Durumweizen in der Fruchtfolge

Antworten
Hofer Urs
Beiträge: 51
Registriert: Dienstag 4. November 2008, 20:30
Wohnort: Südfrankreich, Nîmes

Durumweizen in der Fruchtfolge

Beitrag von Hofer Urs » Sonntag 20. Dezember 2015, 15:35

In unserer eher getreidelastigen Fruchtfolge steht neben Weichweizen auch Durum. Wie nahe stehen sich diese beiden Getreidearten? Welche sollte man an 1. Stelle säen? Oder wieviel Abstand sollte eingehalten werden zwischen beiden. Aktuell haben wir, wo es geht, 4 - 6 Jahre Kunstwiese (Rohrschwingel, Knaulgras oder auch beide gemischt plus kleinere Flächen Luzerne) und dann etwa 3 oder 4 Jahre Getreide (Weichweizen, Durum, manchmal Gerste). Die Kunstwiesenfläche ist auch abhängig, wie gut das Heu verkäuflich ist. Frühlingskulturen bauen wir zur Zeit keine an, weil es zu trocken, beziehungsweise bewässern zu teuer ist.
Acker-und Weinbau

Konrad Steinert
Beiträge: 507
Registriert: Freitag 17. Oktober 2008, 14:00
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Durumweizen in der Fruchtfolge

Beitrag von Konrad Steinert » Montag 21. Dezember 2015, 08:38

Durumweizen und Weichweizen sind an sich sehr nahe miteinander verwandt und haben teilweise dieselben Urformen. Darum ist es nicht günstig, beide Formen nacheinander anzubauen. Günstig wäre es, eine Blattfrucht wie Soja oder Sonnenblumen dazwischenzusetzen, eine einjährige Anbaupause sollte aber ausreichen. Bei den Winterkulturen wären Wintererbsen, Winterackerbohnen, Winterraps und vor allem auch der Winterhafer denkbar - Hafer wirkt in der Fruchtfolge ähnlich wie eine Blattfrucht.
Es wäre natürlich auch möglich, direkt auf Durum den Weichweizen folgen zu lassen, insbesondere dann, wenn zuvor längere Zeit Ackergras gestanden hat. Es ist dann aber im Stoppelweizen mit einem erhöhtem Krankheitsdruck zu rechnen, der sich aber sicherlich durch geeignete Sorten, Saatgutbeizung und Fungizidbehandlungen weitgehend ausschalten lässt - vor allem in sommertrockenen Regionen wie Südfrankreich, wo der Krankheitsdruck eher geringer ist als z. B. an der Nordseeküste. Zu berücksichtigen ist auch das Problem des Durchwuchses, der man bei pfluglosem Anbau nie völlig ausschließen kann, vor allem unter trockenen Bedingungen. Dabei ist dann wohl etwas Hartweizen im Weichweizen eher zu tolerieren als Weichweizen im Durum, was zu erheblichen Abzügen beim Verkauf führen kann.
Dr. Konrad Steinert
Redaktion
LOP LANDWIRTSCHAFT OHNE PFLUG
Das Fachmagazin für den
professionellen Pflanzenbau
http://www.pfluglos.de

Hofer Urs
Beiträge: 51
Registriert: Dienstag 4. November 2008, 20:30
Wohnort: Südfrankreich, Nîmes

Re: Durumweizen in der Fruchtfolge

Beitrag von Hofer Urs » Montag 21. Dezember 2015, 18:42

Vielen Dank für Ihre Antwort. Blattfrüchte wären schon wünschenswert, aber bei Frühlingsblattfrüchten zahlt man den Ertrag teuer bei uns und es wird deshalb meistens unrentabel. Raps fressen die Trappen und die Eiweisserbsen sind schwierig zu ernten, wegen extrem vielen Steinen. Bleiben noch die Winterackerbohnen und der Hafer, vielleicht noch Lupinen. Könnte man bei uns Winterackerbohnen anbauen? Ertragen die Hitze und starken Wind (Mistral)? Vielleicht müsste ich es einfach mal probieren und dann den Abnehmer überzeugen, dass er sie abnimmt, ich glaube, es wären die ersten.
Acker-und Weinbau

Konrad Steinert
Beiträge: 507
Registriert: Freitag 17. Oktober 2008, 14:00
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Durumweizen in der Fruchtfolge

Beitrag von Konrad Steinert » Montag 21. Dezember 2015, 19:49

Leider sind Ackerbohnen generell etwas für ein eher kühles und feuchtes Klima, die Mittelmeerhitze mögen sie nicht so sehr. Eventuell ist es bei Winterackerbohnen besser als bei der Sommerform, weil sie beim Einsetzen der Hitze im Mai schon ziemlich weit entwickelt sind. Lupinen gelten als deutlich trockenresistenter, wobei es bei der Weißen Lupine auch Winterformen gibt. Sie gedeihen allerdings nicht auf alkalischen Böden.
Vielleicht wäre auch die Saatguterzeugung für Zwischenfrucht-Leguminosen wie Wickenarten, Platterbsen, Hornklee, Steinklee oder Inkarnatklee eine mögliche Option. Schließlich ist der Saatgutbedarf durch die neuen Greening-Vorschriften stark angestiegen und die Züchterfirmen suchen jetzt jetzt dringend nach neuen Saatguterzeugern.
Hier finden Sie hier bestimmt etwas passendes:
http://www.saatgut-shop.de/index.php?ca ... aaten.html
Interessant wäre auch die überwinternde Nachkerze mit ihrer extrem tiefreichenden Pfahlwurzel, deren Saat auch als Ölfrucht sehr gefragt ist.
http://www.mlul.brandenburg.de/media_fa ... k_oelv.pdf
Dr. Konrad Steinert
Redaktion
LOP LANDWIRTSCHAFT OHNE PFLUG
Das Fachmagazin für den
professionellen Pflanzenbau
http://www.pfluglos.de

Antworten