand bilden, dass eine Einsaat wenig Sinn macht (währe interessant wie er auf ein Messerwalze reagiert) ....ja und Schnecken freuen sich auch über Beschattung.... da braucht man schon viel Laufenten und wehe es sind keine Schnecken da

viel Erfolg bin schon gespannt auf Ergebnisse
Joe
Brillant besser geht es nicht.
Wenn zwei Menschen jeder einen Apfel haben
und sie diese Äpfel tauschen, hat am Ende auch nur jeder einen.
Wenn aber zwei Menschen je einen Gedanken haben
und diese tauschen, hat am Ende jeder zwei neue Gedanken
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tomte
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Re: Wintergetreideanbau nach Marc Bonfils

Beitrag von tomte » Montag 27. September 2010, 23:24

Für Dämme ist schon der hier zuständig: http://www.haeufelpflug.de
56ha Wald, 140ha LN (27 Weide/Naturweide), 32 Milchkühe, 1900 Legehennen
lehmiger Sand - sandiger Lehm, 7°C, 450mm, Bio (Demeter)
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