Luzernen Fruchtfolge

Stefan
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Luzernen Fruchtfolge

Beitrag von Stefan » Sonntag 18. Januar 2009, 14:04

Hallo liebe Forums-Mitlglieder,

ich möchte folgeden 5-gliedrige Fruchtfolge pfluglos fahren
SG-Luzerne-Luzerne-WW (ZWF Senf)-ZR
1. Wer hat Erfahrungen mit der Saat von Luzerne in Getreide-Stoppeln/Mulch, Welche?
2. Wie werde ich die Luzerne nach dem 2ten Jahr wieder los und kann pflugslos WW bestellen?
3. Wie ist die Vorfruchtwirkung von Luzerne zu rechnen, welchen Düngeraufwand muß ich noch für A-Weizen, Ertragspotential 8t betreiben?

Freue mich auf Eure Anregungen
Grüße
Stefan

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Mulchsaat, Konventionell, LUZ (25%), Getreide (50%), ZR (25%), ZWF nach Getreide, Nordbayern, Trockengebiet

Konrad Steinert
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Re: Luzernen Fruchtfolge

Beitrag von Konrad Steinert » Sonntag 18. Januar 2009, 19:00

Luzerne stellt hohe Ansprüche an das Saatbett und braucht ausreichend Bodenschluss ("gartenmäßiges Saatbett"). Am besten ist wohl, das Stroh zu räumen und die Saat mit einer geeigneten Direktsaatmaschine (schwere Scheibenmaschine mit Druckrollen) in die Stoppel zu bringen, evt. nach flachem Mulchen. Wenn diese Möglichkeit nicht besteht, zumindest mit einer schweren Walze arbeiten.
Die Luzerne chemisch zu beseitigen, bedarf relativ hoher Mengen an Glyphosat (4-5 l/ha). Luzerne ist allerdings recht empfindlich gegenüber mechanischer Bearbeitung, insbesondere eines ganzflächigen Abschneidens mit dem Flügelschargrubber. Mit einer zweimaligen Bearbeitung 1) Scheibenegge und 2) Grubber oder Kreiselegge dürfte man den Bestand bereits weitgehend vernichten.
Luzerne hinterlässt viel Stickstoff, die Düngung kann deshalb um 60-70 kg/ha reduziert werden.
Dr. Konrad Steinert
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Stefan
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Re: Luzernen Fruchtfolge

Beitrag von Stefan » Dienstag 17. März 2009, 14:53

Hallo Herr Steinert,
ich werde die Luzerne als Untersaat in die Braugerste einsäen. Dies geschieht mittels "historischer" Amazone D7 mit Schleppscharen. Ich hoffe so einen dichteren Bestand zu erhalten. Um die Luzerene im Sommer nicht zu unterdrücken wird das Stroh geborgen. Hoffe das klappt so alles
grüße
Stefan

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michi
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Re: Luzernen Fruchtfolge

Beitrag von michi » Donnerstag 19. März 2009, 07:41

Hallo Stefan,
dass mit der Luzerneeinsaat in So-Gerste hat mein Opa vor 50 Jahre schon gemacht. Du musst aber folgende Punkte beachten (ich schreib jetzt wahllos alles runter, was mir so spontan einfällt)
-Da So-Gerste nach ZR steht sind relativ wenig Ernterückstände da, d.h. du kommst mit der Schleppschardrille klar
-zuerste erfolgt die Saat der So-Gerste und dann in der Bestockung solo nochmal mit der Drille drüber und Luzerne säen (hohe Fahrgeschwindigkeit, Striegel wegen der So-Gerste hochklappen, Saattiefe ca 0,5 cm) danach walzen !!!!
-die Aussaatmenge der So-Gerste zurücknehmen (die Bestockung wird durch das Walzen sowieso nochmal angeregt und die dünnerern Bestände lassen der Luzerne mehr Luft)
-du kannst max. 20kg N von der Luzerne für die So-Gerste anrechnen
-durch die getrennte Aussaat hast du die Möglichkeit einer Herbizidmaßnahme in der So-Gerste kurz nach dem Auflaufen (blattaktive Mittel, z. B. Axial, Wuchsstoffe, Brenner die einzelnen Mittel aber keinesfalls mischen und nix mit Bodenwirkung), der Zeitpunkt ist zwar nicht optimal aber besser als nix!
-In W-Weizen lässt sich die Luzerne relativ leicht mit Wuchsstoffen und Sylfonylharnstoffen abschießen
-bei einer späten Ernte und feuchtem Frühsommer wird die Luzerne höher als die So-Gerste, macht beim Drusch Probleme und evtl. ist eine Nachtrocknung notwendig.
-im So-Gerste Stroh ist jede Menge nasse Luzerne, deshalb hohe Stoppeln dass der Schwad nicht am Boden liegt und gut eine Woche Sonne drauf bis man das Zeug pressen kann. Wenn´s reinregnet gleich mit dem Ladewagen auf einen Haufen und kompostieren. Mit dem Wender den Schwad breit machen wird nix!!!!
-bei einer nassen Ernte hohe Stoppeln schneiden und das Stroh häckseln, im Herbst dann einen Pflegeschnitt mit hohen Stoppeln

Mehr fällt mir gerade nicht ein, wenn´s noch was wichtiges gibt, schreib ich nochmal einen Beitrag!!

Georg Doppler
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Re: Luzernen Fruchtfolge

Beitrag von Georg Doppler » Donnerstag 19. März 2009, 22:10

Einsaat in SG hat sich auch bei uns bewährt. Ist jedenfalls sicherer als Blanksaat nach SG.
Stoppeln mähen nach der Ernte ist bei allen Untersaaten sehr sinnvoll. Bestand wird dichter und holt den Schnitt sofort auf und bildet danach ein vielfaches an Masse gegenüber langen Stoppeln (mit "altständiger" Luzerne).
Luzerne nicht zu kurz in den Winter gehen lassen; 12-15cm min.
Luzerne ohne Chemie abtöten geht kinderleicht, wenn sie nicht frisch gemäht oder gemulcht ist; umso mehr Blattmasse umso schneller trocknet die Pflanze die flächig abgeschnittenen Wurzelstöcke aus (Bilder siehe http://www.gkb-ev.de/forum-new/viewtopic.php?f=14&t=45 )
lg
Georg
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Re: Luzernen Fruchtfolge

Beitrag von Konrad Steinert » Donnerstag 19. März 2009, 22:22

Das mit der Braugerste könnte risikoreich sein, da die Luzerne ja ziemlich schnell hoch wächst und so die Ernte und Qualität der Braugerste empfindlich stören könnte, vor allem in feuchten Jahren. Spritzen Sie den Bestand mit Glyphosat ab, ist es auch mit der Luzerne vorbei.
Früher hat man in der DDR Gerstluzerne oder Gerstluzernegras bzw. Gerstkleegras empfohlen. Das häckselte man aus dem Stand dann zur Teigreife der Gerste ab, zum Silieren brauchte das nicht oder nur kurz vorgewelkt werden. Der Bestand konnte dann weiter als Ackerfutter genutzt werden.
Daher die Empfehlung, Luzerne vorwiegend in Sommerblanksaat anzusäen; sonst müssen Sie mit dem Risiko leben, dass der Mähdrusch problematisch wird und der Bestand evt. nur siliert werden kann. Als Tierhalter oder Zulieferer für eine Biogasanlage können Sie wahrscheinlich damit leben, da Sommerblanksaaten, wie bereits gesagt, oft unsicher sind. Geht es um Gründüngung, sind niedriger bleibende Kleearten wie Weißklee zu empfehlen, bei ausreichend N im Betrieb (Gülle!) auch Gräser wie Rotschwingel oder Knaulgras.
Langfristig ist übrigens auch der Luzerneanteil von etwa 50 % in der Fruchtfolge zu hoch und kann z. B. durch Welkekrankheiten zu Pflanzenausfällen und Ertragsdepressionen führen. Dann müssten Sie im 2. oder 3. Standjahr Gräser nachsäen und mit N nachdüngen. Wenn klimatisch geeignet, könnten Sie auch in den Rotationen zwischen Kleegras und Luzerne wechseln.
Dr. Konrad Steinert
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Re: Luzernen Fruchtfolge

Beitrag von Stefan » Montag 23. März 2009, 20:20

Vielen Dank für die guten Informationen

Die Braugerste Sorte Marthe, habe ich am 19.3 auf Frost gedrillt (240 Kö/qm, und ohne Spuren) und im Vorsaat-Verfahren mit knapp 50kg/N ha KAS angedüngt. Jetzt regnets die gerade schön ein und so in drei Wochen werde ich den Luzerneversuch starten. Meine Erfahrungsschatz stammt übrigens ebenfalls von meine 75 jährigen Vater.
Das Thema Hochwachsen und feuchte Bedingungen sehe ich bei uns im Raum Würzburg (ausgeprägtes Trockengebiet mit 500 mm NIederschlag, normale Braugerstenernte um den 15-20.7) nicht als das große Problem an.
Ich hätte noch eine kleine Verständnis-Frage. Stoppel im Hochschnitt ist mir noch klar, warum aber das kurzmähen? Muß es ein mähen oder kann es auch ein mulchen sein? Ich vermute ersteres?
hg
Stefan

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Re: Luzernen Fruchtfolge

Beitrag von Georg Doppler » Montag 23. März 2009, 23:18

Sicher ist ein "sauberer" Schnitt immer besser für´s Wiederaustreiben, Mulchen ist aber sicher auch gut. Wichtig ist einfach dass die Luzerne gekürzt wird um dann mit frischem Trieb richtig Masse zu machen. - Meine Meinung.
Georg
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Re: Luzernen Fruchtfolge

Beitrag von michi » Freitag 27. März 2009, 18:48

Wenn du hohe Stoppeln schneidest, musst du relativ schnell die hohen Stoppeln in Kontakt mit dem Boden bringen, damit diese verrotten, sonst hast du im nächsten Jahr den ganzen "Scheiß" mit im Futter. Ob mulchen oder mähen ist letztendlich egal, Hauptsache runter auf den Boden mit dem Stroh!

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Re: Luzernen Fruchtfolge

Beitrag von Stefan » Montag 30. März 2009, 07:12

Hallo, Hohe Stoppeln stellen kein Problem dar, da de Luzerne nicht verfüttert sondern in eine Biogasanlage wandert.
Danke für Eure Ideen
grüße
Stefan

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