Fruchtfolgeerweiterung durch Anbau einer Sommerung

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Sebastian Meyer
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Fruchtfolgeerweiterung durch Anbau einer Sommerung

Beitrag von Sebastian Meyer » Freitag 18. Dezember 2015, 10:09

Hallo

Mein Name ist Sebastian und bin neu hier im Forum und neues Mitglied der GKB e.V.
Ich komme aus Bayern (Oberpfalz) meine Eltern und ich bewirtschaften einen Milchviehbetrieb mit Ackerbau.

Seit Jahrzehnten wird/wurde auf unseren Betrieb gepflügt, dies änderte sich als wir vor ein paar Jahren uns einen Horsch Terano 3FX gekauft hatten seitdem wird eine immer größere Fläche pfluglos bewirtschaftet.

Die Fruchtfolge wird seit längerer Zeit 5 gliedrig betrieben diese setzt sich derzeit wie folgt zusammen:

Wintergerste-Zwischenfrucht-Silomais-Winterweizen-Winterraps

Kleegras wird 4 jährig angebaut

In den nächsten Jahren soll die Fläche der pfluglosen Bewirtschaftung ausgebaut werden meine Gründe hierfür sind: Erosionsschutz, Bodenleben fördern

Da ich ein wenig Bedenken habe das auf unseren Betrieb der Ungrasdruck sehr stark ansteigen wird, hoffe ich dies mit dem Anbau einer zusätzlichen Sommerung mit davorgeschalteter Zwischenfrucht diesen so niedrig wie möglich zu halten.

Probleme mit AFS und Trespen gibt es derzeit kaum, lediglich kleine Nester.

Nun zu meiner eigentlichen Fragestellung:

- Welche Sommerung würde am besten passen um vielleicht auch gleich die Greeningvorschriften zu erfüllen und
- Welche Zwischenfrucht bzw. welches Gemenge würde passen.

Ich würde mich auf zahlreiche Antworten freuen.

Gruß Sebastian
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Konrad Steinert
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Re: Fruchtfolgeerweiterung durch Anbau einer Sommerung

Beitrag von Konrad Steinert » Freitag 18. Dezember 2015, 22:44

Sie haben doch schon eine weitgehend optimale Fruchtfolge, da man schon kann von einem Fruchtwechsel sprechen! Hier brauchen Sie eigentlich auch nichts ändern, Wintergetreide nur jedes zweite Jahr und dazwischen eine Sommerung wie Mais bzw. eine Blattfrucht wie Raps. Im Mais wie auch im Raps können Sie Ackerfuchsschwanz und die Trespen recht effektiv bekämpfen. Vielleicht müsste man sich auch noch einmal die Stoppelbearbeitung ansehen, ob hier noch Optimierungen z. B. durch veränderte Scharformen und Walzen möglich sind.

Natürlich könnten Sie gern auch Ackerbohnen, Soja oder Hafer anbauen, aber das sollten Sie nur tun, wenn es betriebswirtschaftlich sinnvoll ist. Sollte es noch Probleme beim Greening geben, könnten Sie ggf. statt Kleegras Luzerne oder Rotklee anbauen, die als Leguminosen auch als ÖVF angerechnet werden. Leider werden Leguminosengemenge wie Kleegras oder Wickroggen beim Greening nicht angerechnet. Eine weitere Option wären auch noch Untersaaten im Mais als ÖVF.

Bei Zwischenfrüchten würde ich Ihnen vor allem Gemenge wie TerraLife Maispro oder Biomax sowie Viterra Bodengare empfehlen, diese haben eine günstige Fruchtfolgewirkung auf den Mais und enthalten auch nur geringe Mengen an Kruziferen, die Sie wegen des Rapsanbaus möglichst meiden sollten. Damit können Sie gleichzeitig auch die Anforderungen des Greenings erfüllen, wenn Sie diese abfrieren lassen und eine Mulchsaat machen. Eine mögliche Alternative wäre auch der Anbau von überwinternden Zwischenfrüchten wie Landsberger Gemenge oder auch das neue Lundsgaarder Gemenge, die auch ein hervorragendes Futter abgeben. Aber dann kommt der Mais erst spät als Zweitfrucht in den Boden und man braucht auch eine geeignete Einzelkornsämaschine und evt. Streifenbearbeitung, um die Narbe klein zu kriegen.
Dr. Konrad Steinert
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Sebastian Meyer
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Re: Fruchtfolgeerweiterung durch Anbau einer Sommerung

Beitrag von Sebastian Meyer » Samstag 19. Dezember 2015, 20:38

Die derzeitige Stoppelbearbeitung wird mit einem Horsch Terano 3 FX durchgeführt.
Wenn wir die flache Bodenbearbeitung machen bleiben die Flügel dran, erst wenn tiefer als 10-15cm geht kommen die Flügel runter.
Die Rückverfestigung übernimmt der RollFlex Packer.

Der Ablauft der Bodenbearbeitung bei Vorfrucht Winterweizen anschließend Winterraps sieht derzeit so aus:

-Stroh wird Abgefahren

-Stoppelsturz bei einer Arbeitstiefe von max. 10cm (Ausfallgetreide keimen lassen)

-10 Tage später je nach Arbeitsspitzen Gülle einarbeiten auf der gleichen Arbeitstiefe

-Tiefe Bearbeitung und somit Saatbettbereitung direkt vor der Rapsaussaat auf 30cm Tiefe

Der Saatzeitpunkt liegt immer um den 23.-25. August.

Die eigentliche Idee warum ich noch zusätzlich eine Sommerung anbauen will, ist die Bodenverbesserung da wir fast das komplette Stroh für die Tierhaltung abfahren aber auch wieder den Boden zurück geben.
Aber nur so ist eine Ausweitung des Zwischenfruchtanbaus zu schaffen oder?


Mir ist bewusst das ich durch die Sommerung eine Art "Entgangenen Nutzen" was den Deckungsbeitrag angeht habe, aber man sollte sich doch nicht nur auf Zahlen beschränken oder?
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Re: Fruchtfolgeerweiterung durch Anbau einer Sommerung

Beitrag von Konrad Steinert » Samstag 19. Dezember 2015, 21:52

Da haben Sie sicher recht, wenn man nur Winterungen anbaut, muss man in der Regel auf Zwischenfrüchte verzichten. Sommerungen könnten hier einen möglichen Ausweg bringen.

Wenn Sie das Stroh als Stallmist wieder zurück auf de Acker bringen, ist das schon ein richtiger Ansatz zur Verbesserung der Humusbilanz. Und beim Raps bleibt dann normalerweise auch das Stroh auf dem Acker. Wen Sie konsequent auf den Pflug verzichten, habe Sie nach mehreren Jahren ohnehin eine deutliche Humusanreicherung mit all ihren Vorzügen (Bodenstruktur, Bodenerwärmung, kaum noch Verschlämmung) an der Bodenoberfläche, auch wenn der Humusgehalt im Boden insgesamt nicht wesentlich zunimmt.

Wesentlich mehr für die Humusbilanz als eine Sommerkultur mit nachfolgender Zwischenfrucht würde eine Einbeziehung des Kleegrases in die Fruchtfolge bringen, also Wintergerste/Kleegraseinsaat - Kleegras Hauptnutzungsjahr - Mais - Weizen - Raps, statt das Kleegras vier Jahre lang auf einem Schlag anzubauen, im ersten Jahr wird besonders viel Wurzelmasse gebildet, das lässt aber später wieder nach.

Weitere Optionen zum Einbau von Zwischenfrüchten wären Leguminosenbeisaaten im Winterraps oder Untersaaten im Mais.
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Sebastian Meyer
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Re: Fruchtfolgeerweiterung durch Anbau einer Sommerung

Beitrag von Sebastian Meyer » Sonntag 20. Dezember 2015, 08:19

Nehmen die Bei/Untersaaten den Hauptfrüchten nicht zu viel Wasser weg?

Im Jahresmittel haben wir um die 650mm Niederschlag, zudem sind wir immer häuftiger von Frühsommertrockenheit geplagt.

Das mit dem Kleegras finde ich eine gute Idee.
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Re: Fruchtfolgeerweiterung durch Anbau einer Sommerung

Beitrag von Konrad Steinert » Montag 21. Dezember 2015, 09:12

Ein Wassermangel ist nicht zu befürchten, denn diese benötigen vor allem im Herbst etwas mehr Wasser - im Frühjahr ist das Wasserdefizit fast immer wieder aufgefüllt. Dazu gibt es zahlreiche Untersuchungen, die wir u.a. auch in der LOP veröffentlicht haben. Probleme kann es in ausgesprochenen Trockengebieten wie Thüringen oder Sachsen-Anhalt mit Jahresniederschlägen von weniger als 500 mm geben.

Etwas kritischer sind hier die Untersaaten im Mais. Diese sind bei Frühjahrstrockenheit nur schwer zu etablieren, am besten noch durch das Vorsaatverfahren. Sinn machen diese aber eigentllich nur, wenn danach wieder Mais oder eine andere Sommerkultur folgt, denn sie bilden die meiste Biomasse erst im Herbst und auch noch im Frühjahr nach der Ernte. Das entfällt aber, wenn Sie sofort nach dem Häckseln Weizen säen. Es wäre auch für eine Anerkennung als ÖVF wichtig,die man ja erst ab Februar umbrechen darf.


https://www.dsv-saaten.de/Biogas/unters ... aaten.html
https://www.dsv-saaten.de/Biogas/unters ... rsaat.html
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Re: Fruchtfolgeerweiterung durch Anbau einer Sommerung

Beitrag von Sebastian Meyer » Montag 21. Dezember 2015, 19:38

Ein Versuch wäre es auf jeden Fall mal wert.

Vielen Dank für die Infos Herr Steinert.
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