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Kunstwiese mit Knaulgras

Verfasst: Freitag 29. Mai 2015, 18:25
von Hofer Urs
Aus verschiedenen Gründen können wir hier nur Gräser säen. Knaulgras, Rohrschwingel oder auch beides als Mischung. Dauer der Kunstwiese: 5 Jahre. Im letzten Herbst hab ich die erste Anlage umgebrochen und als Nachfolgekultur Winterweizen gesät. Nun bin ich mir nicht mehr so ganz sicher, ob eine Kunstwiese mit nur Gräsern darin, wirklich fruchtfolgetechnisch so sinnvoll ist, vorallem als Vorkultur zu Weizen. Sind die Wiesengräser zu Weizen nicht zu nahe verwandt und könnten Krankheiten übertragen?

Re: Kunstwiese mit Knaulgras

Verfasst: Freitag 29. Mai 2015, 19:38
von Konrad Steinert
Ganz ausgeschlossen ist natürlich die Übertragung von Krankheiten nicht, wenn man Weizen direkt nach Ackergras sät, wie z. B. Viruserkrankungen. Aber trotzdem ist es eigentlich unproblematisch, nach Ackergras Weizen anzubauen. Rohrschwingel und Knaulgras sind schließlich nur entfernte Verwandte des Weizens wie auch der Hafer, der als gute Weizenvorfrucht gilt. Es ist jedoch dringend zu empfehlen, die Grasnarbe etwa 4-6 Wochen vor der Weizenbestellung umzubrechen (Bodenfräse, Zinkenrotor, Scheibenegge), um die Grasnarbe in Rotte zu bringen.

Re: Kunstwiese mit Knaulgras

Verfasst: Montag 1. Juni 2015, 10:52
von Hofer Urs
Vielen Dank für Ihre Antwort. Endlich hab ich eine einigermassen vernünftige Fruchtfolge gefunden. Heu ist zum Glück hier gut verkäuflich.
Vielleicht noch kurz, warum wir mit der Fruchtfolge, neben den klimatischen Bedingungen, zusätzlich eingeschränkt sind. Wir sind in der Natura 2000 Zone und genau in dieser Zone liegt auch eines der wichtigsten Brutgebiete der Trappen in Frankreich. Damit die Trappen überleben können, gibts hier einige spezielle Schutzgebiete. Weil es den Trappen natürlich nicht nur in diesen Schutzgebieten gefällt, kommen sie auch immer zu uns ins angrenzende Gebiet. Diese Vögel fressen vor allem Kreuzblütler und Leguminosen. Der Raps gefällt Ihnen am besten und dann folgt die Luzerne. Es ist nicht so, dass es nur einige Vögel gibt, sondern bei Zählungen waren alleine auf unserem Betrieb 500 Stück. Als wir das letzte Mal Raps angebaut haben, wurden etwa 15 Hektaren radikal abgefressen, die fressen fast wie die Kühe.
Offenbar sind die Tiere nicht an Gräsern interessiert und so müssen wir unsere Fruchtfolge in diese Richtung planen. Frühlingskulturen, wie Sonnenblumen, Sojabohnen und Mais, kommen auf unseren Böden weniger in Frage, weils einfach zu trocken ist und die Beregnung sich nicht mehr wirklich lohnt. Früher gabs Beregnungsprämie und deshalb wars auch eher rentabel.

Re: Kunstwiese mit Knaulgras

Verfasst: Montag 1. Juni 2015, 13:09
von Konrad Steinert
In Deutschland ist die Großtrappe ein ganz seltener Vogel, es soll aber hier westlich von Berlin einige geben. 500 Stück ist aber schon eine enorme Anzahl, in ganz Deutschland soll es nicht einmal 150 Stück geben. Ich glaube, dass ich gestern auf einer Radtour in Brandenburg eine gesehen habe, aber die war ziemlich weit weg und ich hatte kein Fernglas dabei.

Re: Kunstwiese mit Knaulgras

Verfasst: Donnerstag 14. Januar 2016, 20:27
von Hofer Urs
Hab etwa 16 Hektaren mit Knaulgras angesät im letzten September. Alles lief auch sehr schön auf. Jetzt aber verschwinden grosse Teile dieser Wiese progressiv. Eigentlich sollte das Knaulgras helfen, die Fruchtfolge zu verbessern. Es scheint, bezw. es ist so, dass die Getreidelaufkäfer das Knaulgras sehr gut mögen und fressen. Ja, jetzt wirds schwierig, welche Grässer sind nicht anfällig oder welche Art Bekämpfung könnte man anwenden, um möglichst viel Fläche zu retten. Die Vorkultur (Weizen) hatte schon einige Stellen mit Schäden. Im Weizen kann man bei uns Decis spritzen, und oder beim Säen das Saatgut mit Gaucho beizen. Ob die Wirkung von Decis in Weizen ausreichend ist, ist abhängig vom Spritzzeitpunkt und der Temperatur. Aber, was kann man bei Knaulgras machen, bei der Saat oder später? Die hiesigen Berater wussten es nicht. Es war jedenfalls ihnen nicht bekannt, dass dieses Gras so anfällig ist.

Re: Kunstwiese mit Knaulgras

Verfasst: Samstag 4. Juni 2016, 08:07
von Hofer Urs
Die Schäden des Getreidelaufkäfers sind zum Glück geringer wie vermutet vor 5 Monaten in den Knaulgrasflächen. Im Januar sah das wirklich schlimm aus. Schlussendlich sind aber nur etwa 50 Aren (auch die sind noch nicht ganz verloren) von ca. 16 Hektaren betroffen. Irgendwie haben die anderen Stellen, die schlecht aussahen, das überstanden. Es hat zwar dort weniger Pflanzen pro m2, aber diejenigen die geblieben sind kompensieren nicht schlecht. Ich glaube, wenn die Wiese dann mal richtig installiert ist, können die Larven den Pflanzen nichts mehr anhaben.
Anders wird es dann vielleicht aussehen, wenn die Wiese umgebrochen wird und Weizen hinterher folgt. Dann stellt sich die Frage, ob die Wiesen dann im Verlaufe der Zeit für die Laufkäfer immer noch attraktiv sind und dann in den Weizen übergehen und ihn schädigen werden. Man könnte dann zwar das Weizensaatgut mit Gaucho beizen, wenn es dann noch erlaubt wäre, aber das Ziel wäre es sicher nicht.